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Georg (l.) und Joseph Ratzinger, geboren in Marktl (Kreis Altötting), sind seit 65 Jahren Priester.

Priesterweihe vor 65 Jahren

Zwei Ratzingers – ein Jubiläum

München - Vor 65 Jahren wurden die Brüder Georg und Joseph Ratzinger zu Priestern geweiht. Nun feiert der emeritierte Papst das seltene Jubiläum in Rom.

Rom/Regensburg – Karl Steininger freut sich besonders auf Mittwochabend. Dann ist der Landeshauptmann der Gebirgsschützen bei Joseph Ratzinger eingeladen. Im Klausurkloster Mater Ecclesiae in den vatikanischen Gärten werden sie dem emeritierten Papst Benedikt XVI. ihre Glückwünsche überbringen, begleitet von einer Blaskapelle. Sie, das ist eine Delegation von rund 120 Trachtlern, Musikern und Gebirgsschützen aus Bayern, die zum 65. Jahrestag von Joseph Ratzingers Priesterweihe am morgigen Dienstag nach Rom reist. Der 89-Jährige ist Ehrenmitglied der Tegernseer Gebirgsschützen.

Beide Brüder, Georg Ratzinger, der langjährige Leiter der Regensburger Domspatzen, und der vor drei Jahren zurückgetretene Papst mit dem bürgerlichen Namen Joseph Ratzinger, wurden am 29. Juni 1951 im Freisinger Mariendom zu Priestern geweiht. Nur selten fühlt sich ein Brüderpaar gemeinsam berufen für das Priesteramt. Dass beide dann auch noch am selben Tag und am selben Ort miteinander die Weihe empfangen, kommt noch seltener vor.

Die Priesterweihe empfingen Georg (l.) und Joseph Ratzinger am 29. Juni 1951 im Freisinger Dom.

Eigentlich wollten sie heuer nicht feiern. „Das 65. Priesterjubiläum ist ein Tag des Dankes und der Freude, kein Tag zum Feiern“, sagt Georg Ratzinger. Doch Papst Franziskus sieht es anders und feiert mit seinem Vorgänger Benedikt XVI. am kommenden Dienstag – einen Tag vor dem eigentlichen Datum – im Vatikan das seltene Jubiläum. Georg Ratzinger wird nicht nach Rom fliegen, sondern feiert daheim in Regensburg im kleinen Kreis. Der 92-Jährige ist fast vollständig erblindet und hat Probleme mit dem Gehen. Doch beide Brüder sehen sich auch im hohen Alter regelmäßig in Rom. Der nächste Besuch Georg Ratzingers ist für August geplant.

In die italienische Hauptstadt war Karl Steininger bereits voriges Jahr gefahren, zu Joseph Ratzingers 88. Geburtstag. Er kenne die Ratzinger-Brüder schon „viele, viele Jahre“, erzählt der 76-Jährige aus Kleinpienzenau bei Weyarn (Kreis Miesbach). In der Zeit, als Joseph Ratzinger noch Erzbischof von München und Freising war, habe er ihn und auch Georg Ratzinger bei Festlichkeiten getroffen. „Ich habe immer die Intelligenz und den Witz der beiden geschätzt“, sagt er, „und vor allem ihre durch und durch bayerische Art“.

Beide machten Karriere

Jeder der Brüder hat auf seine Weise Karriere gemacht. Wohin es beide zog, zeichnete sich bereits in der Schule ab. Im Traunsteiner Knabenseminar, einem Internat für Priesteranwärter, hatten die Brüder Spitznamen. Joseph Ratzinger war der Bücherratz, weil er sich schon damals in jeder freien Minute in dicke Wälzer vertiefte, der ältere Bruder hieß Orgelratz, weil er nicht vom Harmonium oder der Orgelbank wegkam. Georg Ratzinger studierte nach der Priesterweihe zusätzlich katholische Kirchenmusik. 1964 wurde er Domkapellmeister in Regensburg und damit Chef der Domspatzen.

Das Amt behielt er 30 Jahre. Die Karriere von Joseph Ratzinger ist bekannt: mit 32 Jahren Professor für Dogmatik an der Uni Bonn, wenig später Berater des Kölner Kardinals Joseph Frings während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Der aufstrebende Theologe fiel damals als progressiver Kirchenmann auf. Nach weiteren Hochschulstationen in Münster, Tübingen und Regensburg wurde er 1977 Münchner Erzbischof und noch im selben Jahr Kardinal. Fünf Jahre später machte ihn Papst Johannes Paul II. zum Präfekten der Glaubenskongregation und damit zu seinem engsten Mitarbeiter. Am 19. April 2005 wählten ihn die Kardinäle zum Papst. Am 28. Februar 2013 gab er das Amt auf.

"Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg“

Auf seine Priesterweihe hat der emeritierte Papst einen verklärten Blick: „Man soll nicht abergläubisch sein. Aber als in dem Augenblick, in dem der greise Erzbischof mir die Hände auflegte, ein Vöglein – vielleicht eine Lerche – vom Hochaltar in den Dom aufstieg und ein kleines Jubellied trällerte, war es mir doch wie ein Zuspruch von oben: Es ist gut so, du bist auf dem rechten Weg“, schreibt Ratzinger in seinen 1998 erschienenen Erinnerungen „Aus meinem Leben“. Auch sein Bruder erinnert sich noch genau daran: „Das ist ein Tag von ganz besonderem Gewicht, der für das ganze Leben entscheidend ist.“

Karl Steininger findet es natürlich sehr schade, nicht beide Brüder in Rom treffen zu können. Doch es bedeutet ihm viel, bei der Feier dabei sein zu können. „Es ist etwas ganz Besonderes, das Priesterjubiläum unseres ehemaligen bayerischen Papstes miterleben zu dürfen.“

Teresa Pancritius und Paul Winterer

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