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Essensausgabe in einer Flüchtlings-Unterkunft. Im Ramadan haben sie häufig länger geöffnet als sonst.

Unterkünfte haben sich darauf eingestellt

Ramadan: Fastenzeit für Flüchtlinge

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München - Für gläubige Muslime ist der Ramadan heilig. Seit Dienstag wird gefastet – auch in Flüchtlingsunterkünften. Viele bayerische Einrichtungen haben sich darauf eingestellt.

Update vom 10. April 2017: Die heilige Fastenzeit für gläubige Muslime steht bevor. Wann beginnt und endet der Ramadan 2017? Die wichtigsten Fragen und Antworten finden Sie hier.

Als Ines Lobenstein am Dienstag einem Flüchtling einen Schluck Wasser anbot, war das nicht böse gemeint. „Hier wird halt schon mal gefrotzelt“, sagt sie, auch zu dieser Zeit. Der junge Mann lachte, sie lachte auch und verkniff sich selbst den Schluck aus der Flasche, bis er aus dem Raum war. „Das mit dem Ramadan“, sagt Lobenstein, „das ist bei uns unkompliziert.“

Lobenstein und ihr Team kümmern sich in Wolfratshausen um 220 Flüchtlinge. Von denen, schätzt sie, begehen 80 Prozent den muslimischen Fastenmonat. Alle sind dezentral in Wohnungen untergebracht. „Wir haben ihnen erklärt, dass die Nachbarn ab 10 Uhr Ruhe haben möchten“, sagt Lobenstein. Also: Keine laute Feier zum abendlichen Fastenbrechen. „Bei den Flüchtlingen ist viel Verständnis dafür da.“

Im Ramadan gelten strikte Regeln

Die Pflicht zum Fasten ist ein Grundpfeiler des Islams. Deshalb gelten im Ramadan strikte Regeln: Gläubige Muslime sollen von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang – also etwa zwischen 5 und 22 Uhr – auf Essen, Trinken und Sex verzichten. Das kann so unkompliziert laufen wie in Wolfratshausen. Kann. Gerade in großen, engen Unterkünften ist die Situation eine andere. Die Flüchtlinge dürfen hier nicht selbst kochen, Muslime und Christen leben Bett an Bett. Um es den Fastenden leicht zu machen und Konflikte zu vermeiden, haben sich viele Einrichtungen in Bayern auf diese Zeit eingestellt.

Da ist etwa die Traglufthalle in Taufkirchen (Kreis München). Sie stand zuletzt leer. Nun, während des Ramadans, hat der Landkreis so etwas wie eine zentrale Fasten-Unterkunft aus ihr gemacht. Flüchtlinge aus anderen Traglufthallen im Umkreis können bis zum Ende des Fastenmonats am 5. Juli hier wohnen, sofern sie fasten möchten. 33 Menschen haben das Angebot bislang angenommen. Ihr Vorteil: Das Essen wird von 21.15 bis 1 Uhr ausgeteilt und nicht wie sonst zwischen 18 und 20 Uhr. Außerdem sind sie beim Fasten unter sich.

Im vergangenen Jahr gab es Probleme

Im vergangenen Jahr war das anders – und das war ein Problem, sagt Astrid Herrmann vom Asyl-Sozialdienst der Caritas. Christen fühlten sich von Muslimen gestört, die am späten Abend das Fasten brachen. Damals waren alle zusammen in einer Turnhalle untergebracht. „Da ist es zu lautstarken Auseinandersetzungen gekommen“, sagt Herrmann.

Auch andere Einrichtungen in ganz Bayern haben sich auf die Fastenzeit eingestellt. Im Raum Nürnberg kann, wer fastet, noch am späten Abend essen, wie eine Sprecherin des Bayerischen Roten Kreuzes sagt. Der Moscheeverein bietet gemeinsames Fastenbrechen und eine Gebetsstunde an. Auch in Münchner Unterkünften ist der Ramadan fest eingeplant. „Für uns ist das inzwischen ganz normal“, sagt Andrea Betz von der Inneren Mission. „Es ist halt wieder Ramadan.“ Das Hilfswerk betreut rund um München 21 Unterkünfte mit 7500 Flüchtlingen. Nach Gesprächen mit der Stadt hat man sich darauf geeinigt, das Catering länger offen zu halten. Ein Mehraufwand entsteht kaum.

Notwasserversorgung steht bereit

Im Grunde müssten die Flüchtlinge gar nicht fasten – sofern man sie als Reisende begreift. Denn die können laut Koran den Ramadan verschieben. Viele befolgen ihn trotzdem – diese Zeit kann ganz schön strapaziös werden. Im Juni sind die Tage lang und in der Regel auch warm. Es ist schon passiert, dass Flüchtlinge mitten am Tag vor Erschöpfung umgekippt sind. In Taufkirchen hat man sich darauf eingestellt – eine Notwasserversorgung steht immer bereit.

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