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Bei seinem Besuch 2006 winkte Papst Benedikt den Marktlern aus dem neuen Papamobil zu

Probesitzen im Papamobil: Plan in Marktl

Marktl - Der Papstgeburtsort macht wieder einmal von sich reden. Nicht nur, weil die Lufthansa demnächst ein neues Flugzeug auf den Namen "Marktl" taufen wird. Es gibt dort einen ungewöhnlichen Plan.

Heiß diskutieren die Marktler derzeit die Vorbereitungen für den traditionellen Frühjahrsmarkt mit Autoausstellung am 1. Mai. Der Grund: Es wird das Papamobil von Mercedes-Benz zu bestaunen sein. Der Marktler Gewerbeverein mit seinem umtriebigen Vorsitzenden Josef Frész hat entgegen aller Erwartungen die Zusage aus Stuttgart bekommen. Aber nicht bei allen löst der Werbegag pure Freude aus. Bürgermeister Hubert Gschwendtner etwa trägt Sorge, dass Kritiker seiner Gemeinde erneut eine „Vermarktelung“ vorwerfen könnten.

Die Idee, das Papamobil nach Marktl zu holen, war im Markt-Organisationsteam des Gewerbevereins geboren worden, erzählt dessen Vorsitzender Josef Frész. Man habe sie aber zunächst schnell wieder verworfen. „Weil wir das für nicht realisierbar gehalten haben.“

Trotzdem, so Frész , habe er bei Daimler-Benz wegen des Papamobils nachgefragt. „Zwei Tage später hatte ich bereits die nie erwartete Zusage in Händen“, freut sich der Marktler noch immer. „Wir dürfen zwar aus versicherungstechnischen Gründen nicht durch den Ort fahren, aber auch so ist das für den Frühjahrsmarkt eine riesige Attraktion“, so Frész. Er schwärmt davon, dass den Marktbesuchern, die im Papamobil Platz nehmen, ein wenig das Gefühl vermittelt werde, schon einmal in der Nähe des Papstes gesessen zu sein. Bei der Versammlung des „Freundeskreises Marktl am Inn, Geburtsort Papst Benedikt“ machte der Gewerbevereinsvorsitzende nun den Vorschlag, man könnte Besucher fotografieren, wenn sie sich ins Papamobil setzen. Nicht kostenlos, sondern etwa für eine Fünf-Euro-Spende an den örtlichen Kindergarten. Solche Abkassier-Ideen schmecken dem Marktler Bürgermeister Hubert Gschwendtner aber gar nicht: „Ich werde mich bestimmt nicht im Papamobil fotografieren lassen!“

Schließlich seien derartige Marketinggedanken mit den Zielen Marktls nicht in Einklang zu bringen. Grundsätzlich halte er die Idee, das Papamobil in Marktl zu zeigen, für gut, betonte Gschwendtner. „Aber mit solchen Dingen muss man dezent und vorsichtig umgehen, auf keinen Fall sollten damit Geschäfte gemacht werden.“

Frész hält dagegen die ständige Angst vor den „Vermarktelungsvorwürfen“ für völlig unangebracht: „Damit sollten sich Orte wie Altötting oder Lourdes einmal auseinandersetzen, aber doch nicht wir.“ Frész, der nicht nur Vorsitzender des Gewerbevereins ist, sondern für die CSU auch im Marktler Gemeinderat die Opposition anführt, vermutet, dass Gschwendtner (SPD) nur nicht begeistert ist, „weil die Idee nicht von ihm kam“. Wie auch immer: Richtiges Benedikt-Gefühl wird beim Anblick des Papamobils eh nicht aufkommen. Denn wie von Daimler-Benz zu erfahren war, kommt nach Marktl ein Fahrzeug vom Typ G 230. Mit dem war Johannes Paul II. in der ganzen Welt unterwegs. Benedikt XVI. benutzte beim Besuch in Marktl 2006 aber einen M 420. Diese Fahrzeuge, so ein Mercedes-Mitarbeiter, befinden sich noch im Vatikan im Einsatz.

Wer unbedingt einmal sein Hinterteil auf einem Sitz ausruhen will, auf dem Benedikt XVI. schon einmal gesessen hat, könnte dies theoretisch im Marktler Rathaus tun. Die Gemeinde hat von der Lufthansa den Airbus-Sessel geschenkt bekommen, auf dem Benedikt 2005 beim Rückflug vom Weltjugendtag in Köln saß. Die Maschine war einst über Marktl gekreist, und Benedikt hatte per Funk zu den Marktlern gesprochen. Auf diesem Sitz Platz zu nehmen, ist allerdings nur eine theoretische Möglichkeit, denn Bürgermeister Gschwendtner hat das Souvenir in sein Dienstzimmer gestellt. Fotografiert darf es nicht werden.

Robert Piffer

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