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Ludwig Spaenle legte den Bildungsbericht vor. Der Unterricht ausländischer Schüler (hier ein Kind bei der Hausaufgabenbetreuung) muss verbessert werden, rügen die Autoren.

Bayerischer Bildungsbericht

Die Probleme der Migrantenkinder

München - Immer mehr Schüler auf Realschulen und Gymnasien, weniger Sitzbleiber. Aber viele Migrantenkinder, die sich mit der Schule schwertun. Der bayerische Bildungsbericht zeigt Licht und Schattenseiten des Schulsystems.

Eigentlich wollte Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) den Bildungsbericht erst am Donnerstag im Landtag vorstellen. Weil er aber ohnehin gestern Thema im Kabinett war, preschte die SPD mit einer scharfen Kommentierung vor. Der Bericht, erstellt vom Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung, zeige die „sozialen und regionalen Ungerechtigkeiten“ im Schulsystem auf. Einige Entwicklungen stechen in der Tat heraus – positiv wie negativ:

-Die Zahl der Schüler, die nicht mehr auf die Mittelschule, sondern auf Realschule oder Gymnasium gehen, hat stark zugenommen. 2003 gingen 20,1 Prozent der Schüler nach der 4. Klasse auf die Realschule; 2010 waren es 28 Prozent. Am Gymnasium stieg die Übertrittsquote von 32,7 auf 39,5 Prozent.

-Der Drang nach Höherem ist auch an der Zahl der Vorklassen für die Fachoberschulen bemerkbar. Sie gibt es mittlerweile flächendeckend, heißt es im Bildungsbericht. Mit Vorklassen werden Absolventen der Mittel- und Wirtschaftsschule fit für den Besuch der FOS gemacht.

-Die Zahl der Sitzenbleiber geht (leicht) zurück, an den Gymnasien zum Beispiel auf derzeit 2,3 Prozent, bei den Realschulen auf 2,6 Prozent. Allerdings sind ein Jahr Zeitverlust beim Schulartwechsel nicht untypisch. „Besonders viele Schülerinnen und Schüler wiederholten beim Spätübertritt aus der Jahrgangsstufe 5 der Hauptschule an die Realschule.“ Die Defizite etwa in Englisch wären sonst zu groß. Die Umstrukturierung der Jahrgangsstufe 5 zu „Gelenkklassen“ soll helfen, diese Wiederholungen zu reduzieren.

-„Zusätzliche Anstrengungen“ will der Kultusminister zur Herstellung der Geschlechter-Gerechtigkeit unternehmen. „Festgestellt wurde, dass Mädchen trotz hervorragender Leistungen an den Schulen seltener ein Studium aufnehmen.“ Dabei sind Mädchen fast in allen Bereichen besser. Ein Indiz dafür: Zwei Drittel aller Förderschüler sind Buben, nur ein Drittel Mädchen. Trotz diverser Arbeitskreise und Symposien ist die Geschlechter-Differenz auffällig: „Diese Unterschiede haben sich in den letzten Jahren kaum verändert“, heißt es.

-Ein Schwachpunkt des bayerischen Bildungssystems ist die mangelnde Chancengerechtigkeit von ausländischen Kindern. „Ihre Bildungsbiografien sind oft weniger geradlinig und häufiger durch Brüche und verlängerte Lernzeiten gekennzeichnet“, heißt es im Bildungsbericht. „Ein Migrationshintergrund der Familie ist ein klares Hindernis in der Schullaufbahn der Kinder“, kritisiert SPD-Bildungsexperte Martin Güll. 58,4 Prozent aller Migrantenschüler gehen in die Mittelschule; aber nur 26,4 Prozent der deutschen Kinder tun dies. Beim Gymnasium ist – wenig verwunderlich – das Verhältnis genau umgekehrt: 16,7 Prozent zu 34,4 Prozent. Freilich gibt es große Unterschiede je nach Herkunft: So gehen 57 Prozent der vietnamesischen Kinder ans Gymnasium, aber nur 17 Prozent der türkischen und albanischen Schüler. Güll fordert mehr Sprachförderung in den Kindertagesstätten.

-Auffällig auch ein regionales Bildungsgefälle: Strukturschwache Regionen weisen mit 35,8 Prozent die höchste Übertrittsquote an die Mittelschulen auf. In Großstädten sind es nur 24,8 Prozent. Dort geht fast die Hälfte der Grundschulkinder aufs Gymnasium, im Landkreis München sogar über 60 Prozent.

Dirk Walter

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