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Rettungskräfte und zwei zerstörte Fahrzeuge stehen am 20.11.2016 an einer Unfallstelle in Rosenheim. Zwei junge Frauen starben bei dem Unfall, drei Menschen wurden schwer verletzt.

„Meine Familie ist kaputt“

Tödliches Überholmanöver in Rosenheim: Angeklagter erhält Führerschein zurück

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In dem Prozess um ein Überholmanöver, das zwei junge Frauen in Rosenheim ihr Leben kostete, gab es eine überraschende Wende: Vorerst gibt es kein Urteil - und der Angeklagte erhält sogar seinen Führerschein zurück.

Rosenheim - Bei dem Unfall, der sich im November vorigen Jahres in Rosenheim ereignete, verloren zwei junge Frauen das Leben. Eine davon war noch ein Mädchen, sie wurde nur 15 Jahre alt. Zwei Familien, zwei Elternpaare, zwei Freundeskreise sind in Trauer - nach dem 20. November 2016 war für sie plötzlich nichts mehr so, wie es einmal war.

Der Verlust und die Erschütterung, die ein solches Unglück mit sich bringen, sind nur schwer fassbar. Es war ein schrecklicher Unfall, den wohl niemand so gewollt hat - trotzdem muss die Schuldfrage geklärt werden. 

Wegen fahrlässiger Tötung angeklagt

In dem Prozess geht es um fahrlässige Tötung, der 23-jährige Autofahrer war bei einem Überholversuch frontal gegen das entgegenkommende Auto geprallt, in dem drei Mädchen saßen. Die 21-jährige Fahrerin war noch am Unfallort ihren Verletzungen erlegen, die 15-Jährige starb später im Krankenhaus. Die Beifahrerin und Schwester der Jugendlichen ist die einzige Insassin des Wagens, die überlebte. Allerdings schwer verletzt: Sie erlitt ein offenes Schädelhirntrauma, 13 Knochenbrüche und eine demolierte Nase, ihren Geruchssinn sowie zum Teil ihren Geschmackssinn habe sie seit dem Unglück verloren, zudem sei sie schwer traumatisiert. Im Zeugenstand konnte sie am Freitag vor Tränen kaum sprechen, wie rosenheim24.de* berichtet. "Es ist ein Wunder, dass sie das überlebt hat. Fast hätte ich zwei meiner Kinder verloren“, sei die Mutter demnach eingesprungen. Und: Sie könne nicht glauben, dass sich keiner erinnert: „Das stinkt zum Himmel. Meine Familie ist kaputt!“, habe sie geklagt.

Unerwartete Wende im Prozess

Mitangeklagter ist der ebenfalls 23-jährige Fahrer des Wagens, den der Unfallverursacher überholen wollte - ihm wird zur Last gelegt, dass er den Unfallfahrer nicht einscheren ließ. Auch hier lautet der Vorwurf fahrlässige Tötung. Gegen ihn sollte heute das Urteil gefällt werden. Der Hauptangeklagte ist derzeit krankheitsbedingt nicht verhandlungsfähig. 

Doch dann die unerwartete Wende: Die beiden eigentlich voneinander abgetrennten Prozesse gegen die Angeklagten müssen laut dem Richter nun doch zusammengeführt werden - denn um ein Urteil fällen zu können, müsse auch der Hauptangeklagte als Zeuge gehört werden. 

Und eine weitere Überraschung: Der Mitangeklagte erhalte auf Anordnung des Gerichtes seinen Führerschein zurück - denn dessen Entzug sei ein „schwerer Eingriff in seine Rechte“, begründete der Richter dies laut dem Nachrichtenportal.

Der Prozess erregte besonderes Aufsehen: wegen der tragischen Schicksale der noch so jungen Frauen und wegen des Gerüchtes, es habe sich um ein illegales Autorennen gehandelt, das zu dem Unfall geführt hatte. Der Angeklagte dementierte dies. Das öffentliche Interesse an dem Fall sei riesig, alle 50 Plätze im Verhandlungssaal seien belegt gewesen - nicht alle kamen rein, berichtet rosenheim24

Die Angehörigen müssen nun noch etwas länger auf das Urteil warten - der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

*rosenheim24.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes.

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