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Joachim Herrmann (CSU)

Promille-Test: Trinken mit dem Innenminister

München - Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat mit einem alkoholischen Selbsterfahrungstest vor den Gefahren des Trinkens gewarnt.

Unter medizinischer Aufsicht tranken Herrmann, Beamte und knapp zwei Dutzend Journalisten am Dienstagabend im Innenministerium so viel Wein oder Bier, bis sie die selbst gewählte Promillegrenze erreicht hatten. Ergebnis: Viele Teilnehmer fühlten sich anschließend trotz niedriger Promillewerte nicht mehr fahrtüchtig. “Das ist ein streng wissenschaftlicher Versuch“, sagte der Minister vor dem Start. Entgleisungen und Vollräusche gab es nicht.

Jedes Jahr sterben in Bayern gut 100 Menschen bei alkoholbedingten Verkehrsunfällen, in ganz Deutschland sind es um die 500. Alkohol- Selbstversuche sind in der Justiz übliche Praxis. Die Ausgangsbedingungen: Jeder Teilnehmer entscheidet selbst, wie viel Promille er erreichen möchte. Ein Arzt rechnet dann aus, wie viel Bier oder Wein nötig ist, um das innerhalb einer Stunde zu schaffen - und es muss auf nüchternen Magen getrunken werden.

“Schütten Sie es nicht mit Gewalt runter“, mahnte der Münchner Rechtsmediziner Thomas Gilg die Probanden. Eine hilfsbereite Kellnerin achtete aber darauf, dass die Ziele auch erreicht wurden: “Sie müssen noch eins trinken“, sagte sie zu mehreren schwächelnden Teilnehmern. An der Tür zum Saal mahnte ein Schild: “Sitzung. Bitte nicht stören.“ Mehr als 1,1 Promille - die Grenze zur absoluten Fahruntüchtigkeit - darf sich bei den Tests niemand einschenken lassen.

Harte Alkoholika wurden im Ministerium nicht serviert. “Schnaps gibt es bei solchen Tests nur für Richter und Staatsanwälte“, sagte Gilg. Die Versuche hätten dann später “oft eine strafverschärfende Wirkung“. Denn die Juristen wissen nach einem Selbsttest aus eigener Erfahrung, was geringe Mengen Alkohol anrichten können.

Im Schnitt trinkt jeder Bürger tagtäglich 40 Gramm reinen Alkohol - das entspricht in etwa einem Liter Bier. Die Trinkmenge ist aber äußerst ungleich verteilt - was daran liegt, dass viele Deutsche viel zu viel trinken. “Sieben Prozent der deutschen Bevölkerung trinken die Hälfte des gesamten Alkohols weg“, sagte Gilg. Der Durchschnittswert bei betrunkenen Autofahrern, die von der Polizei erwischt werden, ist 1,6 Promille: “Das sind eher fahrende Trinker als trinkende Fahrer“, sagte Gilg.

Zum Schluss pusteten alle Teilnehmer - auch der Innenminister - ins Röhrchen wie bei einer Polizeikontrolle. Der CSU-Politiker landete nach zwei Halben Bier punktgenau bei 0,34 Promille. “Ich bleibe bei meinem Credo: Wenn ich fahre, trinke ich überhaupt nichts“, sagte Herrmann. Auch viele andere Teilnehmer gaben zu, dass sie vor dem Test die Wirkung des Alkohols unterschätzt hatten.

dpa

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