Prozess gegen Drogenbande

Marihuana-Kartell erbeutet eine halbe Million Euro

Regensburg - Am Donnerstag hat in Regensburg ein Prozess gegen einen Drogenhändlerring begonnen. Die sieben Angeklagten sind Jura-Studenten, Elektroniker, Schüler. Mit dem Rauschgifthandel haben sie rund eine halbe Million Euro erbeutet.

Die sieben jungen Männer, die im Regensburger Landgericht auf der Anklagebank sitzen, sehen nicht aus wie Rauschgifthändler, die Schulden brutal von Schlägern eintreiben lassen, Geschäfte mit Rockerclubs machen und 140 Kilogramm Marihuana über die tschechische Grenze geschmuggelt haben. Sie sehen aus wie Studenten und Berufsanfänger, wie Söhne aus guten Elternhäusern. Der Eindruck täuscht gewaltig. Seit 2012 haben sie im Raum Regensburg ein riesiges Drogennetzwerk aufgebaut und damit knapp eine halbe Million Euro verdient. Anführer der Gruppe waren ein 22-jähriger Elektroniker und ein 23-jähriger Jurastudent, die beiden kennen sich aus Schulzeiten. Seit einem knappen Jahr sitzen sie in Untersuchungshaft – gestern saßen sie nebeneinander auf der Anklagebank, als der Staatsanwalt die 23 Seiten dicke Anklageschrift vorlas.

Die beiden sollen gemeinsam mit den fünf anderen Angeklagten einen Verteilerring im Schneeballprinzip aufgebaut haben. Mindestens zwei Jahre lang sollen sie kiloweise Marihuana aus Tschechien nach Deutschland geschmuggelt und im Raum Regensburg gewinnbringend verkauft haben. Um sich zu schützen und säumige Zahler oder vermeintliche Verräter einzuschüchtern sollen sie einen hünenhaften Bodyguard aus Tschetschenien angestellt haben. Der hatte gemeinsam mit Helfern, die der Polizei wegen Gewaltdelikten bereits bekannt sind, mehrmals Drogenkonsumenten in einen Hinterhalt gelockt, dort stundenlang festgehalten und mit heftigen Schlägen bis zur Bewusstlosigkeit und massiven Drohungen gefügig gemacht. Auch unter den Tatverdächtigen sei es immer wieder zu Gewalt gekommen – obwohl sie sich seit Schulzeiten kannten, misstrauten sie sich.

Im Herbst 2013 hat eine sechsköpfige Fahndungsgruppe mit dem Namen „Konopi“ – das tschechische Wort für Hanf – begonnen, gegen den Drogenhändlerring zu ermitteln. Anfang vergangenen Jahres gelang der Kriminalpolizei mit Hilfe der tschechischen Kollegen der Coup. Seit damals sitzen fünf der Tatverdächtigen in Haft, bei zwei weiteren wurden die Haftbefehle außer Kraft gesetzt.

Bei den Hausdurchsuchungen wurden Fahrzeuge, Bargeld im mittleren fünfstelligen Bereich und hochwertiger Schmuck beschlagnahmt. Obwohl nur eine relativ geringe Menge Rauschgift sichergestellt wurde, steht laut Polizei bereits fest, dass die Beschuldigten 130 bis 140 Kilogramm Marihuana aus Tschechien bezogen und im Raum Regensburg verkauft haben – unter anderem an einen Rockerclub. Auch zahlreiche Hintermänner wurden festgenommen.

Fünf der sieben Angeklagten haben sich bereits zu den Vorwürfen geäußert. Der erste Prozesstag wurde gestern nach Verlesung der Anklageschrift unterbrochen. „Es deutet sich an, dass die Angeklagten beim nächsten Prozesstag kommenden Mittwoch ein Geständnis ablegen werden“, sagte Gerichtssprecher Thomas Polnik.

Katrin Woitsch

Rubriklistenbild: © dpa

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