Razzia in Augsburg: Terrorverdacht gegen drei Männer

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Protestaktion vor der Staatskanzlei in München: Naturschützer warnten am Dienstagmittag vor dem Ausbau des Skigebiets am Riedberger Horn. Rund 120 Personen demonstrierten mit Transparenten und einem großen Banner. 

„Politischer Kuhhandel“

Protest gegen Ausbau des Skigebiets am Riedberger Horn

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München/Balderschwang - Mit einer Protestaktion warnten Naturschützer gestern vor einer Skigebietserschließung am Riedberger Horn im Oberallgäu. Sie sehen den gesamten Alpenplan in Gefahr. Auch politisch ist das Thema brisant.

Das Projekt: Die Skigebiete Riedberger Horn und Grasgehren sollen mit einer Seilbahn in Gipfelnähe verbunden werden. Zudem ist eine zusätzliche Piste geplant.

Der Konkurrenzdruck für die bayerischen Skigebiete aus Österreich ist enorm. Immer neue Pisten werden dort mit immer größeren Liften erschlossen, Bayerns Tourismusmanager versuchen aufzuholen. Auch die Gemeinden Balderschwang und Obermaiselstein im Landkreis Oberallgäu versuchen, ihren Wintertourismus anzukurbeln: Sie wollen die Skigebiete Riedberger Horn und Grasgehren mit einer neuen Kabinenseilbahn samt einer rund dreieinhalb Kilometer langen Abfahrt verbinden. Konkrete Planungen laufen seit Herbst vergangenen Jahres. Naturschützer sehen das Vorhaben äußerst kritisch: Ihrer Ansicht nach geht es um mehr als die Entscheidung zwischen unberührten Tiefschneehängen und präparierten Pisten. Sie sehen den gesamten Alpenplan bedroht.

Um ein Zeichen gegen die Ausbaupläne zu setzen, demonstrierten am Dienstagmittag rund 120 Personen vor der Staatskanzlei in München. Das Motto: „Hände weg vom Alpenplan – rettet das Riedberger Horn“. Initiiert hatte die Aktion die Alpenschutzkommission Cipra, in der sich unter anderem die Bergwacht, der Bund Naturschutz, der Landesbund für Vogelschutz sowie der Alpenverein engagieren.

„Die geplante Erweiterung greift massiv in die Schutzzone C ein“, sagte Cipra-Präsident Erwin Rothgang. Seit der Alpenplan vor 43 Jahren eingeführt wurde, ist diese Zone noch nie verletzt worden. Sie umfasst gut 40 Prozent des bayerischen Alpenraums, in der infrastrukturelle Maßnahmen wie Straßen, Pisten und Hotels grundsätzlich ausgeschlossen sind. Einzige Möglichkeit: eine Ausnahme über das „Zielabweichungsverfahren“. Ein solches haben die beiden betroffenen Gemeinden für eine Skischaukel am Riedberger Horn beantragt. Nun prüft das Heimatministerium unter Leitung von Markus Söder (CSU), ob der Bau neuer Anlagen vielleicht doch möglich ist.

Naturschützer fürchten viele negative Auswirkungen

In den Augen der Naturschützer hätte das Skiprojekt gleich mehrere negative Auswirkungen: Erstens würde die dortige naturnahe Erholungszone zerstört, hieß es in Wortbeiträgen auf der Demonstration. Zweitens würde das vom Aussterben bedrohte Birkhuhn einen seiner letzten Rückzugsorte in dem jahrhundertealten Bergschutzwald verlieren. Die Gegend mit vielen Biotopen gilt als ökologisch besonders wertvoll. Drittens sei das Aushebeln der Alpenplan-Schutzzone C ein Präzedenzfall. „Künftig könnten dadurch weitere Eingriffe in die Erholungslandschaft der bayerischen Alpen ermöglicht werden“, warnte Cipra-Präsident Rothgang.

Der Konflikt schwelt nicht nur zwischen Naturschützern und der Staatsregierung, sondern auch innerhalb der CSU. Das macht den Fall so kompliziert. Umweltministerin Ulrike Scharf hat dem Projekt bereits im Juli eine klare Absage erteilt. „Die Alpen sind mit 43 000 Tier- und Pflanzenarten in Europa ein einzigartiges Ökosystem“, betonte die Ministerin damals. „Dieser Naturraum braucht besonderen Schutz und muss für dieses Großprojekt tabu sein.“ Gegenwind bekommt sie von Thomas Kreuzer, dem Chef der CSU-Landtagsfraktion. „Das Gebiet der Alpenschutzkommission wird nur ganz leicht berührt“, sagte er kürzlich. Eine Äußerung, die die Demonstranten am Dienstag mit lauten Buh-Rufen kommentierten. Sie fürchten, dass Umweltministerin Scharf auf Druck von Heimatminister Söder im bayerischen Kabinett überstimmt wird. Noch ist nichts von einer Entscheidung bekannt.

Die Naturschützer rechnen vorsichtshalber mit dem schlimmsten Fall, nämlich einer Baugenehmigung. Man sei auf den Fall eines „politischen Kuhhandels“ vorbereitet, sagte Richard Mergner, Landesbeauftragter des Bund Naturschutz in Bayern. Sollte es soweit kommen, würden die Naturschutzverbände gegen das Projekt klagen. Mergner: „Wir haben unsere Gesetze aus gutem Grund.“

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