Schön anzusehen sind Igel schon. Tierliebhaber mit wenig Fachwissen sollten sie sich aber trotzdem nicht halten.

Igelmeldung per Smartphone-App

Projekt zeigt: Tierliebe wird Igeln oft zum Verhängnis

München - Das Projekt „Igel in Bayern“ ist erfolgreicher als erwartet: Seit März haben Bürgerforscher fast 30.000 Tiere im Freistaat gemeldet. Nun wird das Projekt verlängert. Eine beunruhigende Erkenntnis: Gerade bei Igeln kann übersteigerte Tierliebe kontraproduktiv sein.

Igelmeldung per Smartphone-App: Das Projekt „Igel in Bayern“ ist bei den Bürgerforschern im Freistaat auf besonders große Resonanz gestoßen. Rund 20.000 Meldungen sind seit März dieses Jahres eingegangen, wie der Landesbund für Vogelschutz (LBV) mitteilt. Insgesamt wurden mehr als 28.500 Tiere gesichtet. Darum soll das Projekt im kommenden Frühjahr fortgesetzt werden – wenn die Igel aus dem Winterschlaf erwacht sind.

Zwei Drittel der gemeldeten Tiere waren lebendig. Der Hauptgrund für das traurige letzte Drittel ist der Straßenverkehr. Das ergab die bisherige Auswertung der Meldedaten an der Hochschule Rottenburg. Nebenbei sind die Wissenschaftler noch auf einen anderen, beunruhigenden Umstand gestoßen: Es kommt nicht selten vor, dass tierliebe Menschen die kleinen Säuger über den Winter bringen wollen, etwa in einer Schachtel mit Laub oder im Keller. Genau das kann den Tieren aber zum Verhängnis werden.

„Der Igel ist kein Haus-, sondern ein Wildtier“, sagt Markus Erlwein vom LBV. „Er gehört nicht in die Badewanne oder in den Keller. Man füttert ihn nicht wie Katzen oder Hunde.“ Milch etwa verursacht Durchfall bei ihnen, an Äpfeln knabbern sie allenfalls herum, um an die Insekten im Inneren zu kommen. Das Obst selbst kann den Tieren sogar schaden.

Gerade jetzt im Dezember, da noch viele kranke und unterernährte Igel unterwegs sind, ist Fachwissen gefordert. Erlwein rät entschieden davon ab, ohne fundiertes Wissen als Tierretter einspringen zu wollen. „Die gesunden Tiere sind jetzt schon im Winterschlaf“, sagt Erlwein. Für die Kranken gilt: Man muss sie aufpäppeln, die richtige Temperatur finden, sie auf ein Optimalgewicht bringen. Wenn das nicht richtig ablaufe, so Erlwein, „kann es sein, dass der Igel nicht mehr aufwacht“. Um das zu vermeiden, solle man sich unbedingt an Fachpersonal wenden. Erlwein rät zu privaten Igelauffangstationen oder Tierheimen – obwohl Letztere oft schon überlastet seien.

Auch langfristig könne der Einzelne etwas für das Wohlergehen der Igel tun, zum Beispiel bei der Gestaltung des eigenen Gartens. Auf Unkrautvernichtungsmittel solle man möglichst verzichten, sagt Erlwein. „Wir können nur helfen, wenn wir unseren Garten igelfreundlich machen.“ Auch auf Laubbläser sollten Igelfreunde möglichst verzichten: „Man muss auch mal einen Laubhaufen liegen lassen.“

Wissenswertes zum artgerechten Umgang mit Igeln bietet die Internet-Seite www.igel-in-bayern.de

Markus Schwarzkugler

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