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Versteckten sich unter einem blauen Tuch und einer Mütze: die Eltern von Georg R.

Prozess in Ansbach: Bizzarer Auftritt der Eltern

Ansbach - Es war ein gespensti­scher Auftritt am Mittwoch im Ansba­cher Landgericht: Nacheinander betraten die Eltern des Amokläu­fers vom Carolinum-Gymnasium den Schwurgerichtssaal.

Die Eltern des Amokläufers kamen bis oben hin vermummt wie ihr Sohn, den Justizbeamte zuvor auf die Anklagebank geführt hatten.

Eine Stunde lang berichtete Mutter Jutta H. danach über den Werdegang ihres Sohnes und die angeblichen Demütigun­gen, die er seit seiner frühesten Jugend erfahren musste. Welche Angaben sie machte, blieb bis Redaktionsschluss dieser Ausga­be geheim – denn der Prozess ist nichtöffentlich. Bekannt wurde aber, dass sie noch heute stark unter der Tat ihres Sohnes leidet. Ihre Tochter Luzia, die ebenfalls das überfallene Carolinum-Gymnasium besuchte, hat inzwischen die Schule verlassen. Ihre Mitschülerinnen hatten sich nach dem Amoklauf solidarisch mit ihr erklärt, um ihr die Rückkehr ins Gymnasium zu erleichtern.

Bilder vom Prozess in Ansbach

Amoklauf in Ansbach: Bilder vom Prozess

Amokläufer Georg R. lebte in den Monaten vor der Tat bei seinem Vater Hubert R. Seine Eltern hatten sich getrennt – worunter der 19-Jährige nach Angaben des psychiatrischen Sachverständigen sehr litt. Georg R. flüchtete sich in eine Parallelwelt, saß oft in sich versunken in der Schulaula und spielte Gitarre – oder er schrieb Briefe an seine fiktive Freundin namens „Summer“.

Bei dem Prozess, der heute Mittag mit dem Urteil zuende gehen soll, wurden jetzt neue beklemmende Fakten bekannt. So soll Georg R. bereits im Februar 2009 bei seiner Deutsch-Lehrerin eine Fach­arbeit zum Thema „Amokläufe“ beantragt haben. Klassenlehrer Frank F.: „Die Lehrerin hat das Thema als ungeeignet abgelehnt.“

Möglicherweise hat sich Georg R. durch diese Zurückweisung erneut ausgegrenzt und abgelehnt gefühlt – wie schon seit Kindergartentagen. „Die Schule soll bezahlen“, schrieb er daraufhin in seinen Aufzeichnungen. Laut dem psychiatrischen Sachverstän­digen-Gutachten des Aschaffenburger Experten Götz-Erik Trott leidet der Amokläufer unter Reiferückständen. Er hat dem Ge­richt daher schon vor dem Prozess die Anwendung von Jugendstrafrecht und die Einweisung des Täters in die Psychiatrie empfohlen.

Mit den letzten Aussagen von betroffenen Schülern wuchs am Mittwoch am Carolinum-Gymnasium die Hoffnung, das traurige Kapitel endlich abschließen zu können. Seit Februar hat die Schule einen eigenen Psychologen. Im Mai sollen auch die Abitur-Prüfungen durchgeführt werden – allerdings nicht wie in früher in der dritten Etage. „Seit dem Amoklauf gilt diese als Horror-Stock“, so ein Lehrer.

Als Georg R. hier seine Brandsätze geworfen hatte, wollten Mädchen in Panik sogar aus dem Fenster springen. Ihre Schreie sind auf den Mitschnitten der Notrufe zu hören ...

tz

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