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Abblenden, hupen, bremsen: Entdecken Autofahrer Wild, ist Vorsicht geboten.

Zahl der Wildunfälle nimmt zu 

Das rät der  Experte vom ADAC: Runter vom Gas für Bambi und Co.

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Zusammenstöße zwischen Mensch und Tier passieren täglich auf Bayerns Straßen – statistisch waren es 2018 pro Kilometer Landstraße zwei Unfälle. Die Zentralstelle für Verkehrssicherheit im Straßenbau spricht von einem Anstieg im Vergleich zum Vorjahr – eine Einschätzung, die der ADAC nicht teilt.

München – Stefan Dorner, Sprecher des ADAC Südbayern, über Unfallursachen und die besten Möglichkeiten, Wildunfälle zu vermeiden.

Herr Dorner, passieren heute mehr Wildunfälle als vor ein paar Jahren?

Das deckt sich nicht direkt mit unseren Zahlen. Unsere aktuelle Statistik zur ADAC-Versicherung gegen Tierkollision weist für Südbayern im vergangenen Jahr 1095 Fälle aus, die Sc1hadensregulierung belief sich auf 180 000 Euro. Im Jahr 2017 waren es noch 1156 Fälle. Wir sind natürlich nicht wie die Polizei eine Stelle, bei der Unfälle gemeldet werden. Aber zumindest anhand unserer Versicherten können wir sehen, dass die Zahlen zurückgegangen sind.

Der Jagdverband macht erhöhtes Verkehrsaufkommen für Zusammenstöße verantwortlich.

Das Verkehrsaufkommen auf Bayerns Straßen nimmt tatsächlich permanent zu und steigt in den Jahren von 2010 bis 2030 allein bei den Pkw um 13 Prozent. Um zu sehen, ob das der Grund ist, müsste man auch die Population der Wildtiere genauer anschauen: Gibt es gleichzeitig mehr Verkehr und mehr Wild, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Autos und Tiere aufeinanderprallen.

Stefan Dorner, Sprecher des ADAC Südbayern.

Was sind die Hauptursachen für Wildunfälle?

Aus unserer Sicht vor allem nicht angepasste Geschwindigkeit. Darum gilt das Motto: Besser langsam als wild. Wenn man mit Tempo 80 statt 100 fährt, verringert sich der Bremsweg um 25 Meter. Besonders gefährlich sind übrigens neue Straßen durch Waldgebiete. Da ist zwar die Straße neu, das weiß aber das Wild nicht. Die Tiere haben ihre gewohnten Wege – und lassen sich von der Straße nicht aufhalten.

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Welche straßenbaulichen Maßnahmen halten Sie für hilfreich?

Am effektivsten sind intakte Wildzäune, zumindest an Autobahnen und Bundesstraßen. Man hat viel versucht, das Wild mit Duftzäunen, Reflektoren und Ähnlichem davon abzuhalten, auf die Straße zu laufen. Letzten Endes hat es immer der Mensch in der Hand, durch die richtige Reaktion und angepasste Geschwindigkeit, die Unfallzahlen zu minimieren.

Wie kann man als Autofahrer Unfälle verhindern?

Der mitunter wichtigste Tipp ist, dass man vorausschauend fährt. Vor allem zu den kritischen Tages- und Nachtzeiten, also in der Dämmerung morgens und abends. Entdeckt ein Autofahrer ein Tier am Straßenrand, sollte er drei Dinge tun: abblenden, hupen und bremsen. Dabei auf jeden Fall das Lenkrad festhalten und keine unkontrollierten Ausweichmanöver starten. Nicht, dass man selbst in den Gegenverkehr gerät. Meistens sind Wildtiere nicht allein unterwegs, das heißt, als Autofahrer muss man mit Nachzüglern rechnen.

Wie bereite ich mich als Autofahrer auf so eine Situation vor?

Da muss ich natürlich Werbung für unser ADAC Fahrsicherheitstraining machen: Wer an einem Training teilnimmt, wird gezielt auf Gefahrensituationen wie die Begegnung mit Wild vorbereitet. Abgesehen davon ist Konzentration das A und O. Man darf sich am Steuer nicht ablenken lassen.

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Angenommen, der Unfall ist passiert. Was ist zu tun?

Das Wichtigste ist, die Unfallstelle zu sichern. Das beginnt beim Autofahrer: Warnweste anziehen, damit man bei diffusem Licht gesehen und nicht selbst Opfer eines Unfalls wird. Warnblinkanlage anschalten, Warndreieck aufstellen und auf jeden Fall den Unfall bei der Polizei melden, egal, ob es sich um ein großes oder kleines Tier handelt. Ein Hase ist genauso viel wert wie ein Reh. Hat das Fahrzeug einen Schaden, sollte man sich unbedingt eine Wildunfallbescheinigung für die Versicherung ausstellen lassen. Sollte das Wild noch leben, ist höchste Vorsicht geboten, die Tiere stehen unter Stress und Schock. Wenn man ein totes Tier zur Seite schaffen muss, immer Gummihandschuhe tragen. Mitnehmen darf man totes Wild übrigens nicht – da macht man sich strafbar.

Interview: Kathrin Brack

Wildunfälle in Zahlen

Über 76 000 Wildunfälle sind laut den Hochrechnungen 2018 geschehen – 2000 mehr als im Vorjahr. Bei 99,4 Prozent der Unfälle blieb es bei Blechschäden. Bei drei von vier Unfällen waren Rehe, Rot- oder Damwild betroffen, seltener waren Kollisionen mit Hasen (9 Prozent), Schwarzwild (5), Füchsen (4), Dachsen (3) und Federwild (3). 

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