Razzia in Chieming

„Reichsbürger“ hortet Waffen und Munition

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Chieming - Bei einer Razzia im Haus eines 58-jährigen „Reichsbürgers“ in Chieming fand die Polizei Waffen, tausende Schuss Munition und bisher nicht identifizierte Chemikalien. Dabei sollte eigentlich nur das Auto des Mannes gepfändet werden.

Wieder eine Razzia bei einem sogenannten Reichsbürger. Wieder ein Fund. In Chieming im Landkreis Traunstein stellte die Polizei am Dienstagnachmittag im Haus eines 58-jährigen Mannes mehrere Waffen mit einer erheblichen Menge Munition sowie bislang nicht identifizierte Chemikalien sicher. Der Mann wurde festgenommen. Zudem stießen die Beamten in dem Haus auf eine Frau, die wegen Kindesentziehung zur Fahndung ausgeschrieben war.

Razzia wegen Pfändungsbescheid

Grund für die Razzia war ursprünglich ein ganz anderer: Das Finanzamt hatte das Auto des 58-jährigen Chiemingers gepfändet. „Da wird ein Pfandsiegel draufgepappt und dann darf man eigentlich nicht mehr damit fahren“, sagt Polizeisprecher Stefan Sonntag. Doch der 58-Jährige scherte sich nicht darum und nutzte sein Fahrzeug weiter. „Reichsbürger“ erkennen die Bundesrepublik nicht an – und somit auch keinen Pfändungsbescheid einer deutschen Behörde. Das hatte der Mann in der Vergangenheit offenbar immer wieder deutlich gemacht. Das Finanzamt wandte sich schließlich an die Staatsanwaltschaft. Die erwirkte einen Durchsuchungsbefehl, um Schlüssel und Papiere sicherzustellen – und um das Auto zu finden, dass der 58-Jährige nicht mehr vor dem Haus geparkt hatte.

Im Haus fanden die rund 20 an der Razzia beteiligten Beamten dann aber noch einiges mehr: ein Gewehr und einen Revolver, für die der Mann keinen Waffenschein hat. Dazu zwei gefüllte Magazine für ein bislang nicht gefundenes Maschinengewehr und eine ganze Menge zusätzlicher Munition. „Tausende von Patronen“, sagt Sonntag. Außerdem stellte die Polizei verschiedene Chemikalien in unterschiedlichen Mengen – „Marmeladengläser und größer“ – sicher. „Wir wissen noch nicht, was das ist“, sagt Sonntag. Spezialisten des LKA sollen das nun herausfinden.

Bei ihm war eine gesuchte Frau aus Würzburg

Und das war immer noch nicht alles: Im Haus befand sich außerdem eine Frau aus dem Raum Würzburg mit ihren beiden Kleinkindern. Die Frau war zur Fahndung ausgeschrieben, weil sie sich mit ihren Kindern auf- und davongemacht hatte, obwohl ihr die Behörden das Sorgerecht entzogen hatten. Die Kinder kamen vorübergehend zu einer Pflegemutter, bis sie an die Sorgeberechtigten übergeben werden können.

Während die Frau mittlerweile wieder auf freiem Fuß ist, wird gegen den 58-jährigen „Reichsbürger“ wegen Verstößen gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz und das Waffengesetz ermittelt. Der Mann hatte sich widerstandslos festnehmen lassen. „Aber er hat verbal deutlich gemacht, welchen Geistes Kind er ist“, sagt Sonntag. Am Mittwochnachmittag wurde Haftbefehl gegen den Mann erlassen.

Erst vor knapp zwei Monaten hatte ein „Reichsbürger“ im fränkischen Georgensgmünd bei einer Razzia auf Polizisten geschossen. Ein Beamter starb. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte daraufhin an, „Reichsbürgern“ die Waffen entziehen zu wollen.

Rubriklistenbild: © dpa

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