Eine Coronavirus-Skulptur steht vor dem Eingang des Klinikums Regensburg.
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Am Klinikum Regensburg wurde eine Studie veröffentlicht, die sich mit der genauen Todesursache von Covid-19-Patienten auseinandergesetzt hat.

„An“ oder „mit“ Corona gestorben?

Studie zu Corona-Toten veröffentlicht: Fast alle würden ohne Covid-19 heute noch leben

  • Thomas Eldersch
    vonThomas Eldersch
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Covid-19 ist eine potenziell tödliche Krankheit. Doch wie viele Menschen tatsächlich an ihren Folgen gestorben sind, ist schwer zu sagen. Eine Regensburger-Studie gibt erste Hinweise.

Regensburg - Insgesamt gab es bis heute (Mittwoch, 3. Februar, 0 Uhr) laut Robert-Koch-Institut in Deutschland 58.956 Corona-Tote. Über die Definition, was ein Corona-Toter überhaupt ist, wird aber schon seit langem eine heftige Diskussion in der Öffentlichkeit geführt. Die einen sagen, die Menschen wären ohnehin gestorben. Die anderen entgegnen, das Virus* sei schuld an ihrem Ableben. Eine Studie, die am Universitätsklinikum Regensburg* veröffentlicht wurde, bringt jetzt zumindest etwas Licht in die Angelegenheit.

Corona-Studie aus Regensburg: Obduktionen brachten eindeutiges Ergebnis

Auch wenn es sich nur eine relative geringe Fallzahl handelt, zeigt die von mehreren Ärzten in Regensburg* durchgeführte Studie doch einen klaren Trend auf. Das Team unter Studienleiterin Dr. Katja Evert untersuchte zu Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr, woran Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung genau gestorben waren, schreibt der BR. 17 Menschen sind in dem Untersuchungszeitraum im Zusammenhang mit Corona* gestorben. Bei acht von ihnen gab die Familie ihr Einverständnis für eine umfassende Obduktion. Die Verstorbenen waren vier Frauen und vier Männer im Alter zwischen 44 und 73 Jahren.

„Wir haben acht Patienten obduziert. Sieben davon sind sicher an Corona* verstorben und eine Patientin ist mit Corona verstorben“, sagt Pathologin Evert. Dabei war die genaue Todesursache bei den Corona-Toten ein multiples Organversagen. Die achte Tote starb an den Folgen einer Leberzirrhose. Ein weiteres erstaunliches Ergebnis der Studie war, dass die anderen Verstorbenen so gut wie gar keine Vorerkrankungen hatten. Höchstens Bluthochdruck oder Diabetes wurde bei ihnen diagnostiziert. „Aber insgesamt nichts, was wirklich eine gravierende Vorerkrankung dargestellt hätte“, sagt Evert. „Daraus kann man eigentlich schließen, dass man auch als junger, mutmaßlich gesunder Mensch an Corona sterben kann“, erklärt die Pathologin.

Corona-Studie aus Regensburg: Verstorbene litten an Pilzinfektion

Neben starken Veränderungen am Lungengewebe konnte das Forscherteam auch bei der Hälfte der Verstorbenen eine Pilzinfektion als Auslöser für das Organversagen ausmachen. Die Corona-Infektion hatte diese wohl begünstigt. Eine wichtige Erkenntnis, da Covid-19 immer noch eine relative neue Erkrankung und der Forschungsstand noch nicht weit fortgeschritten ist. Deshalb ist es für die Wissenschaftler wichtig an den Verstorbenen forschen zu können. „Wir obduzieren und lernen daraus“, sagt Evert. Die Bereitschaft von Angehörigen für eine Obduktion lasse aber wieder ein wenig nach, so die Ärztin.

Aufgrund der geringen Fallzahl und der sehr speziellen Gruppe an Toten können die Ergebnisse der Studie jedoch nicht verallgemeinert werden. Ob ein Mensch „an“ oder „mit“ Corona gestorben ist, kann nur eine Obduktion endgültig klären. Bezüglich ihrer Studie steht für Evert jedoch fest: „Wenn sie nicht Covid gehabt hätten, wären sieben von acht mit einer sehr hohen Wahrscheinlichkeit noch am Leben.“ (tel) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

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