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Thomas Blatt

Erinnerungslücken bei Zeugen im Demjanjuk-Prozess

München - Im Prozess gegen den mutmaßlichen NS- Verbrecher John Demjanjuk hat ein Überlebender des Vernichtungslagers Sobibor am Mittwoch weitere Details geschildert, aber auch Erinnerungslücken eingeräumt.

Die Wachmänner, zu denen auch Demjanjuk gehört haben soll, hätten gehunfähige Kranke sowie potenzielle Unruhestifter unter den Juden erschossen, sagte der 82 Jahre alte Thomas Blatt vor dem Landgericht München. Oft konnte Blatt jedoch Nachfragen nicht beantworten, die über seine Schilderungen vom Vortag hinausgingen. Erneut kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen dem Vorsitzenden Richter Ralph Alt und Demjanjuks Verteidiger Ulrich Busch.

John Demjanjuk: Der Prozess in München

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“Herr Dr. Busch, reden Sie mir nicht immer drein, das ist unerhört“, rief Alt - um Busch dann gleich beinahe selbst ins Wort zu fallen. “Darf ich Sie bitten, meine Fragen nicht immer negativ abzukommentieren“, sagte Busch, als Alt erklärte, er verstehe eine Frage nicht.

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Der Zeuge aus dem Todeslager

Der gebürtige Ukrainer Demjanjuk ist angeklagt, 1943 bei der Ermordung von 27 900 Juden in den Gaskammern von Sobibor geholfen zu haben. Blatt hatte berichtet, ohne die Wachmänner, die sogenannten Trawniki, hätte die Vernichtungsmaschinerie nicht funktioniert. Er konnte jedoch nicht sagen, ob es unter ihnen eine Rangordnung gab. “Ich kann mich nicht erinnern, es liegt so viele Jahre zurück“, antwortete Blatt in einer Mischung aus Deutsch und Englisch auf mehrere Fragen, etwa nach seinen früheren Aussagen zu Erschießungen durch den SS-Oberscharführer Kurt Bolender.

Immer wieder beugte sich sein Anwalt Stefan Schünemann zu Blatt, um ihm die Fragen zu erläutern und zu übersetzen. “Es ist problematisch, dass der Nebenklägervertreter der Übersetzer ist“, kritisierte Busch, und: “Es wird weiter vorgesagt.“ Wenigstens müsse für alle zu hören sein, was Schünemann sage - der daraufhin das Mikrofon anschaltete. Das Gericht reagierte auf diesen Hinweis und setzte eine Dolmetscherin ein.

Auch Prozessbeobachter zeigten sich erstaunt über den Gang der Verhandlung. Er finde es nicht gut, dass der nächste Zeuge und Sobibor-Überlebende Philip Bialowitz (84), der auch Nebenkläger ist, bei den Aussagen von Blatt im Gerichtssaal sei, sagte der 89 Jahre alte Jules Schelvis. Der Niederländer, der wie Blatt und Bialowitz seine Familie in Sobibor verlor, ist ebenfalls Nebenkläger und hat bereits als Zeuge ausgesagt. Er war selbst nur wenige Stunden in Sobibor, bevor er in ein Konzentrationslager gebracht wurde. Er sei auch nicht sicher, ob der damals 15-jährige Blatt eigene Erinnerung und Gelesenes oder Gehörtes vermische, sagte Schelvis. “Er kann sich nicht erinnern - er war zu jung.“

Ungewöhnlich findet auch Rozette Kats, die den Nazi-Terror als Kind in einem Versteck in Holland überlebte und der Sobibor-Stiftung angehört, den Prozessverlauf. “Ich wundere mich“, sagte sie, betonte aber, das sei ihr persönlicher, emotionaler Eindruck. Etwa werde Blatt weiterbefragt, obwohl bereits klar geworden sei, dass er sich an das Gefragte nicht erinnern könne.

Blatt berichtete vor Gericht auch, wie er sich in den 60er Jahren mit dem Lager-Kommandanten von Sobibor, Karl Frenzel, zum Interview traf. Frenzel habe damals unter anderem gesagt, dass es ihm leidtue. Er habe aber auch versucht, gut dazustehen, da ihm selbst der Prozess gemacht werden sollte. Frenzel wurde 1966 vom Landgericht Hagen zu lebenslanger Haft verurteilt.

Offen war, ob noch am Nachmittag Bialowitz als Zeuge gehört werden sollte. Ihm gehe es nicht um Demjanjuk, er wolle die Geschichte von Sobibor in Erinnerung halten, sagte er zuvor. Blatt und Bialowitz hatten die Vernichtungsmaschinerie des Lagers überlebt. Sie waren zur Arbeit eingesetzt und konnten bei einem Aufstand im Oktober 1943 fliehen. Beide leben in den USA.

dpa

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