Die Reform der Forstreform

Fünf Jahre alt ist die Forstreform in Bayern – noch immer gibt es viele Kritiker. Ein externes Gutachten hatte im Februar eine Reihe von Defiziten bemängelt. Gestern beschloss das Kabinett deshalb Korrekturen.

273 Seiten stark ist der Bericht, in dem der bayerischen Forstreform ordentlich die Leviten gelesen werden. Das externe Gutachten vom Februar 2010 hatte auf eine Reihe von Schwachstellen hingewiesen – und dringend Korrekturen angemahnt. Forstminister Helmut Brunner (CSU) hatte damals Nachbesserungen versprochen. Gestern informierte er den bayerischen Ministerrat über die Eckpunkte.

So wird den Bayerischen Staatsforsten künftig kein fixes Renditeziel mehr vorgegeben. Der Aufsichtsrat, in dem neben Brunner auch Vertreter aus Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftsministerium sitzen, hatte dies beschlossen, das Kabinett billigte gestern die Entscheidung. Bislang wurden etwa 15 Prozent Umsatzrendite angestrebt – das Unternehmen mit 3000 Mitarbeitern erzielt allein mit dem Holzverkauf jährlich etwa 300 Millionen Euro.

Doch die Preise auf dem Holzmarkt schwanken stark und sind zum Beispiel abhängig von Sturmschäden. „Nur in besonders guten Einzeljahren“ sind 15 Prozent Rendite erreichbar, erklärte Helmut Brunner. Das Gutachten – durchgeführt von der „arf Gesellschaft für Organisationsentwicklung“ – hatte empfohlen, zugunsten ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit die Ertragsziele auf acht bis 12 Prozent zu reduzieren. Doch auch das war einigen Vertretern der 16 Verbände, die zu dem Bericht eine Stellungnahme abgaben, noch zu hoch: Sie sahen ökologische Ziele gefährdet. Die Abschaffung der Mindestrendite war „überfällig“, sagt der Waldexperte vom Bund Naturschutz, Ralf Straußberger. In der Waldwirtschaft mache eine solche Regelung keinen Sinn.

Der Bund Naturschutz kritisiert an der Forstreform vor allem die Streichung der Reviere: Von ehemals knapp 560 blieben im Zuge der Neustrukturierung nur 370 übrig. „Das ist wie mit den Klassenstärken: Jedem ist klar, dass der Unterricht mit 40 Schülern anders abläuft als mit 20“, sagt Straußberger. Die Reviere seien inzwischen so groß, dass die Förster ihren Wald kaum mehr kennen. Zwischenzeitlich stand sogar eine weitere Streichung im Raum – gestern beschloss das Kabinett, die Zahl „bis auf Weiteres“ beizubehalten. „Ein wichtiges Signal“, sagte Forstminister Helmut Brunner. „Das ist die absolute Untergrenze“, kommentiert Straußberger. „Wir brauchen Förster, die im Wald sind, und nicht nur im Auto oder am Schreibtisch sitzen.“

Die Debatte um die erneute Vergrößerung der Forstreviere hatte das Betriebsklima bei den Staatsforsten erheblich belastet – auch das arf-Gutachten hatte die schlechte Stimmung unter den Mitarbeitern beanstandet. Ein Strukturkonzept solle hier Klarheit schaffen, heißt es in dem Bericht.

Auch wenn die Zahl der Reviere vorerst bleibt: Stellen sollen weiter gestrichen werden. „Wir sind durch einen Ministerratsbeschluss dazu gezwungen, Personal abzubauen. Jetzt wurde beschlossen, dass die Strukturen behalten werden. Wie soll das gehen?“, fragt Joachim Keßler, Sprecher der Staatsforsten. Man werde sich die Eckpfeiler genau ansehen müssen. Helmut Brunner wird den Landtag nach der Sommerpause detailliert über die Korrekturen und Nachbesserungen informieren.

Carina Lechner

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