Bedrohte Blütenträume

Protest gegen Landesgartenschau - Kippt das Projekt?

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Traunstein - Erstmals könnte eine Landesgartenschau in Bayern scheitern. Bürger in Traunstein sammeln mit großem Erfolg Unterschriften gegen die dort 2022 geplante Schau. Die Befürworter sprechen von „Angstmacherei“.

Ein Blumenmeer an der Traun? Barfußweg, Wasserspielplatz und Inselpark? Nicht, wenn es nach dem Aktionsbündnis gegen die Landesgartenschau geht. Erst im November gegründet, hat das Bündnis binnen Wochen 1500 Unterschriften gesammelt. Damit ist die Mindestzahl für ein Bürgerbegehren schon erreicht. „Aber wir werden noch weiter sammeln. 2000 Unterschriften sind unser Ziel“, sagt Helga Mandl, eine der Sprecherinnen der neuen Bürgerbewegung. Ende Januar sollen die Unterschriften im Rathaus abgegeben werden. Dann muss der Stadtrat binnen drei Monaten einen Bürgerentscheid ansetzen. Es wäre das erste Mal, dass in Bayern über eine Landesgartenschau abgestimmt wird – mit guten Erfolgsaussichten für die Gegner.

Landesgartenschauen gibt es in Bayern seit 1980, seit 1990 im zweijährigen Turnus. Sonderlich umstritten waren sie bisher nicht, wenngleich der Rechnungshof in Bayern 2014 das intransparente staatliche Förderverfahren kritisiert hat. Denn die Gartenschauen werden vom Freistaat mit Millionenbeträgen bezuschusst. Trotzdem bleiben die Städte in der Regel auf einem Millionendefizit sitzen. In Traunstein könnte das der Knackpunkt sein, der das Projekt zum Scheitern bringt.

„Die finanzielle Situation der Stadt ist unser Hauptargument“, sagt Hans Schweiger, ein weiterer Bündnis-Sprecher. Er war früher Konditormeister, hat sich nie politisch engagiert, kennt aber viele Leute in der Stadt – beim Unterschriften-Sammeln sicher kein Nachteil. Schweiger verweist auf die Ergebnisse der letzten Ausrichter-Städte. In Bamberg wird die Eigenbeteiligung auf 13 bis 15 Millionen Euro veranschlagt, in Deggendorf auf 17 Millionen. Rosenheim hingegen kam knapp auf eine schwarze Null. Traunstein sei mit knapp 20 000 Einwohnern für eine Landesgartenschau aber einfach zu klein, argumentieren die Gegner. Zudem gebe es kaum Hotels in der Stadt – eine Zählung erbrachte nur 195 Gästebetten. Daher würden wohl umliegende Ortschaften wie Ruhpolding, Inzell oder Siegsdorf von den geschätzt 700 000 Besuchern profitieren – nicht aber Traunstein.

„Das sind doch alles halbwahre Argumente“, ärgert sich Wolfgang Fegg. Der Vorsitzender des Fördervereins „Freunde der Landesgartenschau 2022 in Traunstein“ rüstet sich für einen heißen Schlagabtausch in den Wintermonaten. „Angstmacherei“ wirft er den Gegnern vor. Und weil Helga Mandl bei den Grünen engagiert ist, legt er gleich mal nach: „Wo gibt es denn das, dass Grüne gegen mehr grün sind?“ In Traunstein werde auf nur zwölf Hektar eine sehr kleine Gartenschau stattfinden. Eine Landesgartenschau, sagt Fegg, sei auch weit mehr als eine Blumenausstellung – nämlich Stadtentwicklung. Auch um die gibt es in Traunstein aber Streit. Das Konzept unter dem Motto „Salz – Wasser – Landschaft“ sieht nämlich vor, einen großen Parkplatz in der Innenstadt in eine Tiefgarage zu verlegen. Das würde Millionen kosten – aber Traunstein eine großräumige Innenstadtfläche bescheren.

Fegg sagt, der Stadtrat habe der Gartenschau gleich zwei Mal mit großer Mehrheit zugestimmt. „Der Bürgerentscheid hätte vor zwei Jahren stattfinden müssen.“ Sollte das Projekt jetzt platzen, werde man auf Anlaufkosten in Höhe von 170 000 Euro sitzen bleiben. Helga Mandl von den Gegnern bestätigt das. „Aber besser 170 000 Euro als ein Millionendefizit.“

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