Rätselhafter Doppelmord

Regensburg - Im Prozess gegen den Doppelmörder von Volkenschwand rätseln die Juristen über den Tathergang. Dabei führten die Ermittler sogar Experimente am Tatort und im Gerichtssaal durch.

Am Mittwoch versuchten ein Kripobeamter und ein Gutachter in dem Verfahren vor dem Regensburger Landgericht mit einem Rollstuhl das Geschehen darzustellen. Allerdings blieben etliche Fragen offen, so dass das Gericht erneut Nachermittlungen anordnete. Erst im Mai waren am Tatort im niederbayerischen Volkenschwand (Landkreis Kelheim) zusätzliche Schussversuche gemacht worden, um feststellen zu können, ob Zeugen in der Nachbarschaft etwas gehört haben könnten.

Putzfrau überlebte zwei Kopfschüsse

In dem Prozess ist ein 37-Jähriger aus München angeklagt. Er soll den vermögenden Versicherungsmakler (55) und dessen Ehefrau (53) umgebracht haben. Die 33 Jahre alte Putzfrau des Paares überlebte den Raubüberfall trotz zweier Kopfschüsse. Der Angeklagte bestreitet, das Paar ermordet zu haben. Er hatte allerdings nach der Tat Schmuck, der aus dem Haus der Opfer gestohlen wurde, in einem Münchner Leihhaus zu Geld gemacht.

Der Täter hatte im November 2008 dem querschnittgelähmten 55- Jährigen die Kehle durchgeschnitten und die beiden Frauen niedergeschossen. Der tote Mann war mit seinem Rollstuhl umgefallen. Unklar ist bislang, ob dies bei dem Tatgeschehen passierte oder ob der Rollstuhl absichtlich umgeworfen wurde. Offen ist auch, auf welche der beiden Frauen zuerst geschossen wurde.

Beweise nicht vollständig gesichert

Vor Gericht versuchten die Ermittler, die verschiedenen Möglichkeiten zu demonstrieren. Ein Mitarbeiter der Polizei mimte dabei das im Rollstuhl sitzende Opfer. Die Richter, Anwälte und die Staatsanwältin standen um ihn herum und diskutierten die Optionen. An dem Rollstuhl wurde auch Blut der Haushaltshilfe gefunden, was zusätzlich Fragen aufwirft. Die Verhandlung ergab, dass die Sonderkommission den Rollstuhl nicht komplett auf alle möglichen Spuren untersucht hatte.

Die Strafkammer beauftragte deshalb den Münchner Gerichtsmediziner Oliver Peschel, weitere Analysen durchzuführen. Peschel hatte vor Gericht seine Einschätzung zu den möglichen Tatabläufen geäußert, allerdings auch betont: “Ausschließen kann man sowieso nichts.“ Am 17. Juni soll der Experte die Ergebnisse seiner Untersuchung vorstellen, dann werden eventuell auch die Plädoyers gehalten. Ein Urteil könnte Ende Juni verkündet werden.

lby

Rubriklistenbild: © dpa

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