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Tatort: Hier überfielen fünf Jugendliche einen 54-jährigen Fußgänger.

Prozess: Opfer trifft auf seine Peiniger

Schongau - Die brutale Tat hat im Oktober weit über die Grenzen Schongaus für Aufregung gesorgt: Aus Geldgier schlägt ein 15-Jähriger einen ahnungslosen Spaziergänger nieder, das Opfer (54) ist seitdem auf einem Auge blind.

Sie wollten Geld. Wie und von wem, das war ihnen egal. Als sich die fünf Jugendlichen an diesem 11. Oktober nachmittags am Sonnengraben unterhalb der historischen Schongauer Stadtmauer treffen, schmieden sie noch keine konkreten Pläne. Doch es folgt eine Spirale der Gewalt, die schließlich in dem heimtückischen Angriff auf den 54-Jährigen endet.

Zunächst steigt das Quintett - neben dem 15-jährigen türkischen Haupttäter noch zwei weitere Türken (17 und 16) sowie ein Serbe (15) und ein Libanese (17) - in ein Gartenhäuschen ein.

Unfassbar: Weil sie nichts Wertvolles finden, nehmen sie Holzstöcke als Waffen für den anschließend geplanten Raubüberfall mit. Weil dem 15-jährigen Haupttäter die Stöcke zu mickrig sind - er lässt sie sich sogar auf den Arm schlagen, um die Wirkung zu testen - sägt er sich einen Rechenstiel zurecht. Als kurz darauf auch der Versuch scheitert, einen Zigarettenautomaten mit einer Spitzhacke zu knacken, beschließen sie endgültig, den nächsten vorbeikommenden Passanten auszurauben. Es trifft den 54-jährigen Manfred P. Am Frauenberg, einem Fußweg zur Altstadt, legt sich das Quintett in der anbrechenden Dunkelheit hinter Büschen auf die Lauer. Während seine Komplizen als Verstärkung warten, tippt der Haupttäter seinem Opfer auf die Schulter und schlägt dem ahnungslosen Manfred P., der sich gerade umdrehen will, den Besenstiel mit voller Wucht auf den Kopf.

Wollte der 15-Jährige sein Opfer nur unschädlich machen?

Wollte der 15-Jährige sein Opfer nur unschädlich machen? Oder nahm er in Kauf, dass der 54-Jährige durch die massive und für ihn überraschende Attacke stirbt? Das wird in dem Prozess eine entscheidende Rolle spielen. Ursprünglich hatten die Ermittler, die die Täter schnell gefasst hatten, den Haupttäter wieder auf freien Fuß gesetzt. Erst nach massiven Protesten der Bevölkerung wurde der Türke doch verhaftet - man war davon ausgegangen, dass er eine Metallstange als Tatwaffe benutzt hatte. Obwohl sich das als nicht zutreffend erwiesen hat, wirft die Staatsanwaltschaft dem 15-Jährigen, der seit Oktober in Untersuchungshaft sitzt, versuchten Mord vor, dazu noch schwere Körperverletzung. Außerdem ist der junge Türke kein unbeschriebenes Blatt: Vier Monate vor der hinterhältigen Attacke hatte er auf dem Schongauer Volksfest nach einem Streit zwei Besucher mit Faustschlägen ins Gesicht verletzt und zudem auf ein am Boden liegendes Opfer eingetreten. Auch dieser Vorfall wird mit verhandelt.

Seine vier Komplizen müssen sich nur wegen versuchten schweren Raubs als Mittäter verantworten. Sie waren nämlich geflohen, als sich das Opfer trotz des brutalen und massiven Angriffs gewehrt hatte. Erst dadurch und wegen des unerwarteten Widerstands hatte auch der Haupttäter das Weite gesucht.

Manfred P. musste nach dem Überfall mehrere Operationen über sich ergehen lassen, doch sein rechtes Auge bleibt so gut wie blind. Über die Tat will er nicht sprechen. Er tritt bei dem Prozess vor dem Landgericht München II, der wegen der Jugend der Angeklagten höchstwahrscheinlich nichtöffentlich verhandelt wird, als Nebenkläger auf. Dann wird er seinen Peinigern in die Augen sehen können.

von Boris Forstner

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