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Mit Herzlichkeit und einem Lächeln versorgen Janette Dela Cruz (links) und ihre Kollegin Michele Dela Cruz die Senioren im Pflegeheim St. Nikolaus. Hannelore Stürz hat die beiden vom ersten Moment ins Herz geschlossen.

Fachkräfte aus dem Ausland

Lächelnde Verstärkung für Bayerns Pflegekräfte

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In Bayern fehlen tausende Pflegekräfte. Der Bedarf steigt. Das Projekt Triple Win soll gegensteuern. Es setzt auf ausländische Fachkräfte, die für Deutschland rekrutiert werden. Die Erfahrungen der vergangenen vier Jahre beweisen: Es profitieren wirklich alle.

München – Janette Dela Cruz hat einen bayerischen Lieblingssatz: „Vergelt’s Gott.“ Sie benutzt ihn fast jeden Tag. Schon allein deshalb, weil es so viele Gelegenheiten dafür gibt. Denn sie ist jeden Tag dankbar. Für ihre Arbeit in einem Caritas-Altenheim in Gräfelfing im Landkreis München. Für die große Chance, die sie bekommen hat.

Die 37-Jährige stammt von den Philippinen. Sie hat dort eine Ausbildung zur Altenpflegerin gemacht. Auf der Insel Cebu, wo sie geboren wurde, hätte sie keine Chance gehabt, in diesem Beruf zu arbeiten. Es gibt auf den Philippinen kaum freie Stellen für Alten- und Krankenpfleger. Trotzdem erlernen jedes Jahr tausende junge Menschen diesen Beruf. Er ist dort sehr angesehen. Für Janette Dela Cruz war es ihr Traumberuf. Für ihn nimmt sie es in Kauf, ans andere Ende der Welt zu ziehen. Sie ist im Juli nach Bayern gekommen – als tausendste Pflegekraft, die über das Projekt Triple Win vermittelt wurde.

Das Modell gibt es seit vier Jahren. Die Bundesagentur für Arbeit und die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit rekrutieren in Serbien, Bosnien-Herzegowina, auf den Philippinen und seit kurzem auch in Tunesien Pflegekräfte. Sie organisieren Sprachkurse und helfen beim Anerkennungsverfahren. Mit dem Sprachniveau B1 kommen die Fachkräfte nach Deutschland – und helfen hier, den großen Mangel an Pflegekräften zu lindern. Deshalb heißt das Projekt Triple Win. Es profitieren alle: die Fachkräfte, die in ihrer Heimat arbeitslos gewesen wären, ihre Heimatländer, die sie nicht mit Sozialleistungen unterstützen müssen und die Menschen in den Pflegeheimen.

Lesen Sie dazu den Kommentar„Initiativen gegen Pflegekräftemangel: Mehr Anreize nötig“

Eine von ihnen ist Hannelore Stürz. Sie hat Janette Dela Cruz erst vor kurzem kennengelernt. Aber ihre Kollegin Michele, die nicht nur dieselbe Heimat, sondern auch denselben Nachnamen hat wie die 37-jährige Philippina, betreut Stürz schon länger im Caritas-Altenheim St. Nikolaus in München. „Beide sind immer freundlich“, sagt die 71-Jährige. „Und das ist viel wert.“ Besonders die philippinischen Fachkräfte seien es, die immer mit einem Lächeln zu ihr ins Zimmer kommen. Das ist auch dem Heimleiter Fritz Schwarz sofort aufgefallen. „Das Lächeln ist ein Türöffner“, betont er. Er hat nur gute Erfahrungen mit ausländischen Fachkräften gesammelt, betont er. „Sie sind eine Bereicherung – für unsere Bewohner und die Mitarbeiter.“

Der Caritasverband der Erzdiözese München und Freising hat über das Projekt bereits 33 Fachkräfte in seinen Altenheimen eingestellt. Fünf weitere sollen in den kommenden Wochen folgen. „Wir sind sehr froh, dass es dieses Projekt gibt“, sagt Doris Schneider, die Geschäftsführerin für den Bereich Altenheime. „Die ausländischen Fachkräfte kommen mit Herzlichkeit und Stolz auf ihren Beruf. Das ist ansteckend für unsere Mitarbeiter.“ Allerdings sieht sie auch noch Verbesserungspotenzial – und zwar bei der Bürokratie. „Das Anerkennungsverfahren ist hochkompliziert“, sagt Schneider. „Es wäre schön, wenn einige Hürden abgebaut würden.“

Dadurch würden vielleicht mehr Initiativen wie Triple Win entstehen. Diese Projekte sind dringend nötig, um gegen den Pflegekräftemangel in Deutschland anzusteuern – da sind sich alle Beteiligten einig. Die Zahl der Pflegebedürftigen wird sich mit dem demografischen Wandel in den kommenden 30 Jahren verdoppeln. Die Zahl der Pflegekräfte hingegen sinkt dramatisch. Eine Wirtschaftsforschungs-Studie aus dem Jahr 2010 rechnet für 2030 mit bundesweit 480 000 unbesetzten Vollzeitstellen. „Wir brauchen die ausländischen Kräfte“, betont Reimund Becker von der Bundesagentur für Arbeit. Er überreichte Janette Dela Cruz als tausendster Fachkraft einen Blumenstrauß. Die zierliche Frau mit dem festen Händedruck lächelt ihr schönstes Lächeln dafür. „Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich hier sein kann und diese Chance bekommen habe“, sagt sie mit Akzent, aber in gutem Deutsch. „Dafür ein herzliches Vergelt’s Gott.“

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