Prozess-Beginn: Versuchter Mord im Maisfeld

Töging/Traunstein - Erst wollte er die 16-Jährige vergewaltigen, dann stach er sie nieder und übergoss sie mit Grillanzünder. Jetzt steht der 40-Jährige aus Töging vor dem Landgericht Traunstein.

Es war der schlimmste Tag ihres Lebens: Eine 16-jährige Radfahrerin war am Nachmittag des 21. Juli 2009 in Töging (Kreis Altötting) auf dem Heimweg von einem Reiterhof. Plötzlich zwang sie ein unbekannter Mann zum Absteigen und dann, ihm in ein Maisfeld zu folgen. Dort versuchte der 40-jährige Mann, sie zu vergewaltigen. Als das nicht klappte, stach der Mann mit dem Messer auf das Mädchen ein und ließ dann zunächst von ihr ab – im Glauben, sie sei tot. Doch als er merkte, dass die Jugendliche noch am Leben war, verletzte er sie weiter mit dem Messer und übergoss sie schließlich mit flüssigem Grillanzünder. Den letzten Schritt des Anzündens unternahm er nicht.

Ab dem morgigen Dienstag steht der Täter drei Tage lang vor der Jugendschutzkammer am Landgericht Traunstein – wegen versuchten Mordes, besonders schwerer Vergewaltigung, gefährlicher Körperverletzung und Freiheitsberaubung. Zum Prozessauftakt der Jugendschutzkammer mit Vorsitzendem Richter Ulrich Becker wird das Opfer wohl nicht persönlich erscheinen.

In diesem Maisfeld in Töging geschah die grausame Tat.

Der brutale Überfall ereignete sich in der Nähe der Autobahnausfahrt Töging an der Autobahn 94 auf einem Feldstück. Die 16-Jährige kam von einer Reitstunde und wurde – so die Polizei damals – „auf freier Flur angefallen“ und niedergestochen. Sie blieb nach den schlimmen Attacken bewegungslos am Boden liegen. Die Ärzte fanden später 27 Messerstiche in Hals, Nacken und Rücken. Gemäß Anklageschrift glaubte der 40-Jährige, das Mädchen an jenem Nachmittag getötet zu haben und flüchtete. Das Mädchen konnte sich aber aus dem Maisfeld schleppen. Eine Notoperation rettete sein Leben.

Verdächtiger im angrenzenden Maisfeld festgenommen

Nach umfangreichen Fahndungsmaßnahmen gelang es der Polizei, den mutmaßlichen Täter kurze Zeit später festzunehmen. Die Beamten fanden den Tatverdächtigen schließlich in einem angrenzenden Maisfeld. Bei den ersten Vernehmungen räumte er die Tat ein, äußerte sich aber nicht zum Motiv. Es handelte sich um einen 40-jährigen gebürtigen Mainzer, der seit Herbst 2008 in Töging wohnte.

Der Mann ist nach Auskunft der Staatsanwaltschaft Traunstein seit 1991 vielfach vorbestraft, darunter wegen räuberischer Erpressung, versuchter sexueller Nötigung und wegen Vergewaltigung. Neben Haftstrafen ergingen mehrere Unterbringungsanordnungen in psychiatrische Krankenhäuser gegen ihn. Erst im Oktober 2008 kam er nach Unterbringung und einer weiteren Strafhaft auf freien Fuß. Der Prozess soll nach dieser Woche am 29. und 31. März fortgesetzt werden.

Rubriklistenbild: © fib/S.A.

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