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Bettenlager im Pfarrheim: Seit Wochen hatten vier Flüchtlingsfamilien im Pfarrheim St. Emmeram ausgeharrt. Gestern haben sie das Gebäude freiwillig verlassen.

Seit einem Monat in Regensburg ausgeharrt

Flüchtlinge haben Pfarrheim freiwillig verlassen

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Regensburg – Die Flüchtlinge, die seit einem Monat im Regensburger Pfarrheim St. Emmeram ausharren, mussten das Gebäude am Montag verlassen.

Die Situation hatte sich schon am Wochenende zugespitzt. Das Bistum hatte Strafanzeige gestellt und die Essensversorgung beendet. Trotz mehrmaliger Appelle hatten sich vier Flüchtlingsfamilien allerdings weiterhin geweigert, das Gebäude zu verlassen. Gestern Abend versuchte die Polizei noch einmal, die Menschen zu überzeugen, freiwillig zu gehen. Andernfalls werde das Pfarrheim geräumt, kündigte Polizeisprecher Stefan Hartl an. So weit kam es nicht. Die 16 Asylbewerber verließen das Gebäude am Abend freiwillig. Die Regierung der Oberpfalz hatte Busse organisiert, um die Menschen ins Rückführungszentrum nach Manching zurückzubringen.

Die Asylbewerber aus Serbien, Kosovo und Mazedonien hatten seit Anfang Juli gegen ihre Abschiebung, die Einordnung ihrer Herkunftsländer als „sicher“ und die Zustände im Rückführungszentrum in Manching protestiert. Anfangs bestand die Gruppe, die im Regensburger Dom Zuflucht suchte, aus 45 Personen – unter ihnen auch kleine Kinder und ein Baby. Nach einigen Tagen wurden sie ins Pfarrheim umquartiert. Zuletzt harrten dort noch vier Familien mit vier kleinen Kindern und einem Baby aus. Generalvikar Michael Fuchs hatte mehrmals an die Vernunft und Verantwortung der Asylbewerber appelliert. Am Freitag hatten die vier Familien bereits eine Erklärung unterschrieben, freiwillig in ihre Heimat zurückzukehren. Allerdings hätten sie auch unerfüllbare Forderungen gestellt und sogar damit gedroht, sich selbst oder ihren Kindern etwas anzutun.

Das Bistum zeigte sich erleichtert, dass die Protestaktion nun ohne polizeiliche Zwangsmaßnahmen zu Ende gegangen ist. Es bleibe jedoch eine gewisse Nachdenklichkeit, sagte Generalvikar Michael Fuchs gestern Abend. „Uns war von Anfang an wichtig, dass Menschen, die in Not zu uns kommen und um Hilfe bitten, nicht im Stich gelassen werden. Das wollen wir im Rahmen unserer Möglichkeiten so beibehalten, auch wenn die letzten Wochen uns dabei deutlich Grenzen vor Augen geführt haben.“ Das Engagement vieler Menschen der Diözese für Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten bleibe ungeschmälert, betonte er. Das gelte auch für den Ausnahmefall, in Extremfällen für eine bestimmte Zeit bei einem Pfarrer um Kirchenasyl zu bitten.

Die Sorge, die Diözese werde künftig Kirchen aus Angst vor Wiederholungsfällen zusperren, sei unbegründet, sagte der Generalvikar. Aber es dürfe nicht Schule machen, durch das gewaltsame Eindringen in offene kirchliche Räume staatliche Regelungen umgehen zu wollen oder Kirchen als Protestbühne zu missbrauchen. „Die Kirche ist nicht der Staat, der Protest im Dom und im Pfarrheim hat sich daher von Anfang an den falschen Adressaten gewandt und die falschen Mittel gebraucht.“

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