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Der Angeklagte Werner M. im grünen Pullover unterhält sich mit seinem Anwalt Wilhelm Seitz. Im Hintergrund: M.s Frau Gabriele und ihr Verteidiger Florian Engert.

Fall Herrmann: Das Protokoll vom ersten Prozesstag

Augsburg - Am Donnerstagnachmittag ist der erste Prozesstag im Fall Ursula Herrmann zu Ende gegangen. Lesen Sie auf Merkur Online das Protokoll der Verhandlung und sehen Sie Videos aus dem Gericht.

Der erste Prozesstag im Überblick

15.55 Uhr:

Gabriele M. verlässt zusammen mit ihrer Anwältin an Krücken das Justizzentrum in Augsburg.

15.21 Uhr:

Der erste Prozesstag ist offiziell beendet. Die Verhandlung wird am Donnerstag, 26. Februar, am Landgericht Augsburg fortgesetzt.

15.00 Uhr:

Jetzt erläutert der Angeklagte Werner M. seinen Lebenslauf. Er schildert, wie er nach der Hausdurchsuchung unmittelbar nach dem Auffinden von Ursulas Leiche im Wald beschlossen hat, mit seiner Familie nach Schleswig-Holstein zu ziehen.

Der Prozess um den Tod von Ursula Herrmann

14.45 Uhr:

Gabriele M., wegen Beihilfe angeklagt, schildert der Kammer ihren Lebenslauf. Die 61-Jährige erzählt von ihrer Schneiderlehre, von ihrer ersten Ehe. Dann lernte sie Werner M. kennen, gemeinsam mit ihrem Sohn und dessen Tochter zog sie nach Utting. In dem Ort am Ammersee eröffnete das Paar die "Fernsehklinik".

14.40 Uhr:

Der Prozess wird fortgesetzt.

13.15 Uhr:

Die Richter setzen eine Verhandlungspause bis 14.30 Uhr an. Nach der Pause sollen die Angeklagten Werner M. und Gabriele M. zu ihren persönlichen Verhältnissen befragt werden.

Video: Die Anwältin

Video: Der Verteidiger 

Video: Der Angeklagte

13.10 Uhr:

Jetzt gibt Gabriele M., Frau des Angeklagten Werner M. und wegen Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge angeklagt, ihre Erklärung ab. "Ich bin unschuldig", sagt die 62-Jährige. Sie habe nichts mit dem Entführungsfall zu tun.

13.05 Uhr:

Der Angeklagte beendet nach knapp einer Stunde seinen Vortrag mit den Worten: "Es wird ein langer Prozess werden. Aber ich bin mir sicher, dass ich freigesprochen werde."

12.57 Uhr:

Jetzt lenkt er den Verdacht auf den Polizisten, der jahrelang im Visier der Ermittler stand. Harald Wilhelm, so heißt der Mann, war im Mai 1984 als Verdächtiger gehandelt worden. Ein Zeuge hatte behauptet, er habe Wilhelms Transit am Tag der Entführung in Tatortnähe gesehen. Die Beamten beschatteten den früheren Kollegen, vernahmen ihn immer wieder. Erst nach fünf Jahren stellten die Polizisten die Ermittlungen gegen Wilhelm ein. 1995 starb Wilhelm mit 46 Jahren.

12.52 Uhr:

Der Angeklagte widerlegt Punkt für Punkt die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft.

12.45 Uhr:

Werner M. bittet um ein Glas Wasser.

12.22 Uhr:

"Der 15. September 1981 war für uns ein Tag wie jeder andere", beschreibt der Angeklagte Werner M. seine Erinnerung an den Todestag der kleinen Ursula. Sein Alibi: ein Treffen mit Freunden, das viele Zeugen bestätigen könnten.

12.12 Uhr: 

Der 58-Jährige zeigt Anteilnahme: "Ich bedaure den Tod von Ursula Herrmann und das Schicksal der Familie." Während er vor dem Schwurgericht spricht, sitzt er auf der Anklagebank. Seine Frau Gabriele M., die wegen Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge angeklagt ist, sitzt hinter ihm.

12.09 Uhr:

Der Tenor der Erklärung, die etwa eine Stunde dauern soll: "Ich bin unschuldig". Werner M. sagt ruhig und langsam: "Ich muss hier um mein Leben kämpfen und um das meiner Frau. Und  das werde ich auch tun." 

12.08 Uhr:

Der Angeklagte Werner M. beginnt nach der zweiten Prozessunterbrechung, seine mehr als 20 Seiten umfassende, persönliche Erklärung vorzulesen. Mit fester, lauter Stimme spricht der 58-Jährige ins Mikrofon.

12.07 Uhr:

Das Gericht lehnt den Antrag auf Aussetzung des Prozesses bis zum nächsten regulären Verhandlungstag am 26. Februar ab. Die Verhandlung geht weiter.

12.04 Uhr:

Werner M. wird von den Justizvollzugsangestellten in den Schwurgerichtssaal zurückgebracht. Seine Frau Gabriele M. war während der Pause im Raum geblieben, sie sitzt nicht in Untersuchungshaft und darf sich daher frei bewegen. In wenigen Minuten soll das Ergebnis der Beratungen der Kammer verkündet.

11.39 Uhr:

Das Gericht unterbricht den Prozess zum zweiten Mal an diesem Vormittag, um über den Antrag der Verteidigung zu beraten. Um 12 Uhr soll es weitergehen.


Das Video

11.38 Uhr:

Verteidiger Wilhelm Seitz bittet darum, das Verfahren erst beim nächsten, angesetzten Termin (26. Februar) fortzusetzen. Die Verteidigung müsse sich über ihre Anträge beraten.

11.37 Uhr:

Die Verhandlung wird fortgesetzt: Das Gericht lehnt den Antrag auf Aussetzung des Prozesses ab - der Angeklagte sitze seit 28. Mai 2008 in Untersuchungshaft, jetzt müsse das Verfahren beschleunigt werden. Den Vorwurf des Verteidigers Walter Rubach, selbst die Richter würden die umfangreichen Akten nicht ausreichend kennen, streiten sie ab.

11.34 Uhr:

Der Angeklagte Werner M. wird erneut in den Gerichtssaal geführt. Kurze Zeit später betreten auch die Richter den Raum.

11.18 Uhr:

Der Schwurgerichtssaal 101 wird wieder aufgesperrt, die Zuschauer und Journalisten dürfen den Raum nach der Beratungspause erneut betreten. In etwa zehn Minuten soll der Prozess fortgesetzt werden.

10.37 Uhr:

Sehen Sie in der Pause das erste Video aus dem Prozess: Wie der Angeklagte Werner M. den Gerichtssaal betritt und den Anwälten seiner Frau die Hände schüttelt - begleitet vom Blitzlichtgewitter der Fotografen.

10.02 Uhr:

Das Gericht unterbricht den Prozess bis 11.30, um sich über den Antrag von Anwalt Rubach zu beraten.

9.55 Uhr:

Walter Rubach, der Augsburger Rechtsanwalt, der den Angeklagten Werner M. im Fall Ursula Herrmann vertritt. Er gibt in der Prozesspause Interviews.

Der Verteidiger des Angeklagten macht eine Einsicht in alle Akten zur Bedingung, den Prozess weiterführen zu können. Die 270 Bände und 50.000 Einzelblätter seien völlig  unübersichtlich. Zudem stellt er das Hauptindiz der Staatsanwaltschaft in Frage: das Tonbandgerät. Bereits in den 90er Jahren sei bei einem Verdächtigen ein Tonbandgerät gefunden worden, das dieselben Tonmerkmale vorweise, wie das, das bei Werner M. gefunden wurde. Mit dem Gerät soll damals die Melodie, mit der sich die Erpresser bei Ursulas Eltern zu erkennen gaben, abgespielt worden sein. Auf den Einwand der Staatsanwaltschaft, der entsprechende Verdächtige habe ein Alibi, weil er sich zum Tatzeitpunkt im Ausland aufgehalten habe, erwidert Rubach: Möglicherweise sei der Verdächtige nur tatbeteiligt, nicht aber der Haupttäter.

9.50 Uhr:

Rubach fordert das Gericht dazu auf, zu bedenken, dass etliche Spuren auf weitere Verdächtige hinweisen. Diese müssten überprüft werden.

Der Prozess um den Tod von Ursula Herrmann

9.36 Uhr:

Verteidiger Walter Rubach stellt den Antrag, das Verfahren für zwei Monate auszusetzen und einen neuen Termin zu bestimmen - in frühestens zwei Monaten. Der Grund: Einen Teil der Akten habe er viel zu spät erhalten, insgesamt handelt es sich um 270 Bände mit mehr als 50.000 Blatt.

9.25 Uhr:

Landgerichtsarzt Richard Gruber attestiert Gabriele M. Verhandlungsfähigkeit. Gabriele M. ist chronisch krank und befindet sich laut ihrem Hausarzt in sehr labilem Zustand. Er empfiehlt, alle zwei Stunden eine Pause zu machen. Nach einem Verkehrsunfall war Gabriele M. 1979 mehrfach an der Hüfte operiert worden. Dadurch ist ihr Bein um mehrere Zentimeter verkürzt, sie hat Wirbelsäulenbeschwerden.

9.20 Uhr:

Im Augsburger Schwurgerichtssaal 101: Im grünen Pullover der Angeklagte Werner M., dahinter im weinroten Hosenanzug seine Frau Gabriele M.

Staatsanwältin Brigitta Baur verliest die Anklage. Den Ermittlungen zufolge soll der Fernsehtechniker Werner M. eine Holzkiste gebaut und diese - vermutlich mit einem unbekannten Mittäter im "Weingarten" zwischen Eching und Schondorf am Ammersee in einem Erdloch im Waldboden vergraben haben. M.s Frau Gabriele soll in die grausamen Pläne eingeweiht gewesen sein.

9.15 Uhr:

Das Gericht fordert die Fotografen auf, das Fotografieren einzustellen.

9.12 Uhr:

Die Richter der Schwurgerichtskammer betreten den Saal, die Sitzung ist eröffnet. Der Indizienprozess im Fall der toten Ursula Herrmann beginnt.

9.10 Uhr:

Jetzt geht der Angeklagte Werner M. durch die Tür in den Gerichtssaal.  Der 58-Jährige hat einen grünen Pullover über einem dunkelgrünen Hemd und eine beige Cordhose an. Er begrüßt die Anwälte seiner Frau mit einem Handschlag, auch Gabriele M. gibt er nur kurz die Hand. Dann dreht er sich um und setzt sich zwischen seine Verteidiger Walter Rubach und Wilhelm Seitz.

9.05 Uhr:

Gabriele M., die Frau des Angeklagten Werner M., kommt unter Blitzlichtgewitter in den Gerichtssaal. Sie trägt einen weinroten Hosenanzug und hat kurze, schwarze Locken. An ihrer Seite: Verteidigerin Juliane Kirchner und Rechtsanwalt Florian Engert, mit denen sie sich bespricht. Der 62-Jährigen wird Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub mit Todesfolge vorgeworfen.

8.50 Uhr:

Marion Zech, die Nebenklagevertreterin der Eltern von Ursula Herrmann, betritt den Gerichtssaal. Ursulas Eltern wollen dem Prozess nur beiwohnen, wenn sie als Zeugen aussagen müssen. Auch der Bruder des Mädchens, der als Nebenkläger auftritt und zum Prozessauftakt erwartet worden war, ist nicht in Augsburg erschienen.

8.45 Uhr:

Der Augsburger Rechtsanwalt Walter Rubach, der Verteidiger des Angeklagten Werner M., gibt den TV-Teams vor dem Schwurgerichtssaal Interviews.

8.30 Uhr:

Der Schwurgerichtssaal 101 wird aufgesperrt: Innerhalb weniger Minuten sind alle Plätze belegt. Vor den etwa 75 Zuschauern sitzen die Journalisten aus ganz Deutschland. Wer in den Gerichtssaal will, muss eine gründliche Kontrolle aller Taschen in der Sicherheitsschleuse über sich ergehen lassen.

8.15 Uhr:

Knapp 100 Journalisten, darunter viele Fernsehteams, drängeln sich vor dem Saal am Augsburger Landgericht.

Entführungsfall Ursula Herrmann

Prozess im Fall Herrmann: Das sind die Indizien

Aus Augsburg berichten: Bettina Link, Jacob Mell und Eberhard Unfried.

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