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Kaum ein Projekt ist derzeit so umstritten in Bayern wie der Frankenschnellweg in Nürnberg.

Klage gegen Stadt Nürnberg

Projekt Frankenschnellweg: Bei Planung geschlampt

Nürnberg - Der Streit um das Projekt zum Ausbau des Frankenschnellweges erreicht einen neuen Höhepunkt. Umweltschützer werfen der Stadt schlampige Planung vor und wollen nun Klage einreichen.

Umweltschützer haben der Stadt Nürnberg fehlende Sorgfalt bei der Planung für den Ausbau des Frankenschnellwegs vorgeworfen. „Nach unserer Ansicht ist da schlampig gearbeitet worden. Die Stadt ist offensichtlich mit der Planung überfordert“, kritisierte der Landesbeauftragte des Bundes Naturschutz in Bayern (BN), Richard Mergner, am Donnerstag in Nürnberg. Er sei zuversichtlich, dass seine Klage vom Verwaltungsgericht Ansbach zugelassen und Erfolg haben werde.

Die Stadt will die bislang von zwei Kreuzungen unterbrochene Schnellstraße kreuzungsfrei ausbauen. Die behördliche Genehmigung dafür hat sie bereits.

Vorwurf der "Tarnkappenplanung"

In seiner Klage gegen das 450 Millionen Euro teure Straßenprojekt wirft der BN der Stadt eine „Tarnkappenplanung“ vor: Die vierspurige Ein- und Ausfallstraße sei keine Kreisstraße, sondern eine Autobahn. Die Ausbauentscheidung liege daher allein beim Bund.

Zudem hält das Bündnis der Ausbaugegner die Verkehrsprognosen für veraltet. Sie basierten im Wesentlichen auf Daten von 1987 und 1988 - „also aus einer Zeit, als die DDR noch existierte“, gab der Nürnberger BN-Regionalreferent Bernd Konopka zu bedenken. Inzwischen sähen die Verkehrsströme in Nürnberg ganz anders aus.

Stadt Nürnberg gibt sich gelassen

Die Stadt sieht der Klage gelassen entgegen. Vor allem die Einstufung des Frankenschnellwegs als Kreisstraße hält der Werkleiter des zuständigen städtischen Servicebetriebs, Ronald Höfler, für unstrittig. Verkehrszählungen hätten ergeben, dass der Frankenschnellweg „keine Durchgangsstraße, sondern eine stadtverbindende Straße“ sei. Zu anderen Fragen wollte er sich nicht äußern, bevor der Stadt die Klagebegründung vorliegt.

Die Umweltschützer rügen auch, dass die Stadt die Umweltverträglichkeit des Ausbaus nicht überprüft habe. Die städtischen Planer hätten die nach dem Ausbau erwartete Feinstaub- und Abgas-Belastung nicht korrekt ermittelt. Ein Gutachten im Auftrag der Grünen im Landtag belege, dass die Anwohner an Ausfahrten des geplanten Straßen-Tunnels mit erheblichen Abgas-Belastungen rechnen müssten, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Markus Ganserer, Sprecher des Bündnisses gegen den Frankenschnellweg.

Das Projekt Frankenschnellweg

Der Frankenschnellweg ist die verbreitete Bezeichnung für die Autobahn 73 zwischen Feucht (Landkreis Nürnberger Land) und Suhl in Thüringen. Sie verbindet zugleich Bamberg mit dem Großraum Erlangen/Nürnberg. Besonders gefürchtet bei Autofahrern ist das Nadelöhr in Nürnberg: Denn dort endet die Autobahn im Stadtteil Gostenhof/Sündersbühl und wird erst wieder im Stadtteil Steinbühl zur Schnellstraße.

Auf der knapp zwei Kilometer langen Strecke dazwischen muss der Verkehr drei mit Ampeln geregelte innerstädtische Kreuzungen passieren - lange Staus sind die Regel. Um den Verkehr schneller zu machen, plant die Stadt in diesem Abschnitt einen Tunnel und kreuzungsfreie Zu- und Abfahrten in die Stadt.

Ausbaugegner befürchten, dass mit dem kreuzungsfreien Ausbau die A73 zur attraktiven Stadtautobahn wird und Verkehr von der längeren Autobahn-Umfahrung nördlich von Nürnberg angezogen werden könnte. Die direkt neben der Autobahntrasse wohnenden Menschen könnten noch stärker belastet werden. Dass der Frankenschnellweg dicht an Wohngebieten vorbeiführt, hat historische Gründe: Die Schnellstraße wurde auf dem trocken gelegten Ludwig-Donau-Main-Kanal errichtet.

dpa

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