+
Schüler an einem Gymnasium. In der Mittelstufe trennen sich (vielleicht) die Wege.

Reform am Gymnasium

Aufruhr um Spaenles "Mittelstufe plus"

München - „Mittelstufe plus“ – so heißt das Zauberwort, mit dem Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) die Diskussion um die Reform des Gymnasiums beenden will. Doch der Plan geht wohl nicht auf.

„Wenn er diesen Weg weitergeht, dann steigen wir aus“ – der SPD-Bildungsexperte Martin Güll ist richtig wütend über die Planungen, die Spaenle gestern vorgelegt hat. Gespräche über einen Schulfrieden, so Güll zu unserer Zeitung, hätten jetzt keinen Sinn mehr. Ähnlich rigoros der Chef des Bayerischen Philologenverbands, Max Schmidt: „Das kann’s auch nicht sein“, kritisierte er Spaenles Vorstoß für eine „Mittelstufe plus“. Er drohte unverhohlen mit einem Aufstand seiner Basis: „Wenn die CSU bei diesem Modell bleibt, wird keine Ruhe einkehren.“ Ein Brandbrief an alle CSU-Abgeordneten ist in Vorbereitung – denn die CSU-Fraktion soll Spaenles Pläne bei der Klausurtagung im fränkischen Kloster Banz übernächste Woche absegnen.

Was war passiert? Bei der traditionellen Pressekonferenz zum Auftakt des Schuljahres hatte Spaenle erstmals dargelegt, wie er sich eine Reform des Gymnasiums vorstellt. Kerngedanke: Der Schüler darf selbst entscheiden, ob er die Mittelstufe von der 8. bis 10. Klasse in drei oder vier Jahren absolviert. Bisher war das nur in Einzelfällen möglich, wenn der Schüler ein sogenanntes Flexibilisierungsjahr wählte, was bisher nur „einige hundert“ Schüler machten. Jetzt will Spaenle die Schüler der „Mittelstufe plus“ in eigenen Klassen zusammenfassen. „Ich gehe davon aus, dass 20 bis 25 Prozent eines Jahrgangs dieses Zusatz-Jahr annehmen würden“, sagte Spaenle – er bezog sich dabei auf eine Umfrage der Landeseltern-Vereinigung. Starten würde die neue Mittelstufe wohl erst zum übernächsten Schuljahr 2016/17.

Forderungen nach einer Verlängerung des Gymnasiums von acht auf neun Jahre nannte Spaenle „überholt und retro“ – also altmodisch. Er wolle auch kein G8 und G9 parallel, wie es die Freien Wähler in ihrem gescheiterten Volksbegehren vorgeschlagen hatten. Es solle nur „ein Gymnasium und ein pädagogisches Konzept“ geben.

„Dann soll er halt gleich sagen: wir bleiben bei acht Jahren“, knurrte SPD-Politiker Güll. Er prophezeite der „Mittelstufe plus“ organisatorische Probleme. In kleineren ländlichen Gymnasien lasse sich eine achte Jahrgangsstufe nicht beliebig oft in Sonder-Zweige zerlegen. Wenn der Minister aber auch Klassen mit nur noch zehn Schülern zulassen wolle, „dann wird es richtig teuer“. In der Tat geht der Kultusminister von zusätzlichen Kosten aus, da die „Mittelstufe plus“-Klasse ja letztlich ein Jahr länger am Gymnasium verweilt und damit zusätzliche Lehrerstellen zu veranschlagen sind. Insider gehen von einigen hundert Stellen aus, die die Reform kosten würde.

Zweites Problem: Die Frage, wann ein Schüler am Gymnasium die Mittlere Reife erhalten würde, ist in der „Mittelstufe plus“ ungeklärt. Bisher ist dies (ohne Zusatzprüfungen) automatisch nach der 10. Klasse der Fall – bei Spaenles Modell wäre aber der mittlere Schulabschluss erst nach elf Jahren absolviert. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Minister für dieses Modell viel Applaus ernten wird“, meinte der Grünen-Bildungsexperte Thomas Gehring skeptisch.

Bei so viel Kritik geriet eine andere Neuerung fast in den Hintergrund: Das Kultusministerium will auch bei der „Leistungsbewertung neue Wege einschlagen“, wie Spaenle sagte. Etwa durch eine „Vermeidung unangesagter Exen“. Auch sollten verstärkt Projekt-Leistungen benotet werden. Ein weiterer Weg sei es, auf Schulaufgaben ganz zu verzichten und dafür kontinuierlich kleine Leistungserhebungen zu verlangen. Auch regt Spaenle eine stärkere Trennung von Unterrichts- zeiten mit und ohne Prüfung an – wie es in der 4. Klasse Grundschule üblich ist. Am Montag will er seine Reform mit den Bildungsexperten der anderen Parteien diskutieren – wenn nicht alles täuscht, dürfte danach eher „Schulkrieg“ als „Schulfrieden“ herrschen.

Dirk Walter

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Autofahrerin prallt gegen Hauswand und stirbt
Bei einem schweren Unfall am Samstagnachmittag ist eine Frau ums Leben gekommen. Die 63-Jährige war in Regensburg gegen eine Hauswand gefahren.
Autofahrerin prallt gegen Hauswand und stirbt
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Ein Auto ist im Kreis Dillingen in die Donau gefahren. Taucher fanden am Samstagnachmittag die Fahrerin im Wageninneren.
Auto stürzt in die Donau - Fahrerin tot
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Es ist das größte Hüttenbauprojekt, das die Alpenverein-Sektion Oberland je in Angriff genommen hat: Ab September wird die Falkenhütte im Karwendel für 6,3 Millionen …
Falkenhütte wird saniert: Riesen-Projekt für 6,3 Millionen
Gefahr für Schwammerlsucher - Bereits 200 Anrufe bei Giftnotruf
Der nasse Sommer lässt die Pilze sprießen. Kundige Sammler füllen ihre Körbe für einen leckeren Schmaus. Doch gleichzeitig vergiften sich immer wieder Menschen.
Gefahr für Schwammerlsucher - Bereits 200 Anrufe bei Giftnotruf

Kommentare