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Mit diesen Postkarten will der Realschullehrerverband Druck aufbauen.

Ministerium nennt Einstellungszahlen

Realschul-Junglehrern droht Arbeitslosigkeit

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München - Junge Volksschullehrer jubeln, Realschul-Junglehrern sind entsetzt: Die Einstellungspolitik des Kultusministerium ist in diesem Jahr sehr unterschiedlich – je nachdem, welche Schulart man betrachtet.

An den Grund- und Mittelschulen gibt es in diesem Jahr eine Volleinstellung – jeder der 1950 Lehramtsstudenten für die Grundschule, der seit Examen abschließt, wird eine Stelle bekommen; die große Mehrheit wird sogar verbeamtet. An den Mittelschulen erhalten alle gut 500 Bewerber eine Stelle als Beamter. Das Ministerium übernimmt also jeden. Der Grund ist ein Schülerzuwachs – auch aufgrund der steigenden Flüchtlingszahlen. Allein an den Grundschulen werden im nächsten Schuljahr 5000 Schüler mehr erwartet.

Weitaus schlechter dran sich diejenigen Lehramts-Studenten, die sich für die Realschule entschieden haben und jetzt fertig werden. Gerade einmal 75 von ihnen werden eine Stelle bekommen. „Das ist absolut unzureichend“, schimpft der Vorsitzende des Bayerischen Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm. Denn es gibt insgesamt fast 900 Realschullehrer, die jetzt fertig ausgebildet sind. Rechnet man die 1600 Köpfe auf einer Warteliste hinzu, so kommt man sogar auf über 2000 arbeitslose Realschullehrer – von denen sich freilich schon manche umorientiert haben und Stellen in der freien Wirtschaft suchen. Chancen auf eine Einstellung hat in diesem Schuljahr nur, wer eine exzellente Note hat und Realschul-Fachlehrer für IT oder Physik ist – Kombinationen wie Deutsch-Geschichte, -Erdkunde, aber auch -Fremdsprache haben das Nachsehen. Schon fordern Freie Wähler und Grüne im Landtag „eine Neuberechnung der Bedarfszahlen mit stärkerer Gewichtung des Faktors Zuwanderung“ (so Grünen-Bildungsexperte Thomas Gehring). In dieselbe Richtung geht ein Vorstoß aller fünf Lehrerverbände kommenden Montag: Sie wollen eine gemeinsame Erklärung zur Flüchtlingspolitik abgeben und ebenfalls darauf drängen, wegen der Flüchtlingskinder mehr Lehrer einzustellen.

Doch bei den Realschulen zieht das Argument nur bedingt: Die meisten Flüchtlingskinder landen in den Grund- und Mittelschulen sowie in den Berufsschulen, schon aufgrund geringer Sprachkenntnisse gelingt nur wenigen das schnelle Überwechseln auf eine Realschule oder gar ein Gymnasium. An den Realschulen gibt es zudem einen relativ jungen Lehrerstamm, das Durchschnittsalter liegt laut Böhm bei nur 42,5 Jahren. Daher scheiden in diesem Jahr nur wenige Realschullehrer aus. Ferner „gibt es einen deutlichen Schülerrückgang“, erklärte der Sprecher des Kultusministeriums, Ludwig Unger. Verbandschef Böhm weist aber daraufhin, dass an den Realschulen noch 700 Klassen über 30 Schülern haben. So viele sind es in keiner anderen Schulart. Der Verband hat (unter www.brlv.de) eine Online-Petition sowie eine Karten- und Plakataktion in München gestartet – Motto: Lehramt statt Arbeitsamt. „Mindestens“ 100 bis 200 Stellen mehr müssten es schon sein, fordert Böhm – sonst gebe man keine Ruhe.

Unzufrieden sind auch die Philologen. An den Gymnasien sinken die Schülerzahlen ebenfalls, es gibt 30 Prozent weniger Nachwuchslehrer als im Jahr davor. „Die für manche Fächer ohnehin schlechte Situation verschlechtert sich weiter“, kritisiert Verbandschef Max Schmidt.

Dirk Walter

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