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Die Mutter der vierjährigen Larissa wurde zu elf Jahren Haft verurteilt.

Hohe Haftstrafe für Mord an Larissa (4)

Augsburg - Wegen Mordes an ihrer vierjährigen Tochter Larissa ist eine 34-jährige Frau aus Dillingen am Dienstag zu elf Jahren Haft verurteilt worden.

Das Landgericht Augsburg sah es als erwiesen an, dass die Frau im Juli 2009 Larissa mit einem nassen Handtuch erstickt hat. Die Frau hatte nach der Tat versucht, sich selbst zu töten. Der Gerichtspsychiater bescheinigte ihr wegen einer schweren Depression eine “erhebliche Minderung ihrer Steuerungsfähigkeit“ zum Zeitpunkt der Tat. Deshalb kam eine lebenslange Haft nicht infrage. Das Urteil ist rechtskräftig.

Der Vorsitzende Richter sprach in der Urteilsbegründung von einer “nicht nachvollziehbaren und vermeidbaren Tat“. Die Angeklagte habe heimtückisch gehandelt und die Arg- und Wehrlosigkeit des Mädchens ausgenutzt. Als das Mädchen zum Kuscheln zu seiner Mutter gekommen war, habe diese Larissa zunächst mit einem Kissen zu ersticken versucht. Dabei habe sie eine erhebliche kriminelle Energie eingesetzt und insgesamt drei Erstickungsversuche unternommen.

Die Angeklagte hatte die Tat gestanden und erklärt, sie sei zur Tatzeit völlig am Ende gewesen. Es tue ihr “unendlich leid“, was sie getan habe. Sie bereue dies zutiefst und hasse sich dafür. “Ich habe mein Kind über alles geliebt.“

Die Staatsanwaltschaft hatte 13 Jahre und sechs Monate Haft wegen Mordes gefordert, die Verteidigung auf maximal zehn Jahre wegen Totschlags plädiert. Die Angeklagte habe durch die Trennung von ihrem Ehemann und Vater Larissas sehr gelitten und keinen Ausweg mehr gesehen, sagte ihre Verteidigerin. Sie habe sich in einem Tunnel befunden und geglaubt, den Konflikt nur noch durch eine doppelte Tötung lösen zu können. Deshalb sei sie für die Tat nur vermindert schuldfähig. Der Staatsanwalt hatte die Tötung der kleinen Larissa dagegen als Mord aus niederen Beweggründen und Heimtücke bewertet. Dieses Verbrechen müsse mit einer “deutlichen Strafe“ gesühnt werden.

Der Gerichtspsychiater hatte der Angeklagten eine “erhebliche Minderung ihrer Steuerungsfähigkeit“ bescheinigt. Ursache dafür sei ein Trennungskonflikt mit ihrem Ehemann gewesen, der zur Tatzeit abwesend war. Daraus habe sich bei der sonst emotional gefasst und distanziert veranlagten Mutter der kleinen Larissa eine klinische Depression mit einer “krankhaften seelischen Störung“ bei der Alltagsbewältigung ergeben. Es handle sich aus psychiatrischer Sicht um eine “einmalige Tat“, eine weitere Gefährdung gehe von der Angeklagten nicht aus.

Das Gericht sah durch Zeugen- und Gutachteraussagen bestätigt, dass die Angeklagte Larissa im Juli 2009 zunächst mit einem Kissen ersticken wollte. Als das Kind zu zappeln aufgehörte, habe sie das Kissen entfernt, das Kind hatte wieder zu atmen begonnen. Daraufhin hatte die Angeklagte Larissa in die Badewanne gebracht, um das geschwächte Kind mit der Dusche ins Leben zurückzuholen. Schließlich sei das Mädchen mit einem nassen Handtuch stranguliert worden und erstickt.

Erst eine Stunde später hatte die Angeklagte zunächst den Ehemann und Vater des Kindes und dann die Polizei verständigt. Bei den polizeilichen Vernehmungen erklärte sie, Larissa “bewusst und gewollt getötet“ zu haben. Danach hatte sie versucht sich die Pulsadern aufzuschneiden und sich ein Messer in den Bauch zu stoßen. Es war aber bei oberflächlichen Verletzungen geblieben.

dpa

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