Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos

Ostbahnhof ist für S-Bahnen wieder frei – noch immer herrscht Chaos
+
Niederbayerische Kreative: (v.l.) Michael Kliebenstein, Maximilian Maier (audiomax-Tonstudio), Walter Berndl und Christian Reim (unserRadio) produzierten den Spot.

Ein Radiospot als Liebeserklärung

So wirbt Niederbayern um neue Bürger

Landshut - Bayern bekommt es mit dem niederbayerischen Selbstbewusstsein zu tun. Mit einer Radiowerbung sollen Fach- und Führungskräfte in die Region gelockt werden.

Es könnte jeden Tag in jedem niederbayerischen Supermarkt passieren. Das Gespräch könnte genauso ablaufen, wie in der Radiowerbung: Zwei alte Freunde könnten sich beim Einkauf begegnen. Der eine wäre vielleicht wegen einer Familienfeier zu Besuch in seiner alten Heimat, der andere, weil er hier einen besseren Job gefunden hat, bessere Lebensbedingungen für sich und seine Familie. Die beiden würden vermutlich in niederbayerisches Schwärmen geraten, es würden eventuell sogar Sätze fallen wie: „Ich möchte keine Sekunde mehr weg hier.“ Der andere könnte wohl zustimmen. Und sagen, dass er eigentlich auch zurück möchte, „quasi zurück in die Zukunft“. Und die Kassiererin würde – wenn sie ein großes niederbayerisches Herz hat – den Fremden anschreiben lassen. Weil sie sicher wäre, dass er eh bald wiederkommt.

Seit einigen Tagen bekommt es ganz Bayern mit dem niederbayerischen Selbstbewusstsein zu tun. Der Verein Niederbayern-Forum hat mit dem Kreativ-Team des regionalen Senders „unserRadio“ die Marketing-Kampagne „Zurück in die Zukunft“ gestartet, mit der er neue Fach- und Führungskräfte für die Region anwerben will. Auf dem Radiosender „B5 aktuell“ läuft seit vergangener Woche ein 30-Sekunden-Werbespot – ein Gespräch zwischen Peter und Stefan, die in einem Supermarkt von ihrer Heimat schwärmen. Von der Landschaft, von den Arbeitsmöglichkeiten vor Ort, von der Schul- und Betreuungssituation für Kinder. „Wir wollen unseren attraktiven Standort bekannter machen“, sagt Michael Kliebenstein, Geschäftsführer des Niederbayern-Forums. Der Spot richtet sich an gebürtige Niederbayern, die vor Jahren in die Metropolen abgewandert sind. Aber auch an Menschen aus ganz anderen Regionen, sagt er.

Zehn bis 15 Anrufe bekommt Kliebenstein pro Tag. Aus Bayern, aus ganz Deutschland – und sogar aus dem Ausland. Ein Ingenieur aus London hat sich vor ein paar Tagen gemeldet. Und kurz darauf ein niederländischer Unternehmer. „Sie waren zum Skifahren hier in der Gegend und haben den Spot im Radio gehört.“ Kliebenstein hat beiden sofort eine Liste der Unternehmen vor Ort geschickt. Und dann dem niederbayerischen Regierungspräsidenten Heinz Grunwald von dem Erfolg berichtet.

Auch bei Grunwald klingelt zur Zeit häufig das Telefon. Andere bayerische Regierungspräsidenten rufen an. Einige finden die Initiative witzig, andere reagieren irritiert, erzählt er. „Ich habe den Neid gespürt. Und das beweist mir nur, dass wir richtig liegen mit unserer Kampagne.“ Es gehe nicht darum, anderen Regionen Menschen abzuwerben, betont Grunwald. „Wir wollen aber zeigen, dass das Leben nicht nur in den Metropolen stattfindet.“

Die Radiokampagne ist neu, die Botschaft nicht. Schon vor Monaten hat das Niederbayern-Forum einen Imagefilm produziert. Der renommierte Regisseur Josef Vilsmaier und der als „Haindling“ bekannte Musiker Hans-Jürgen Buchner – beide gebürtige Niederbayern – haben bei der Produktion geholfen. Kostenlos. „Weil ich meine Wurzeln in Niederbayern habe“, sagt Vilsmaier. „Weil ich froh bin, dass ich hier lebe“, sagt Buchner. „Und weil ich mich dafür einsetzen will, dass die Region so schön bleibt, wie sie ist.“ Wenn er mit seiner Band im Ausland spielt, dann ist er nicht nur Musiker – sondern auch Niederbayern-Botschafter. Einer von vielen, die für das Forum ein Stück Niederbayern in die Welt tragen.

Auch CSU-Politiker Erwin Huber gerät ins Schwärmen, wenn er von seiner niederbayerischen Heimat spricht. „Wir sind ein hidden Champion“, sagt er. Ein versteckter Gewinner, der versucht, sein Image zurechtzurücken. Nicht mehr als abgelegene Region zu gelten, in der nichts los ist. Eine Kampagne wie diese war längst überfällig, findet Huber. Er könnte sich gut vorstellen, dass andere Regionen nachziehen. „Aber wir Niederbayern sind es gewohnt, kopiert zu werden“, sagt er und lacht sein selbstbewusstes Niederbayern-Lachen.

Katrin Woitsch

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Glyphosat: Bayern will Beschränkung
Auf Bundesebene mehren sich die Forderungen für ein nationales Glyphosat-Verbot. Auch in Bayern sind vermehrt kritische Stimmen zu hören. Statt auf ein Total-Verbot …
Glyphosat: Bayern will Beschränkung
Rauchverbot: Frankenberger erhält immer noch Morddrohungen
Mehr als sieben Jahre nach dem Volksentscheid zum Rauchverbot erhält dessen Initiator Sebastian Frankenberger noch immer Morddrohungen.
Rauchverbot: Frankenberger erhält immer noch Morddrohungen
Immer noch Warnungen für Teile Bayerns: Sturmböen und Schnee
Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat auch für Dienstag die Menschen in den bayerischen Regierungsbezirken Schwaben und Oberbayern gewarnt. Lesen Sie die Details. 
Immer noch Warnungen für Teile Bayerns: Sturmböen und Schnee
Zwei Frauen bei Unfall nahe Landshut schwer verletzt
Drei Menschen sind bei einem Unfall mit einem Fahranfänger in Pfeffenhausen bei Landshut verletzt worden, zwei von ihnen schwer.
Zwei Frauen bei Unfall nahe Landshut schwer verletzt

Kommentare