Regensburg: Sexualmörder falsch therapiert?

Regensburg - Ein seit elf Jahren im Gefängnis sitzender Sexualmörder ist nach Ansicht eines Gerichts-Gutachters über die ganze Zeit hinweg völlig falsch therapiert worden.

Dies sagte der Kriminologe Michael Bock am Dienstag in einem Verfahren vor dem Landgericht Regensburg. "Da ist eine unendliche Zeit verplempert worden", sagte er. In dem Prozess geht es darum, ob der nach wie vor als gefährlich eingestufte 31-Jährige dauerhaft in Sicherungsverwahrung bleiben muss.

Es handelt sich um eines der ersten Verfahren nach dem neuen Gesetz zur nachträglichen Verwahrung von Tätern, die nach dem Jugendstrafrecht verurteilt worden sind. Der Mann hatte im Sommer 1997 beim niederbayerischen Kelheim eine Joggerin erwürgt und die sterbende Frau missbraucht. Auch im Hinblick auf die bevorstehende Freilassung des 31-Jährigen wurde im vergangenen Jahr von der Bundesregierung das Gesetz verabschiedet.

Nach Ansicht von Bock weist das Gesetz erhebliche Lücken auf. Die im Fall des Regensburger Täters sinnvollste Maßnahme sei darin nicht vorgesehen. Der Professor der Mainzer Universität sagte, dass der Mann wegen der bestehenden Rückfallgefahr am ehesten in einer sicheren Einrichtung untergebracht werden müsste, die ihn mit Therapie und anderen Maßnahmen auf ein Leben in Freiheit vorbereitet. Dies sei aber nicht möglich.

Der 31-Jährige war 1999 zu der Jugendhöchststrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Er hat die Haft komplett abgesessen, ist wegen des Sicherungsverfahrens aber noch im Gefängnis. Nach Einschätzung von Gutachtern ist der Mann in seiner sexuellen Entwicklung gestört, er habe auch sadistische Neigungen. Bock betonte, dass der 31-Jährige allerdings seine Krankheit akzeptiere und eine Therapie wolle. Nach Ansicht des Sachverständigen hätte der Mann bisher schon wie andere psychisch kranke Straftäter auch in einer forensischen Klinik behandelt werden müssen.

Statt einer Einzelbehandlung habe der 31-Jährige in der Haft aber nur eine unzureichende Sozialtherapie erhalten. Auch in anderen Bereichen hat die Justiz nach Ansicht von Bock versagt. So sei dem Häftling eine weitere Ausbildung verweigert worden, obwohl der Mann für seinen erlernten Beruf als Schreiner völlig ungeeignet ist. In dem Prozess sollen am Montag die Plädoyers gehalten werden, möglicherweise wird dann auch das Urteil verkündet.

dpa

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