Der Amokläufer von Ansbach

Prozess gegen Ansbacher Amokläufer im April

Ansbach - Der Amokläufer von Ansbach muss sich voraussichtlich im April wegen versuchten Mordes in 47 Fällen vor dem Landgericht verantworten.

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Nach einem psychiatrischen Gutachten sei er wegen einer gravierenden Persönlichkeitsstörung aber vermindert schuldfähig, teilte die Staatsanwaltschaft am Dienstag mit. Sie will Anklage vor der Jugendkammer erheben. Auch der Gutachter empfiehlt in seiner 29-seitigen Stellungnahme, das Jugendstrafrecht anzuwenden, da bei dem heute 19-Jährigen Reiferückstände vorlägen. Außerdem spricht er sich für die Einweisung des Täters in die Psychiatrie aus. Der damalige Abiturient war am 17. September 2009 mit Molotow-Cocktails, Messern und einem Beil bewaffnet in das Ansbacher Gymnasium Carolinum gestürmt, hatte Brandsätze in zwei Klassenzimmer geworfen und mit dem Beil auf Schüler eingeschlagen.

Zwei 15 Jahre alte Mädchen wurden schwer verletzt, ein Lehrer und sieben weitere Schüler erlitten leichte Verletzungen. Polizisten stoppten den damals 18-Jährigen mit drei Schüssen. In einem tagebuchähnlichen Schriftstück, das die Ermittler auf dem Laptop des Abiturienten gefunden hatten, nannte er Hass auf die Institution Schule und die Gesellschaft als Motiv für seinen Amoklauf. Als schuldunfähig schätzt der Gutachter den Täter nicht ein. Der 19-Jährige befinde sich seit Ende Januar nicht mehr im Gefängnis in Würzburg, sondern in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Ansbach, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerhard Karl. Sollte das Gericht neben einer Strafe die Unterbringung in der Psychiatrie anordnen, so könnte der Täter nur dann freikommen, wenn ein Arzt und zwei Sachverständige bescheinigen, dass von ihm keine Gefahr mehr ausgeht.

Der Schulleiter des Ansbacher Gymnasiums, Franz Stark, zeigte sich zufrieden über den baldigen Prozess. “Es war unser Wunsch, dass er noch vor dem Abitur stattfindet“, sagte er der Deutschen Presse- Agentur dpa. Denn im Mai stünden die schriftlichen Prüfungen bevor. Zugleich befürchtet Stark, dass durch das zu erwartende große Medieninteresse alte Wunden bei den Schülern aufreißen könnten. Das nach dem Amoklauf eingesetzte Psychologen-Team habe inzwischen das Gymnasium verlassen. “Seit Mitte Februar haben wir einen eigenen Schulpsychologen“, sagte Stark. Noch immer nehmen einige Schüler das Angebot wahr.

dpa

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