Bischof Konrad Zdarsa

Bistum Augsburg

Priester fordern Bischof Zdarsa heraus

Augsburg – 43 Priester des Bistums Augsburg schließen sich zu einer Initiative zusammen. Und gehen auf Konfrontationskurs mit der Bistumsleitung.

Das Zweite Vatikanische Konzil ist zwar schon seit 50 Jahren vorbei, sein Geist allerdings erlebt gerade eine Renaissance. Reformstau, autoritärer Führungsstil, reaktionäre Tendenzen – immer wieder werden diese Vorwürfe gegen den Klerus der katholischen Kirche erhoben. Und auf kritische Worte folgen immer öfter Taten: Gläubige und Priester schließen sich zu Initiativen zusammen in der Hoffnung, dass ihre Rufe nach Veränderung damit Gehör finden.

Beispielhaft für dieses getrübte Verhältnis zwischen Kirchenbasis und Leitung ist das Bistum Augsburg. Dort gibt es nun eine Initiative mehr, die sich für eine moderne Kirche stark macht. Und sich damit in vielen Punkten gegen die Vorstellungen des dortigen Bischofs Konrad Zdarsa stellt. 43 Priester aus dem Bistum fordern unter anderem die Möglichkeit zur Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene und für Ehepaare verschiedener Konfessionen. Kritik äußern sie an Zdarsas Plänen, wegen Priestermangels und Kirchenaustritten Pfarreien im großen Stil zusammenzulegen. Ziel dieser Umstrukturierung ist der Bistumsleitung zufolge „das Zusammenwachsen aller zu einer größeren Einheit“. Zwar zeigen die Augsburger Priester in ihrer Erklärung dafür Verständnis, dass „der Priestermangel viele Diözesen zu pastoralen Großraumplanungen veranlasst“. Jedoch brauche man eine „Pastoral der Nähe“, um von „lebendigen Gemeinden“ lernen zu können.

Sich zu einer solchen Initiative zusammenzuschließen, war nicht ganz einfach. Einer, der von Anfang mit dabei war, ist der Tutzinger Pfarrer Peter Brummer. Er sagt, einige Priester hätten Bedenken gehabt, ob diese Themen nicht besser kirchenintern diskutiert werden sollten. Den nötigen Mut und die Sicherheit, sich doch offensiv zu Wort zu melden, zogen die Priester aus dem derzeitigen Dialogprozess der Kirche. Und aus den Gesprächen mit den Menschen ihrer Pfarrgemeinden. „Die Gläubigen verlangen auch von uns Priestern, endlich Farbe zu bekennen“, sagt Brummer.

Auch die Schwächung der Pfarrgemeinderäte sehen die Priester mit Sorge. Die Laien bangen um die Zukunft dieser demokratischen Einrichtung, die ihnen Partizipation innerhalb der Kirche ermöglicht. Der Augsburger Bischof will die Pfarrgemeinderäte langfristig durch Pastoralräte ersetzen. Außerdem ist bereits länger bekannt, dass von Laien gefeierte Wortgottesdienste an Sonntagen weitgehend gestrichen werden sollen. Die Priesterinitiative hingegen fordert aber gerade die Stärkung dieser Instanzen: „Wir müssen die Gläubigen, auch die kritischen, ernst nehmen“, sagt Brummer. Er merkt jedoch an, dass „eine offene, kritische Auseinandersetzung in der Kirche nicht immer einfach ist“. Warum, sagt er nicht.

Mittlerweile gibt es in Deutschland sieben solcher Priester-Initiativen. Erst kürzlich schlossen sich in München 24 Priester und Diakone zusammen. In Amerika, Irland, Österreich und der Schweiz sind es mittlerweile viele hundert. Die Priester des Bistums Augsburg sagen, sie sehen sich als Teil eines Bogens, der sich langsame spanne. Am Montag wollen sie eine Internetseite freischalten, damit sich andere Seelsorger der Initiative anschließen können.

Patrick Wehner

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