+
Demjanjuk bei seiner Ankunft in München.

Prozess gegen Demjanjuk im November

München - Der Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk soll voraussichtlich im November beginnen.

Der Prozess gegen den mutmaßlichen NS-Verbrecher John Demjanjuk soll voraussichtlich im November beginnen. Das Landgericht München II habe die Anklage am Donnerstag zur Hauptverhandlung zugelassen, teilte die Justizpressestelle am Freitag mit. Konkrete Termine seien aber noch nicht bestimmt worden. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gebürtigen Ukrainer Beihilfe zum Mord an mindestens 27 900 Juden vor. Demjanjuk soll als Wachmann 1943 im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen bei ihrer Ermordung in den Gaskammern geholfen haben.

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

Die Abschiebung des NS-Verbrechers Demjanjuk

Der Verhandlungsort ist ebenfalls noch offen. Seit Wochen wird spekuliert, ob wegen der angeschlagenen Gesundheit Demjanjuks in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim verhandelt werden soll. Damit müsste der 89-Jährige nicht vom Gefängnis ins Münchner Justizzentrum an der Nymphenburger Straße gebracht werden. Die Ärzte hatten Demjanjuk eingeschränkte Verhandlungsfähigkeit bescheinigt, gegen ihn soll nicht länger als täglich zweimal 90 Minuten verhandelt werden. Da sich Demjanjuk bisher nicht zu den Vorwürfen geäußert hat, ist ein langwieriger Indizienprozess möglich.

Das Landgericht ordnete in seinem Beschluss auch die Fortsetzung der Untersuchungshaft an. Die Anwälte hatten mehrfach Beschwerde gegen den Vollzug des Haftbefehls eingelegt, waren damit aber gescheitert. Der staatenlose Demjanjuk sitzt seit seiner Abschiebung aus den USA im Mai in München in Untersuchungshaft.

Hauptbeweismittel der Ankläger sind ein SS-Dienstausweis mit der Nummer 1393 und eine Verlegungsliste von März 1943, nach der Demjanjuk damals nach Sobibor geschickt worden war. Sobibor sei ein reines Vernichtungslager gewesen. Wenn die Transporte mit Juden ankamen, sei das gesamte Personal des Lagers an der Vernichtung beteiligt gewesen.

Demjanjuk war als Rotarmist 1942 in deutsche Gefangenschaft geraten. Im SS-Ausbildungslager Trawniki wurde er zum Wachmann geschult und anschließend in Sobibor sowie im Konzentrationslager Flossenbürg eingesetzt. Nach dem Krieg lebte er als sogenannte “Displaced Person“ (Verschleppter) unter anderem im Lager Feldafing. Als angebliches Nazi-Opfer und ehemaliger sowjetischer Kriegsgefangener reiste er 1952 in die USA aus und bekam die US- Staatsbürgerschaft, die ihm vor wenigen Jahren aberkannt wurde. Wegen des Aufenthalts in Feldafing hat der Bundesgerichtshof das Verfahren dem Landgericht München II zugewiesen.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neun Verletzte bei Unfall eines Reisebusses
Bei einem Unfall eines Reisebusses mit Schülern an Bord sind am Freitag auf der Autobahn 7 bei Dinkelsbühl (Landkreis Ansbach) neun Menschen leicht verletzt worden.
Neun Verletzte bei Unfall eines Reisebusses
Stadionverbot missachtet - Knast! Dabei forderte sogar die Staatsanwältin Freispruch
Ein Fan von Regionalligist Wacker Burghausen muss für ein Jahr ins Gefängnis - ohne Bewährung. Der Richter blieb knallhart!
Stadionverbot missachtet - Knast! Dabei forderte sogar die Staatsanwältin Freispruch
Mofa begräbt Mann - gefangen im Hochwasser
Unter seinem Roller eingeklemmt ist ein Mann mehrere Stunden auf einer überfluteten Wiese gefangen gewesen. Die Polizei in Unterfranken befreite ihn stark unterkühlt am …
Mofa begräbt Mann - gefangen im Hochwasser
„Friederike“ in Bayern: Rollerfahrer im Hochwasser gefangen - Lebensgefahr
Sturmtief Friederike erreichte Bayern - genau zum Jahrestag von Orkan Kyrill aus dem Jahr 2007. In unserem Newsblog halten wir Sie auf dem Laufenden.
„Friederike“ in Bayern: Rollerfahrer im Hochwasser gefangen - Lebensgefahr

Kommentare