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Peggy Knobloch verschwand, als sie neun Jahre alt war.

Durchsuchung im Rathaus

Der rätselhafte Kinderausweis von Peggy Knobloch

Lichtenberg – Haben die Ermittler im Fall der vermissten Peggy aus Lichtenberg (Kreis Hof) eine neue Spur? Eine Durchsuchung im Rathaus und ein Kinderausweis deuten darauf hin.

Update vom 13. Oktober 2016: An den sterblichen Überresten der 2001 verschwundenen Peggy Knobloch sind DNA-Spuren des NSU-Terroristen Uwe Böhnhardt gefunden worden.

Update vom 5. Juli 2016: Der Fall könnte vor dem Abschluss stehen: In einem Waldstück wurden Teile eines Skeletts gefunden, das von der vermissten Peggy sein könnte. Wir berichten über die weiteren Entwicklungen im Fall Peggy Knobolch im News-Blog.

Der rätselhafte Kinderausweis

Die Staatsanwaltschaft Bayreuth, die den rätselhaften Kriminalfall neu aufrollt, hat am vorigen Donnerstag im Rathaus Akten des Einwohnermeldeamts sicherstellen lassen.

Oberstaatsanwalt Daniel Götz wollte sich zu den Gründen der diskret durchgeführten Staatsaktion wegen des laufenden Verfahrens nicht äußern. Nach Informationen unserer Zeitung geht es um den Kinderausweis des Mädchens – und vor allem um die Frage, wer ihn beantragt hat. Die Brisanz, die sich dahinter verbirgt, hängt mit dem Ausstellungsdatum des Ausweises zusammen. Es ist der 2. Mai 2001. Fünf Tage später verschwand Peggy Knobloch spurlos.

Im Prozess gegen Ulvi K., der 2004 unter fragwürdigen Umständen zu lebenslanger Haft verurteilt und heuer in einem Wiederaufnahmeverfahren vom Mordvorwurf freigesprochen wurde, kamen die Ausweispapiere des Mädchens schon einmal zur Sprache. Ein Kripobeamter erklärte als Zeuge, dass sich die Polizei damals vorsorglich einen Kinderausweis ausstellen ließ, weil man Hinweisen nachgegangen sei, dass Peggy in die Türkei verschleppt worden sein könnte. Hätte man Peggy tatsächlich gefunden, hätte es ohne Ausweis Schwierigkeiten bei der Ausreise gegeben. Eine Antwort darauf, weshalb das Ausstellungsdatum nicht zu dieser Geschichte passt, hatte er nicht. Herbert Potzel, Chef der Bayreuther Staatsanwaltschaft, erklärte auf Anfrage: „Dieser Vorgang ist für mich nicht nachvollziehbar.“

Die Münchner Autorin Ina Jung, die ein Buch über den Fall geschrieben hat, sagt: „Da stimmt was nicht.“ Die Spur verfolgt sie schon länger, 2007 fragte sie im Lichtenberger Rathaus wegen des Ausweises nach. Eine Mitarbeiterin sagte ihr damals: „Der war für Tschechien.“ Tschechien? Und warum gingen die Ermittler der Frage nach dem Ausstellungsdatum bislang nicht nach?

Noch immer ist unklar, was am 7. Mai 2001 mit Peggy geschah. Doch zu den Möglichkeiten, die von den Ermittlern in Betracht gezogen werden, zählt auch, dass die Schülerin gezielt ins Ausland verschleppt worden sein könnte. Bereits nach ihrem Verschwinden war deswegen unter anderem gegen den damaligen Lebensgefährten von Peggys Mutter ermittelt worden, ohne dass ihm das nachzuweisen war. Auch eine Beteiligung von Peggys Mutter selbst wurde ins Kalkül gezogen. Stichhaltige Belege dafür fanden sich allerdings nicht. Deshalb halten andere Beobachter, Ina Jungs Co-Autor Christoph Lemmer zum Beispiel, die Spur nach Tschechien für Unsinn.

Interessant dürfte jetzt werden, wer Peggy Ausweis beantragt hat. Lichtenbergs Bürgermeister Holger Knüppel geht bei dieser Frage bislang auf Tauchstation. Erst ist er nicht erreichbar, dann will er die Anfrage schriftlich, nach mehrmaligen Nachfragen beruft er sich auf „datenschutzrechtliche Gründe“ und schweigt. Auch die Staatsanwaltschaft will sich derzeit nicht zum Ergebnis ihrer Nachforschungen im Rathaus äußern.

H. Reister/C. Lechner

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