Priester unter Missbrauchsverdacht: weiterer Vorwurf

Bamberg - Ein wegen Missbrauchsverdachts suspendierter und angezeigter Bamberger Diözesanpriester ist vor einigen Jahren schon einmal ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten.

Auch dem Erzbistum Bamberg war der weitere Verdachtsfall bekannt. 2008 sei bei der Staatsanwaltschaft Bamberg eine Anzeige wegen sexueller Nötigung eingegangen, teilte das Erzbistum am Freitag mit und bestätigte damit einen Bericht der “Nürnberger Nachrichten“. Doch die Vorwürfe waren bereits verjährt, also stellte die Staatsanwaltschaft ihre Ermittlungen wieder ein.

Nach Schilderung des Erzbistums ging 2001 ein anonymer Hinweis im Ordinariat ein. Ein Pfadfinder beschuldigte den Priester, dieser habe sich ihm elf Jahre zuvor sexuell genähert. Das mutmaßliche Opfer soll zum Zeitpunkt der Tat bereits volljährig gewesen sein. 2003 wurde das Ordinariat informiert, dass sich das mutmaßliche Opfer und der Pfarrer über einen Täter-Opfer-Ausgleich geeinigt hätten. Der Mann habe erklärt, dass er gegen den Priester keine weiteren Vorwürfe mehr erheben werde.

2008 erstattete der Mann jedoch Anzeige gegen den katholischen Geistlichen wegen sexueller Nötigung. Wie Bardo Backert, Leiter der Bamberger Staatsanwaltschaft, den “Nürnberger Nachrichten“ sagte, war das Erzbistum nicht über die Anzeige informiert worden. Zu einem Verfahren kam es nicht, da die Vorwürfe bereits verjährt waren.

Anfang dieses Jahres wurde die Erzdiözese mit einem weiteren Verdacht gegen den Pfarrer konfrontiert: Am 17. Februar erstattete sie Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth und suspendierte den Priester. Ein Mann hatte sich an den Bischöflichen Beauftragten für sexuellen Missbrauch gewandt und von einem sexuellen Übergriff aus den 1980er Jahren berichtet. Wie die Sprecherin der Nürnberger Staatsanwaltschaft sagte, soll dieser Mann zum Zeitpunkt des mutmaßlichen Missbrauchs 15 Jahre alt gewesen sein.

Dem im Großraum Nürnberg-Fürth-Erlangen tätigen Priester hatte die Kirche auch eine überörtliche Leitungsfunktion zugewiesen - trotz des Verdachts, der ihr im Jahr 2001 mitgeteilt worden war. Bis zum Bekanntwerden des jüngsten Vorwurfs sei man von einem einmaligen Fehlverhalten ausgegangen, rechtfertigte sich das Erzbistum: “Für eine Gefährdung Minderjähriger gab es bis dato keine Anhaltspunkte.“

dpa

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