Razzia: Schlag gegen Anabolika-Netzwerk

München/Bad Aibling - Ein Zufallsfund und monatelange Ermittlungen führten am Mittwoch zu einer bundesweiten Razzia. Fahnder ließen ein Anabolika-Netzwerk hochgehen. Hergestellt wurden die Doping-Mittel in Oberbayern.

Die Zollfahnder haben Durchsuchungsbeschlüsse in der Hand, als sie am Mittwochmorgen an fünf Türen in München klingeln. Seit Monaten schon ermitteln sie verdeckt gegen Händler und Konsumenten illegaler Muskelaufbaupräparate, sogenannter Anabolika. Es ist eine bundesweit koordinierte Aktion der Fahnder, zeitgleich werden noch neun weitere Objekte in Hessen und Sachsen-Anhalt durchsucht. Ein paar Stunden später nehmen die Münchner Beamten acht Verdächtige mit aufs Revier, ihnen werden Verstöße gegen das Arzneimittelgesetz vorgeworfen. Bundesweit werden 3,4 Kilogramm Pulver zur Herstellung von Anabolika, Wachstumshormone und hunderte Steroid-Tabletten beschlagnahmt.

Dem aus der Sicht der Fahnder erfolgreichen Schlag gegen das Anabolika-Netzwerk ging ein Zufallsfund im September 2010 voraus. Bei einer Routinekontrolle am Flughafen München hatten Zöllner ein Paket aus China untersucht. Darin fanden sie 100 Glasampullen mit einem weißen Pulver, das sich nach einer Analyse im Labor als Melantonan II herausstellte. Der auch als „Barbie-Droge“ bekannte Stoff wird zu Bräunungszwecken und als Aphrodisiakum eingesetzt. Er schädigt jedoch auch das Herz-und Kreislaufsystem der Konsumenten.

Adressat der Lieferung war eine Firma aus dem Raum Bad Aibling (Landkreis Rosenheim). „Die Firma rückte daraufhin ins Fadenkreuz der Ermittler“, sagte ein Sprecher des Münchner Zollfahndungsamts. Monatelang beschäftigten sich die Ermittler mit dem Importeur, sahen sich dessen Handelsvolumen an, prüften seine Lieferanten. Im Juli 2011 hatten sie genügend Beweise dafür gesammelt, dass es sich um einen großen Fisch im Anabolika-Geschäft handelt. Sie durchsuchten die Firma und stießen in den Büros auf ein Geheimlabor. Hinter einer fingierten Garderobe versteckten die Beschuldigten ihre Anabolika-Küche. „Erst durch Ziehen an einem Kleiderhaken öffnete sich die mit einem Magnetmechanismus gesicherte Tür zum Labor“, erklärt der Zollsprecher. Dahinter fanden die Beamten große Mengen Anabolika-Grundstoffe wie Testosteron, versandbereite Ampullen, Kapselfüllgeräte. Und jede Menge Hinweise auf weitere Abnehmer und Zwischen-händler in ganz Deutschland, die am Mittwochmorgen vorläufig festgenommen wurden.

Patrick Wehner

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