+
Schwer bewaffnet untersuchten die Polizisten im März vergangenen Jahres den abgeriegelten Bahnhof von Kempten. Zuvor hatten sich zwei Fahrgäste im Regionalzug eine blutige Schießerei mit der Bundespolizei geliefert

11 Monate nach der Tat

Prozess beginnt: Mordversuch im Regionalzug

Kempten - Es waren dramatische Minuten im Regionalzug „Alex“. Elf Monate ist es her, dass sich aus einer Routinekontrolle eine blutige Schießerei entwickelte. Die Folge: Ein Toter und drei Schwerverletzte. Am Mittwoch beginnt der Prozess gegen den überlebenden Tatverdächtigen.

Eigentlich war alles Routine. Alltagsgeschäft. Zwei Beamte der Bundespolizei wollten am 21. März vergangenen Jahres zwei Männer kontrollieren, die allein in einem Abteil des Regionalzugs „Alex“ von Kaufbeuren nach Kempten saßen. Auch als sich dabei herausstellte, dass gegen den Jüngeren der beiden, einen 20-jährigen Russen aus dem Landkreis Fürstenfeldbruck, ein Haftbefehl vorlag, blieben die Polizisten ruhig. Doch als sie den Mann festnehmen wollten, eskalierte die Situation schlagartig.

Auf einmal zog einer der Männer eine Waffe. Offenbar hatte er sie die ganze Zeit auf seinem Schoß unter einer Jacke versteckt. Ohne Vorwarnung drückte er den Abzug. Dass es sich nur um eine Gaspistole handelte, stellte sich erst viel später heraus. Die Polizisten wichen sofort aus dem Abteil zurück, doch die beiden Täter ließen nicht locker. Sie verfolgten die Beamten, einer schlug dem 57-jährigen Polizisten mehrfach mit der Waffe auf den Kopf, bis der blutüberströmt zu Boden ging. Der Täter schnappte sich die Dienstwaffe und schoss auf den zweiten Polizisten, der unmittelbar daneben mit dem anderen Mann rang.

Unter den Fahrgästen brach Panik aus, als sie die Schüsse hörten. Ein Zugbegleiter alarmierte unverzüglich einen Beamten des Landeskriminalamts, der sich in einem weiter hinten gelegenen Abteil gerade auf dem Heimweg von Dienst befand. Der erfahrene LKA-Mann reagierte sofort. Mit gezogener Waffe stürmte er durch den Zug zu seinen Kollegen. Gemeinsam mit dem 57-jährigen Polizisten, der mittlerweile wieder auf den Beinen war, stellte er die Täter. Es fielen Schüsse, eine Glasscheibe wurde zerschmettert. Den beiden Flüchtigen war es derweil gelungen, die Türen des Regionalzugs zu öffnen. Obwohl der noch mit einer Geschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometern unterwegs war, sprangen die zwei Männer aus dem fahrenden Zug.

Der 20-Jährige überlebte diesen Fluchtversuch nicht. Er geriet unter die Räder und wurde vom Zug überrollt. Sein Komplize, ein 44-jähriger Augsburger, verletzte sich beim Sturz schwer. Dazu hatte er mehrere Schussverletzungen von der Schießerei mit den Polizisten.

Noch nie ist eine routinemäßige Ausweiskontrolle in Bayern so eskaliert: „Ich kann mich an keinen vergleichbaren Fall erinnern“, sagt Rainer Scharf, Sprecher der Bundespolizei Rosenheim. Der damals weniger schwer verletze Beamten ist heute wieder im Dienst. Der niedergeschossene Polizist befindet sich noch immer in medizinischer Behandlung. „Er ist noch nicht wieder dienstfähig und wir wissen auch nicht sicher, wie es weitergeht“, sagt Scharf.

Ab Donnerstag sitzt der Überlebende der beiden mutmaßlichen Täter auf der Anklagebank am Landgericht Kempten. Ihm werden versuchter Mord an zwei Polizisten, gefährliche Körperverletzung und Verstöße gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Der Prozess ist auf fünf Tage angesetzt. Nach Angaben des Landgerichts sollen 31 Zeugen und vier Sachverständige gehört werden. Auch zahlreiche Fahrgäste, die damals im „Alex“ waren, sind als Zeugen geladen.

Von Dominik Göttler

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Unwetter in Bayern: Baum begräbt fünf Autos in München unter sich
Es wird ungemütlich: Wetterexperten rechnen für die kommenden Tage mit stürmischem Winterwetter und gefährlicher Glätte. Der DWD warnt nun vor schwerem Gewitter mit …
Unwetter in Bayern: Baum begräbt fünf Autos in München unter sich
Dieser Augsburger hat einen Weltrekord-Diamanten gemacht
Das Gegenteil von Luxus: Diamanten könnten bald zur Massenware werden. Augsburger Forscherhaben für eine Sensation gesorgt – sie haben den größten Diamanten der Welt im …
Dieser Augsburger hat einen Weltrekord-Diamanten gemacht
Säuglingstötung in Regensburg: Mutter wegen Totschlags angeklagt
Rund ein Jahr nach dem Fund einer Babyleiche in Zeitlarn (Landkreis Regensburg) kommt die Mutter des Säuglings vor Gericht.
Säuglingstötung in Regensburg: Mutter wegen Totschlags angeklagt
Todessturz bei Weihnachtsfeier  - Firmenevent endet tragisch
Eine Weihnachtsfeier ist im schwäbischen Langweid am Lech (Landkreis Augsburg) mit einem tödlichen Unfall zu Ende gegangen.
Todessturz bei Weihnachtsfeier  - Firmenevent endet tragisch

Kommentare