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Randale bei Neonazi-Prozess: Gericht räumt Sitzungssaal

Nürnberg - Am Rande des Prozesses um eine U-Bahn-Schlägerei in Nürnberg ist es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Angehörigen der linken und rechten Szene gekommen.

Schwere Tumulte haben am Donnerstag den Auftakt des Nürnberger U-Bahn-Schläger-Prozesses gegen ein 24 Jahre altes Mitglied der Neonazi-Szene überschattet. Bei den Auseinandersetzungen im historischen Saal 600 des Nürnberger Justizgebäudes seien zwei Zuhörerbänke aus ihrer Verankerung gerissen und mehrere Türen beschädigt worden, berichteten Augenzeugen. In Sprechchören riefen Vertreter der linken Szene minutenlang “Nazis raus“ und “Kein Platz für Nazis“. Selbst langjährige Justizmitarbeiter erklärten, sie könnten sich an keine so schweren Tumulte in dem Gericht erinnern.

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Teilgeständnis des Nürnberger U-Bahn-Schlägers

Die dem linken Spektrum zugerechneten Zuhörer hatten dagegen protestiert, dass der Vorsitzende der Schwurgerichtskammer Plätze für zu spät aus der Mittagspause zurückkehrende Vertreter der rechten Szene freihalten wollte. Einige Vertreter der Linken reagierten darauf empört und bestiegen skandierend die Zuhörerbänke. Das Gericht ließ daraufhin vorübergehend den Saal räumen. Randalierende Zuhörer, die sich geweigert hätten, den Saal zu verlassen, seien von Polizisten aus dem Saal getragen worden. Mehrere Protestierende seien des Hauses verwiesen worden, hieß es.

Am Nachmittag wurde in dem mehrtägigen Prozess die Zeugenvernehmung fortgesetzt, Zuhörer waren wieder zugelassen. Der Prozess hatte bereits am Morgen unter starkem Polizeischutz begonnen. Im gesamten Gerichtsviertel waren Streifenwagen aufgefahren, Angehörige einer Polizeispezialeinheit patroulierten vor und im Gerichtsgebäude. Selbst auf den Toiletten versuchten die Beamten zu verhindern, dass Rechte und Linke aneinandergerieten.

Der Angeklagte aus der rechten Szene muss sich wegen versuchten Totschlags verantworten. Zum Prozessauftakt legte der Kampfsportler ein Teilgeständnis ab. Er räumte zwar ein, dass er seinem damals 17 Jahre alten Opfer einen Faustschlag versetzt hat. Den Streit habe allerdings der Praktikant provoziert. Dieser habe sich abfällig über die von seiner Freundin getragenen Bauchtasche der Marke Thor Steinar geäußert. Kleidung dieser Marke ist vor allem in Neonazi-Kreisen geschätzt. “Er hat sie regelrecht angeschrien. Das war zu viel für mich, da musste ich einschreiten“, sagte der Angeklagte.

Strittig blieb die Frage, ob der 24-Jährige bei der Prügelei seinem am Boden liegenden Opfer einen Fußtritt ins Gesicht versetzt hat. Der Angeklagte stritt dies zu Prozessauftakt ab, was seine Freundin bestätigte. “Dass mein Freund ihm ins Gesicht getreten hat, habe ich nicht gesehen“, sagte die Angestellte. Zuvor hatte sie allerdings eingeräumt, dass sie sich nicht mehr an alle Einzelheiten der nur wenige Sekunden dauernden Schlägerei erinnern könne.

Den Aussagen der beiden widersprach ein als Zeuge befragter Reinigungsmann des U-Bahn-Betreibers VAG, der das Geschehen vom Bahnsteig aus beobachtet hatte. Er habe eindeutig gesehen, wie der 24-Jährige mit seinem Bein ein bis zweimal gegen das Gesicht seines am Boden liegenden Opfers getreten habe, erklärte der Zeuge vor Gericht. Schon beim Einfahren des Zuges in den U-Bahnhof Plärrer habe er die Rangelei im Inneren des Waggons bemerkt. Beim Öffnen der Tür sei er sofort dazwischen gegangen und habe die beiden jungen Männer getrennt, sagte der muskulöse VAG-Beschäftigte.

dpa

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