Mehr "Sprint"-Klassen

Realschulen öffnen sich für Flüchtlinge

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München – Bisher gehen die meisten Flüchtlingskinder in eine Mittel- oder Berufsschule. Jetzt wollen auch die weiterführenden Schularten Kinder aufnehmen.

Die meisten Flüchtlingskinder gehen, sobald sie nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland schulpflichtig werden, in eine Mittelschule oder in eine Berufsschule. Über 500 Übergangsklassen gibt es in Bayern schon, im nächsten Schuljahr könnten es 1000 sein. Nun wollen sich auch die weiterführenden Schularten für die Flüchtlinge öffnen.

Die Realschulen setzen dabei auf ein spezielles Programm namens „Sprachförderung intensiv“, kurz „Sprint“. An der Münchner Joseph-von-Fraunhofer-Realschule sowie der Nürnberger Johann-Pachelbel-Realschule wird das schon erprobt. Jeweils 15 Kinder gehen dort in eine „Sprint“-Klasse, zum Halbjahr werden es jeweils 15 weitere sein.

Nun wird das Modell ausgebaut: Im nächsten Schuljahr kommen 15 weitere Realschulen mit „Sprint“-Klassen dazu, wurde nach einem Runden Tisch aller Beteiligten Ende vergangener Woche entschieden. Die Standorte stehen noch nicht fest. „Es ist ein Einstieg“, sagt der Vorsitzende des Realschullehrerverbands, Jürgen Böhm. „Wir haben jetzt ein klares Konzept für eine durchdachte Eingliederung der Flüchtlingskinder in unsere Schulart.“

Deutsch-Unterricht steht für Flüchtlinge klar im Vordergrund

Der Verband hat zusammen mit dem Kultusministerium einen Stundenplan für Flüchtlingskinder in der 6. und 7. Jahrgangsstufe entwickelt. Ganz klar im Vordergrund steht dabei anfangs der Deutsch-Unterricht. Die Kinder gehen in gebundene Ganztagsklassen und haben 42 Stunden Unterricht in der Woche, davon sind anfangs 34 Stunden dem Deutsch-Unterricht vorbehalten: 14 Stunden in der Woche gibt es das Fach „Deutsch als Zweitsprache“, wobei Vokabeltraining und Grammatik im Vordergrund stehen. Je zehn Stunden gibt es die Fächer „Deutsch Konversation“ und „Deutsch konkret“, wobei hier Deutsch im Alltag geübt wird. In der restlichen Zeit gehen die Flüchtlingskinder in die normale Klasse und haben zusammen mit deutschen Kindern Fächer wie Kunst, Musik oder Sport. Auch hier werden sie in ein „Sprachbad“ getaucht. Nach und nach soll – je nach Kenntnisstand des Kindes – der Anteil von Deutsch reduziert, der der normalen Realschul-Fächer aufgestockt werden.

Eine wichtige Frage wird sein, die für die Realschule begabten Flüchtlingskinder überhaupt zu erkennen. Das Modell „Sprint“ will sich auf Empfehlungen von Lehrern verlassen, die Übergangsklassen an den Mittelschulen unterrichten. Es werde „keine Aufnahmeprüfung“ geben, versichert Böhm.

Rubriklistenbild: © dpa

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