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Gustl Mollath im Landgericht Regensburg.

Wiederaufnahmeverfahren

Psychiater verteidigt Einschätzung von Mollath

Regensburg - Warum saß Mollath in der Psychiatrie? Das Gericht hat einen Psychiater gehört, der ihm eine psychische Störung attestiert hatte, ohne mit ihm gesprochen zu haben. Der Mediziner verteidigt sich.

Im Wiederaufnahmeverfahren gegen Gustl Mollath hat der erste psychiatrische Gutachter seine frühere Einschätzung des Angeklagten verteidigt. Er habe in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Nürnberg 2004 bei Mollath eine gravierende psychische Störung im Rahmen einer Psychose attestiert, sagte der 56-Jährige am Mittwoch vor dem Landgericht Regensburg. Die Prognose sei ungünstig gewesen wegen uneinsichtigen Verhaltens. Zudem könne eine Gefahr für die Allgemeinheit nicht ausgeschlossen werden.

Zuvor hatte ein Zeuge vor dem Landgericht von Racheplänen des Angeklagten berichtet. Mollath habe ihm bei einem Besuch 2005 gesagt, dass er allen Menschen schaden werde, die seiner Ex-Frau und ihrem neuen Freund geholfen hätten, sagte der Autohändler aus Nürnberg. Er habe einen Transporter zum Auszug von Mollaths damaliger Frau zur Verfügung gestellt. Wochen später wurden mehr als 50 Reifen auf dem Gelände des Händlers zerstochen. Auf Nachfrage von Mollath, ob er ihn für den Täter halte, antwortete der 59-Jährige: „Ja!“

Mollath muss sich wegen Körperverletzung, Freiheitsberaubung und Sachbeschädigung verantworten. Er soll 2001 seine damalige Ehefrau geschlagen, gebissen, getreten, gewürgt und eingesperrt haben. Zudem soll er Dutzende Autoreifen zerstochen haben. Das Amtsgericht hatte das Verfahren 2004 ausgesetzt.

Das Landgericht Nürnberg-Fürth hatte dann 2006 entschieden, dass Mollath seine Ehefrau misshandelt hatte. Weil die Gutachter dem Nürnberger Wahnvorstellungen attestierten, sprach das Gericht Mollath wegen Schuldunfähigkeit frei und wies ihn in die Psychiatrie ein. Der Fall hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Vor einem Jahr kam Mollath frei.

Weil Mollath sich einer Untersuchung verweigert habe, habe er nicht mit ihm gesprochen, erläuterte der erste psychiatrische Gutachter. Zweimal hab er den Angeklagten zu einer Untersuchung in seine Praxis eingeladen, erschienen sei Mollath jedoch nicht. „Ich habe eine polizeiliche Vorführung des Angeklagten zur Begutachtung angeregt“, sagte der Zeuge. Da dies nicht geschehen sei, habe er seine mündliche Einschätzung aufgrund der Aktenlage und der Schreiben des Angeklagten abgegeben. „Als Psychiater kann man daraus durchaus Schlüsse ziehen“, betonte der Mediziner.

Die Verteidigung beschränkte sich am Mittwoch auf eine einzige Frage an den Psychiater: „Haben Sie irgendetwas falsch gemacht?“, fragte Mollaths Rechtsanwalt Gerhard Strate. Es habe ein Rest Unsicherheit bestanden, sagte der Mediziner. „Deshalb habe ich auch eine weitere Aufklärung gefordert.“ Später wurde Mollath dann zwangsbegutachtet, mit dem gleichen Ergebnis.

Der Autohändler berichtete als Zeuge, Mollath habe ihm bei dem ersten Besuch auch einen angeschliffenen Schraubenzieher gezeigt: „Er sagte mir, er fühle sich von Banken, seiner Ehefrau und der Polizei bedroht und sei jetzt auch bereit, sich zu wehren.“ Der Angeklagte habe ihm von einer jüdisch-amerikanischen Verschwörung und der Banken geschildert, die seine Vernichtung plane. Das Gespräch sei ziemlich wirr gewesen.

Ein Gerichtsvollzieher, der damals mehrere Pfändungen bei Mollath durchgeführt hatte, schilderte den 57-Jährigen dagegen nicht als aggressiv. Es habe bei den Pfändungen zwar Anspannungen gegeben, weil „ich ihm Dinge weggenommen habe, die ihm lieb waren“, sagte der 64-Jährige. „Er war mir gegenüber aber nie aggressiv. Es hat zwar verbal geknistert, er hat mich aber nie beleidigt oder beschimpft.“

Unter anderem hatte der Gerichtsvollzieher bei Gustl Mollath nach der Scheidung von dessen Ehefrau vier Sportwagen, darunter zwei Ferraris, sowie ein Motorrad gepfändet. Auch der Gerichtsvollzieher wurde Monate später Opfer einer Sachbeschädigung. Zwei Scheiben seines Autos wurden großflächig zerkratzt. Einen Verdacht hatte er jedoch nicht.

Der Prozess wird an diesem Donnerstag fortgesetzt. Dann will das Gericht den damaligen Leiter des Bezirkskrankenhauses Erlangen befragen. Dieser hatte eine Begutachtung Mollaths wegen Befangenheit abgelehnt. Zudem wird die mit Spannung erwartete Aussage des Vorsitzenden Richters des Landgerichts Nürnberg-Fürth von 2006 erwartet. Dieser hatte Gustl Mollath in die Psychiatrie geschickt.

dpa

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