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In München gibt es Protest gegen das Paternoster-Verbot.

Ärger um neue Betriebssicherheitsverordnung

Protest gegen Paternoster-Fahrverbot

München - Paternoster gelten als urig, stammen sie doch aus längst vergangener Zeit - erfunden 1880 in England. Hier und da sind die Aufzüge noch heute in Betrieb. Eine neue Vorschrift aus Berlin könnte das Aus bedeuten.

In München regt sich Widerstand gegen das Paternoster-Fahrverbot. Eine Bundesverordnung, die am 1. Juni in Kraft treten soll, erlaubt nur noch befugtem Personal das Betreten der alten Aufzüge mit Nostalgie-Faktor. Laut neuer Betriebssicherheitsverordnung muss der Arbeitgeber dafür sorgen, „dass Personenumlaufaufzüge nur von durch ihn eingewiesenen Beschäftigten verwendet werden“. Das bedeutet: Für Besucher müssen die altertümlichen Aufzüge, die 1880 in England erfunden wurden, künftig gesperrt werden.

In München ist davon beispielsweise der Paternoster im Polizeipräsidium betroffen, der auch immer mal wieder in Krimiserien wie dem ARD-„Tatort“ zu sehen war. Auch im Deutschen Patent- und Markenamt in der bayerischen Landeshauptstadt gibt es einen der Kult-Fahrstühle noch. „Bei uns bleibt der Paternoster in Betrieb“, sagte eine Sprecherin des Polizeipräsidiums. Schließlich sei das Präsidium „eine Behörde ohne Publikumsverkehr“. Mitarbeiter werden eine Einweisung zur Benutzung des Paternosters bekommen, außerdem sollen Schilder aufgestellt werden, die auf das Verbot für Unbefugte hinweisen.

Verordnung schießt über das Ziel hinaus

Der Paternoster-Verein München hat laut Münchner SPD bereits Widerstand gegen die neue Regelung angekündigt; in den Protest stimmte am Dienstag auch die SPD-Stadtratsfraktion ein. „Die Betriebssicherheitsverordnung schießt eindeutig übers Ziel hinaus“, sagte Stadträtin Ulrike Boesser. „Man kann alles übertreiben.“ Paternoster seien weit weniger gefährlich als viele andere Fortbewegungsmittel. „Sie sind Relikte, die an Jahrzehnte erinnern, in denen noch nicht alles computergesteuert war. Es wäre schade, wenn diese charmanten Überbleibsel aus einer anderen Zeit stillgelegt würden.“

Auch in anderen Städten wie in Stuttgart wird gegen die Neuregelung protestiert. Der Name „Paternoster“ stammt übrigens von einem frommen Vergleich: So wie die Perlen des Rosenkranzes beim Vaterunser (lateinisch: Pater noster) durch die Finger wandern, laufen die offenen Kabinen der Aufzüge im Kreis - am Ende des Schachts angekommen, werden sie zur Seite gesetzt und fahren weiter.

dpa

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