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Hoffnung auf Dialog gibt es noch bei den Gläubigen.

Gläubige protestieren gegen Bistumsreform

Augsburg - Weil sie das Gespräch suchen und doch immer wieder abgewiesen werden, haben sich 2500 Christen am Samstag vor dem Augsburger Dom versammelt. Und dort wurden sie: wieder einmal abgewiesen.

2500 Menschen stehen vor dem Augsburger Dom. Sie sind gekommen, weil sich von der Kirche übergangen fühlen. Ausgeschlossen. Das sind sie auch heute. „Geschlossen“, steht da schwarz auf weiß auf der Domtüre. Wegen Reinigungsarbeiten. „Lüge“ hat jemand darüber geschrieben.

„Wir konnten nicht fassen, dass so etwas gemacht wird“, sagt Ulrich Frauenheim, Pfarrgemeinderat in Heilbrunn (Kreis Bad Tölz-Wolfratshausen). „Das Vertrauen ist jetzt in Misstrauen umgeschlagen.“ Auch Waltraud Brod, Pfarrgemeinderatsvorsitzende von Tutzing (Kreis Starnberg), ist schockiert: „Es ist ein Zeichen eines Affronts. Schließlich ist der Dom gerade für die Christen ein wichtiger Ort.“ Und schließlich sind es 2500 gläubige Christen, die am Samstag pünktlich um fünf vor zwölf vor dem Augsburger Dom stehen. Eine symbolisch gewählte Uhrzeit: „Es ist buchstäblich fünf vor zwölf. Das ist nicht zu spät, aber das ist höchste Zeit, dass der Dialog über die Bistumsreform stattfindet“, ruft der Redner des Initiativkreises, Robert Sauter, in die Menge. „Anstelle eines respektvollen, offenen Dialogs wurde vom Bischof schon das Ergebnis verkündet, das am Ende rauskommen soll.“

Vor ihm stehen enttäuschte Gläubige, mit Plakaten in der Hand. „Des is unsa Kircha und do san mia dahoam“ steht da, oder: „Dialog statt Diktat“. Die Kundgebung zeige, dass „es eine ganz große Not gibt, eine Verärgerung“, sagt die Tutzingerin Waltraud Brod. Doch insgesamt sei die Atmosphäre bei der Kundgebung sehr positiv, es sei eine „Kundgebung des Glaubens“, erklärt Waltraud Brod. „Um Lösungen zu finden.“ Um eben das Bistum zu einem Dialog zu bewegen.

Ein ganz falscher Weg und ein ganz falscher Ort dafür, findet dagegen das Bistum. „Eine solche Veranstaltung ist dem Dialog nicht zuträglich“, stellt der Pressesprecher der Diözese Augsburg, Markus Kremser, klar. „Der sogenannte ‚Initiativkreis Bistumsreform’ vertritt nicht repräsentativ die Gläubigen aus den Regionen der Diözese. Zudem ist der Domplatz auch sicher nicht der richtige Ort für den Dialog.“ Der respektvolle Dialog habe etwa seinen Platz bei Gesprächen mit Pfarrgemeinderäten, sagt das Bistum.

Doch genau die fühlen sich übergangen. Es sind Pfarrgemeinderatsmitglieder, Pfarrgemeinderatsvorstände und Kirchenpfleger, die sich als Gruppe zu dem „Initiativkreis Bistumsreform“ zusammengeschlossen haben. Menschen, die sich ehrenamtlich in der Kirche engagieren – und die Angst haben, dass sie sich nun verändern wird.

Denn das soll sie, findet der Augsburger Bischofs Konrad Zdarsa. Er hat eine Reform geplant. Aus 1000 Pfarreien sollen schlussendlich 207 Seelsorgeeinheiten werden. Dazu sollen Wortgottesdienste an Sonntagen in den Ortskirchen verboten werden. Und: Die örtlichen Pfarrgemeinderäte sollen durch Pastoralräte ersetzt werden.

Genau diese Pläne wurden nun in einer Hochglanzbroschüre aufgemacht und verbreitet. Eine Aktion, die viele Gläubige erschüttert hat. „Das ist kein Dialog“, sagt Waltraud Brod. „Wir fühlen uns nicht ernst genommen.“ Und gehen genau deswegen auf die Straße. „Ich traue mich zu sagen, dass über die Hälfte der Menschen noch nie zuvor auf einer Demonstration war“, meint die Tutzingerin. „Doch lieber trete ich auf als aus.“ Denn noch haben die Gläubigen die Hoffnung nicht verloren. „Ich glaube schon, dass sich die Bistumsleitung nun Gedanken macht“, sagt Waltraud Brod. „Dem Druck von den Leuten kann sie sich doch nicht einfach entziehen.“

Nina Praun

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