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Ein nachgestellter Übergriff.

Projekt zum Schutz vor Sex-Tätern wirkt

München - Während der Protest gegen den nach Nordrhein-Westfalen gezogenen Sex-Täter von Geretsried anhält, zieht die bayerische Justiz eine positive Bilanz ihres Projektes „HEADS“. Die Datei soll das Rückfallrisiko dieser Tätern minimieren.

Im Oktober 2006 hatte der Ministerrat beschlossen, die Haft-Entlassenen-Auskunfts-Datei-Sexualstraftäter, kurz HEADS, umzusetzen. Eine engmaschige Vernetzung von Polizei und Justiz soll die Bevölkerung besser von rückfallgefährdeten Sexualstraftätern schützen. Inzwischen könnte man auf eine positive Bilanz zurückblicken, erklärte am Freitag Konrad Bess, Richter am Oberlandesgericht und zuständig für Bewährungshilfe.

Alle relevanten Informationen über einen Sexualstraftäter würden vor dessen Entlassung in einer eigenen Datei zusammengefasst sowie durch Justiz und Polizei bewertet. Falle jemand in die Gruppe der sogenannten Risikoprobanden mit einer ungünstigen Prognose, würde derjenigen dann durch ein eng geknüpftes Netz zwischen Justiz und Polizei streng überwacht.

Regelmäßig würden etwa Wohn- und Aufenthaltsorte überwacht sowie das Umfeld würde kontrolliert, sagte Bess. „Wenn zum Beispiel jemand die Auflage hat, sich von Kinderspielplätzen fernzuhalten, dann fahren die zuständigen beamten regelmäßig alle Spielplätze in der Gegend ab und überprüfen, ob sich derjenige dort aufhält.“ Sollte dies der Fall sein, habe derjenige gegen eine Auflage verstoßen, was gegebenenfalls zu einem neuen Haftbefehl führen kann.

Aktuell seien 746 Probanden in der Datenbank gespeichert, einer davon: der gerade entlassene Karl D., der 1994 in Geretsried zwei Mädchen brutal vergewaltigt hatte. Vor etwa einem Monat lehnte das Landgericht München II einen Antrag auf nachträgliche Sicherungsverwahrung ab. Seither verschanzt sich Karl D. in Heinsberg in Nordrhein-Westfalen bei seinem Bruders.

180 der HEADS-Probanden befinden sich in München und dem Umland, 125 im Bereich Augsburg, 137 bei Bamberg, 61 bei Landshut, 198 im Bezirk Nürnberg-Fürth und 45 rund um Traunstein. Davon seien seit Oktober 2006 gerade einmal 14 rückfällig geworden, erklärte Bess. Dieses positive Ergebnis führe dazu, dass das bayerische Pilotprojekt auch in anderen Bundesländern übernommen werde.“

Die Zentralstelle HEADS ist organisatorisch beim Kommissariat 16 im Polizeipräsidium München angesiedelt. Sie bewertet die Informationen über die einzelnen Probanden, dokumentiert diese in der Datenbank, erstellt ein für den Einzelfall geeignetes Maßnahmenkonzept und übermittelt alle bewerteten Infomrationen an die zuständigen Polizeipräsidien. Zieht einer dieser Sexualstraftäter in ein anderes Bundesland wie zum Beispiel Karl D., dann informiert die Zentralsstelle HEADS die dortigen Behörden.

Der Fall des Rückfalltäters Martin P. aus München, der im Februar 2005 den kleinen Peter missbraucht und getötet hatte, hatte die Behörden dazu veranlasst, HEADS zu konzipieren. Bevor P. das Kind umbrachte, hatte er bereits eine Jugendstrafe von neuneinhalb Jahren abgesessen, weil er einen Jungen getötet hatte.

Von Bettina Link

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