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Aktionskünstler Kastner vor Gericht

Prozess um Gedenkstätte für einen Kriegsverbrecher

Aktionskünstler über Jodl-Grabmal: „Das Ding muss weg“

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Am Grabmal des Kriegsverbrechers Alfred Jodl vollzog Wolfram Kastner immer wieder „künstlerische Aktionen“. Das sollte ihm nun in einem Prozess untersagt werden. Doch Kastner wehrt sich.

München – Zu Prozessbeginn soll Richter Uwe Habereder erst mal das Kruzifix im Gerichtssaal abhängen. Der politische Aktionskünstler und Angeklagte Wolfram Kastner hat darum gebeten. Die Gegenseite hat keine Einwände – also verschwindet das stattliche Kreuz im Sitzungssaal 104 des Münchner Justizpalasts hinter einem hohen Podest. 

Eine Einigung in der Hauptsache kommt indes trotz fast zweistündiger Sitzung nicht zustande: Kastner soll eine einstweilige Verfügung anerkennen, die ihm jegliche „künstlerische Aktionen“ am Grab des Wehrmachts-Generals Alfred Jodl untersagt. Dagegen wehrt er sich.

Jodl, 1946 als Kriegsverbrecher hingerichtet, hat eine Art Grabmal auf der Fraueninsel im Chiemsee, ohne dass er dort bestattet ist – die Asche seiner Leiche wurde in die Isar gestreut. Das große Jodl-Kreuz ärgert Kastner. Er nennt es ein „Verbrecher-Schandmal“. Mal hat er es mit roter Farbe überschüttet, mal den Buchstaben „J“ vom Namen entfernt, so dass nur „odl“ stehen blieb.

Dagegen ist der Neffe von Jodls zweiter Frau als Grabnutzungsberechtigter vor Gericht gezogen. Dass Jodl ein Kriegsverbrecher war, zieht er nicht in Zweifel. „Mein Mandant und seine Familie haben die historische Schuld, die Alfred Jodl aufgrund seiner Handlungen im Zweiten Weltkrieg zu verantworten hat, nie relativiert“, heißt es in einer schriftlichen Erklärung, die sein Anwalt verteilt. Der Richter formuliert es noch etwas deutlicher: Jodl habe „schlimme Verbrechen begangen – das ist unstrittig“. Er schlägt eine „gütliche Einigung“ vor, zumal das Grabnutzungsrecht 2018 ausläuft – sofern es nicht verlängert wird. Kastner schüttelt den Kopf. „Das Ding muss weg“, sagt er. Eine Einigung sei nur denkbar, sagt sein Anwalt, wenn am Grab eine „dezente Hinweistafel“ angebracht werde. Dazu wiederum ist der Grabinhaber, der Inhaber einer Event-Agentur in München, nicht bereit. Eine Tafel sei „kontraproduktiv“, weil dann die Familie unter „eine Art Sippenhaft“ gestellt werde. Es handele sich doch um ein „privates Familiengrab“ mit vier dort bestatteten Angehörigen – „eine Gedenkstätte muss woanders sein“.

Schließlich schlägt der Richter vor, vom Grabkreuz die aus Blei gegossene Beschriftung wegzulassen. Kastner ist einverstanden – nicht jedoch mit der Auflage, er müsse alle Kosten übernehmen. In zwei Wochen wird nun ein Urteil verkündet.

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