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Vor Gericht: Hubert Haderthauer. 

Prozess

Für Hubert Haderthauer wird es enger

München – Im Prozess gegen Hubert Haderthauer (59) wird langsam deutlich, wo die Reise hingeht – in Richtung Verurteilung.

Das Landgericht München II hat eine vorläufige Einschätzung abgegeben: Demnach geht es derzeit davon aus, dass der Mann der Ex-Staatskanzlei-Chefin Christine Haderthauer (CSU, 53) vier Modellautos im Wert von je 15 000 Euro aus der Firma Sapor Modelltechnik entnommen hat. Zusammen mit anderen Steuertricks läge der Schaden dann bei rund 40 000 Euro.

Außerdem regte das Gericht an, den Vorwurf des Betrugs am ehemaligen Geschäftspartner Roger Ponton (86) einzustellen. Das müsste allerdings die Staatsanwaltschaft beantragen. Noch lautet die Anklage auf Steuerhinterziehung in Höhe von 43 000 Euro sowie auf Betrug in Höhe von 84 000 Euro. Beim Verkauf der Sapor im Jahr 2008 soll Haderthauer dem Mitgesellschafter Ponton seinen Anteil nicht ausbezahlt haben. Doch nach bisheriger Einschätzung würde der Betrug beim Strafmaß kaum mehr ins Gewicht fallen.

Einer der Vorwürfe trifft das Ehepaar Haderthauer gemeinsam: Sie sollen gewinnmindernd vorgetäuscht haben, dass die Stimmkreismitarbeiterin von Christine Haderthauer für Sapor tätig war. Die Mitarbeiterin, Diplom-Kauffrau und CSU-Stadträtin in Ingolstadt, habe 2008 der Sapor zu Unrecht Rechnungen über 5500 Euro gestellt.

Die Mitarbeiterin (44), deren Verfahren gegen Geldauflage eingestellt wurde, schilderte ihre Arbeit für die Haderthauers so: „Mein Auftrag war: Der Laden muss laufen.“ „Also der Familienladen Haderthauer“, fasste der Vorsitzende Richter Rupert Heindl zusammen. „Das war alles für mich eine Einheit“, erklärte die Mitarbeiterin. Sie habe sich um Post und E-Mails gekümmert, genauso habe sie aber auch die Anzüge von Hubert Haderthauer in die Reinigung gebracht. Das Ganze schien der 44-Jährigen peinlich zu sein: „Ich will nicht sagen, dass ich ,Mädchen für alles’ war, weil ich mich damit selbst abqualifiziere.“ Für die Sapor habe sie zweimal in der Woche Post aus dem Schließfach geholt. Außerdem habe sie sich Gedanken über die Präsentation der Modellautos gemacht. Sie habe sich gefragt, wie man „mit so altem Glump“ bei der Präsentation arbeiten könne – und sie habe sich überlegt, wie man das verbessern, wie man an die Presse gehen und bei Messen auftreten könne. Zehn Prozent ihrer Tätigkeit sei für die Sapor gewesen, 90 Prozent „für das Allgemeine“.

Haushaltstätigkeiten, Reinigung – alles schön und gut, befand der Vorsitzende Richter. Doch dafür sei weder die Sapor zuständig noch der Steuerzahler. „Das ist in dem ganzen Rauschen untergegangen“, erklärte die Mitarbeiterin. „Das war ohne böse Absicht, das hat sich so entwickelt.“ Es sei ein großer Fehler gewesen. „Irgendwann hätte ich sagen müssen: Hubert, das können wir so nicht machen. Das musst du aus der Privatschatulle bezahlen.“

Christine Haderthauer erwartet wegen der Trickserei mit ihrer Mitarbeiterin noch ein Strafbefehl. Der Prozess dauert an. 

Nina Gut

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