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Die Polizeiinspektion in Passau

Haben Polizeikollegen Angriff verschlafen?

Passau – Die Vorwürfe sind massiv: Während der Kasache Denis B. (28) in der Nacht zum 25. September 2009 in die Polizeiinspektion Passau stürmt und Hauptkommissar Armin H. (50) mit dessen Dienstwaffe in den Kopf schießt, sollen seine vier Kollegen, darunter der Schichtleiter, einen Stock höher friedlich geschlafen haben.

Dies berichtet der Bayerische Rundfunk (BR) im Vorfeld des Prozesses gegen Denis B., der am kommenden Dienstag vor dem Landgericht Passau beginnt. Der BR beruft sich dabei auf Informationen aus Polizeikreisen. Fast eine Stunde soll es gedauert haben, bis der schwer verletzte H. aus den Fängen des Täters befreit werden konnte.

„Das stimmt so nicht“, dementiert der Präsident des Landgerichts Passau, Michael Huber. Version zwei: Eine Kollegin sei durch den Schuss wach geworden. Bei dem Versuch, H. zu retten, habe der Täter auch auf die anderen Kollegen geschossen. Dass diese zuvor geschlafen haben, steht indes außer Zweifel: „Ich kann bestätigen, dass die Polizisten geruht haben“, sagt Klaus Pickel, Sprecher des Polizeipräsidiums Niederbayern, auf Nachfrage. Und warum war der damals 49-Jährige zu dieser Zeit allein im Büro? Das sei je nach Größe der Inspektion und Einsatzlage „situativ zu sehen“ und könne immer mal wieder vorkommen, sagt Pickel.

Über die Abläufe bis zu den Schüssen herrscht wenig Zweifel: Gegen 2.15 Uhr stürmt der Kasache, der seit 2005 in Deutschland lebt, mit über zwei Promille in die Passauer Inspektion an der Nibelungenstraße. Er meldet bei Armin H. seine Ehefrau als vermisst. Vorausgegangen war ein heftiger Streit, bei dem diese mit den beiden Kindern aus der Wohnung im Stadtteil Hacklberg floh. Daraufhin geht der damals 27-jährige Schweißer in einem Nachtclub und gerät dort mit einem Studenten erneut in Streit. Anschließend setzt er sich ins Taxi und macht sich auf den Weg zur Wache. Als Armin H. ihm dort verweigert, sofort nach der Ehefrau zu suchen, rastet der Kasache aus. Er attackiert den Beamten mit Schlägen, dieser stürzt bei einem Fluchtversuch im Treppenhaus und B. entreißt ihm die geladene Dienstwaffe, heißt es im Pressebericht des Landgerichtes. Die hält er dem Polizisten an den Kopf und drückt ab. Die Kugel durchbohrt seine Wangen, zertrümmert den Kiefer und bleibt in seiner Brust stecken. Sein schwerverletztes Opfer zerrt der Täter in den Polizeihof und nimmt es als Geisel.

Was dann geschieht, darüber gehen die Aussagen allerdings weit auseinander. Nach Informationen des BR passiert zu lange nichts. Während die Kollegen angeblich ahnungslos schlummern und die Schüsse nicht hören, beobachtet Anwohnerin Katharina P. das Geschehen auf dem Hof und alarmiert den Notruf. Die Zentrale Straubing erreicht die Passauer Kollegen nicht und schickt eine Streife zur Inspektion. Diese soll H. befreit haben, aber erst eine Stunde nach der Attacke. Die Geiselnahme dauert so lange, weil nach dieser Version Denis B. auf die Polizisten schießt.

Wer den Beamten tatsächlich befreit hat, ist derzeit unklar. Aber B. hat zweifellos mehrfach geschossen. Deswegen muss er sich im Prozess neben Geiselnahme und gefährlicher Körperverletzung auch wegen dreifach versuchten Mordes verantworten. Den BR-Informationen, dass die Beamten, die mit H. Nachtdienst hatten, nicht vor Gericht aussagen müssen, widerspricht Huber ebenfalls: „Sie treten alle vier als Zeugen auf.“ Doch was wirklich in der Nacht passiert sei, müsse der Prozess klären.

Janine Tokarski

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