Kinderarztpraxen völlig überlaufen

Corona-Tests für Kita-Kinder: Verwirrung bei Eltern nach „Missverständnissen“ - das sind die aktuellen Regeln

  • Veronika Mahnkopf
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Eine Regel, viel Verwirrung: Wieder gesunde Kita-Kinder sollten nur mit negativem Corona-Test in ihre Einrichtung zurückkehren dürfen. Alles nur ein Missverständnis, heißt es jetzt.

Update vom 19. März: Erneut weist das Familienministerium darauf hin, dass die jetzt geltenden Regeln nicht von denen vom Montag abweichen. In einer Elterninformation vom 11. März könnte es aber zu missverständlichen Aussagen gekommen sein. Darin war von der Testpflicht für Kita-Rückkehrer die Rede. Diese bestehe explizit nicht und habe nie bestanden, wie ein Sprecher am Freitag nochmals mitteilt.

In den vergangen Tagen habe es zig Nachfragen verunsicherter Eltern beim Ministerium gegeben. Deshalb stellt es noch einmal klar: Es gibt keine Corona-Testpflicht für Kinder, die nach Gesundung wieder in die Kindertageseinrichtung zurückkehren. Zu den aktuell geltenden Regeln für den Besuch der Kindertageseinrichtung hat das Ministerium zur Veranschaulichung eine Info-Grafik veröffentlicht:

Diese Corona-Regeln gelten aktuell (Stand 16.3.2021) in bayerischen Kindertageseinrichtungen.

Update vom 16. März, 17 Uhr: Am Dienstag betonte Familienministerin Carolina Trautner im Landtag gegenüber dpa, dass es bei den jüngsten Regelungen für den Kita-Besuch um „Missverständnisse“ gehandelt habe. „Es braucht keinen Test für die Rückkehr in die Kita, wenn es (das Kind, Anm. d. Red.) den Schnupfen auskuriert hat.“

Trautner sagte außerdem, dass es nicht stimme, dass das Ministerium die Regelung nach Montag noch einmal geändert habe. „Es hat sich nichts geändert.“ Weiterhin sei es auch möglich, leicht erkältete Krippen- und Kita-Kinder freizutesten. Kinder, die eine Erkältung auskuriert haben, können ohne Test in die Kita zurückkehren.

Kita-Kinder sollten negativen Corona-Test vorweisen

Zur Erinnerung: Am Freitag hat das Familienministerium Eltern per Brief folgendes mitgeteilt: „Kinder mit Symptomen einer akuten, übertragbaren Krankheit brauchen ein negatives Testergebnis, bevor sie die Kindertageseinrichtungen/ Kindertagespflegestelle wieder besuchen dürfen.“

Update vom 16. März: Rolle rückwärts: Nachdem das Familienministerium am Freitag angekündigt hatte, dass ab Montag Kinder mit leichten Erkältungssymptomen nur noch mit einem negativen Corona-Test ihre Kita besuchen dürfen bzw. aus dem Krankenstand in die Einrichtung zurückkehren dürfen, ist schon am Tag der Einführung alles anders.

Am Montag teilte das Familienministerium mit, dass Kinder, die wieder gesund sind, keinen negativen Corona-Test vorlegen müssen.  Bayerns Familienministerin Carolina Trautner: „Kranke Kinder gehören nicht in die Einrichtungen. Aber natürlich wollen wir auch weiterhin die Interessen der Eltern und Kinder auf einen Besuch der Kita und den Infektionsschutz möglichst unter einen Hut bringen. Deshalb können Kinder trotz leichter Erkältungssymptome die Einrichtung besuchen, aber eben nur nachdem durch einen Test eine Corona-Infektion ausgeschlossen wurde. Wenn die Kinder jedoch nur leicht erkältet waren und wieder gesund sind, ist der Wiederbesuch auch ohne Test möglich.“

Corona-Tests für Kita-Kinder: Regelung wird entschärft

Die Abschaffung der kurz zuvor eingeführten Regelung dürfte dem enormen Widerstand der Eltern und auch einer gewissen Überlastung der Kinderärzte geschuldet sein. Dem Vernehmen nach waren die Praxen mit dem Ansturm der zu testenden Kinder völlig überlastet, aus einer Praxis war zu hören, man habe erst wieder Mitte kommender Woche Testkapazitäten zur Verfügung.

Erstmeldung vom 12. März: München - Viele Eltern können bei dieser neuesten Mitteilung, die am Freitag in den Kindertagesstätten verteilt werden, nur noch mit den Augen rollen. Oder verzweifeln. Der ein oder andere wird ein Déjà-vu erleben, irgendwie hatten wir das alles schon einmal.

Ab Montag gelten in bayerischen Kindertagesstätten* folgende Regeln: Hat ein Kind Erkältungssymptome, kann es die Kita nur besuchen, wenn die Eltern ein negatives Corona*-Testergebnis vorlegen. Bleibt das Kind daheim, darf es erst wieder in Kindergarten oder Krippe, wenn es einen Corona-Test* gemacht hat und dieser negativ ist.

Corona-Test für Kita-Kinder: Neue Regel gab es schon einmal - sie wurde wieder gekippt

Begründet wird diese neue, sehr kurzfristig eingeführte Corona-Regelung* mit der aktuellen Verbreitung der Coronavirus-Mutationen*, vor allem B.1.1.7, die sogenannte britische Variante. Sie hätte sich, so die Mitteilung vom bayerischen Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales, „in den vergangenen Wochen ausgebreitet“ und „gilt als ansteckender“. Deshalb sei es notwendig, „die Regelung zu Corona-Testungen* anzupassen“. Erkenntnisse, wie die aus der Münchner Virenwächter-Studie* seien auf die Mutationen nicht anwendbar, heißt es weiter.

Eltern kennen die neue Regel bereits. Schon im vergangenen Jahr gab es sie phasenweise. Und auch da hatte sie für Unmut gesorgt*, wurde auch bald wieder abgeschafft. Denn man muss wissen, dass zumindest manche Kinder in den Winter- und Übergangsmonaten eine fast dauerhaft laufende Nase haben. Nun gilt diese eben wieder als Symptom und es braucht einen Test. Wer soll all diese Tests machen? Die Frage, die sich Eltern und Kinderärzte schon 2020 stellten, kommt jetzt wieder auf.

Viele Eltern wünschen sich Corona-Tests für Kinder: „Vielleicht tut sich mit der neuen Testerei jetzt etwas“

Dabei geht es vielen Eltern, wenn man sie fragt, nicht um das Testen an sich. Die meisten hatten sich das sehnlichst gewünscht. „Vielleicht tut sich mit der neuen Testerei jetzt etwas und Infektionsketten im Kindergarten lassen sich schneller stoppen“, sagt eine Mutter, die anonym bleiben will.

Also Tests ja, aber warum jetzt wieder so kurzfristig und - wie viele Eltern monieren, ohne Strategie. „Warum probiert man da nicht mal was, zum Beispiel flächendeckend Pool-Testungen in den Kitas. Zwei Mal die Woche werden alle, Erzieher und Erzieherinnen und Kinder, getestet, mit Lutschtests beispielsweise“, wünscht sich die oben zitierte Mutter. Doch in den Kindertageseinrichtungen sind - so hört man aus Kita-Kreisen - bislang nicht einmal die versprochenen Schnelltests für das Personal angekommen.

Angst vor dem Corona-Test: Was ist mit Kinder, die sich weigern?

Warum die Regelung so plötzlich kommt und warum nicht schon vor Öffnung der Kitas eine Teststrategie geplant und umgesetzt wurde, könnte das Sozialministerium beantworten. Leider blieb eine Rückfrage seitens Merkur.de ohne Reaktion.

Organisieren und umsetzen müssen die neue Regel vor allem die Kinderärzte, Eltern sind verunsichert und fühlen sich allein gelassen. Was, wenn das Kind den Test verweigert? Wenn es Angst hat? „Meiner lässt das nie machen. Und wenn, dann nur ein Mal und nie wieder“, erzählt eine verzweifelte Mutter, auch sie will ihren Namen nicht nennen. Ein Kleinkind könne man schließlich nicht einfach so testen wie einen Erwachsenen, so die Betroffene. Da brauche es Fingerspitzengefühl.

Kinderarzt über Corona-Tests für Kita-Kinder: Vertrauensverhältnis eh schon angekratzt

Und überhaupt: Ist das viele Testen an Rachen und Nase für kleine Kinder überhaupt zumutbar? Ein Kinderarzt berichtete kürzlich, seine kleinen Patienten seien eh schon so „verschreckt“. Wenn ihr Arzt, zu dem sie ein Vertrauensverhältnis haben sollen, nun auch noch alle drei Wochen mit einem Plastikstäbchen in der Nase herumbohrt, geht das wohlmöglich vollends flöten, so seine Befürchtung.

Manche Praxen haben übrigens schon reagiert, wie Rückfragen zeigen: Sie bieten ihren Kinder-Patienten Speichel-Tests. Dabei wird das Stäbchen nur unter die Zunge gelegt, muss also eine Zeit lang eingespeichelt werden. Das ist schmerzfrei, davor braucht man keine Angst haben. Gibt‘s anschließend noch ein Gummibärchen, kann man das als Kind sogar öfter über sich ergehen lassen. *Merkur.de/bayern ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Rubriklistenbild: © dpa Picture Alliance/ZUMA Press

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