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Kampf gegen Corona-Pandemie

Medikament gegen Covid-19: Regensburger Forschern gelingt erster Durchbruch - „Wir sind begeistert“

  • Katharina Haase
    vonKatharina Haase
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Impfstoffe gegen das Coronavirus gibt es bereits. Ein sicheres Medikament gegen eine Covid-19-Erkrankung gibt es bislang jedoch nicht. Doch Forscher in Regensburg geben nicht auf.

Regensburg - Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca - die Liste der Impfstoffe, die mittlerweile im Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie* entwickelt wurden, ist lang. Mittlerweile tobt ein regelrechter Kampf um die Verteilung der Impfstoffe, bilden diese doch aktuell die einzige Grundlage für ein bisschen Hoffnung auf Besserung. Dem Coronavirus zuvorkommen lautet das Credo der Politiker weltweit. Ein Medikament, das verlässlich hilft, wenn man sich bereits infiziert hat und womöglich bereits Symptome einer Covid-19*-Erkrankung zeigt, gibt es bislang allerdings nicht. Zwar werden weltweit unzählige Medikamente auf ihre Wirksamkeit gegen das Coronavirus getestet und weiterentwickelt - einige sind sogar zur Behandlung in Gebrauch - doch der große Coup im Kampf gegen das tödliche Virus fehlt.

Kampf gegen Corona: Regensburger Forscher suchen nach Anti-Covid-Medikament

Genau dieser Coup ist das Ziel von Gernot Längst, seines Zeichens Professor für Biochemie an der Universität Regensburg, und seinem Team. Er will das Virus im menschlichen Körper stoppen, in dem er eine Vermehrung verhindert. Auch für das Wie haben Längst und sein Team bereits einen Ansatz. Denn für die Vermehrung des Coronavirus im Körper ist das sogenannte N-Protein verantwortlich. Es ist, so ergeben die Forschungen, maßgeblich daran beteiligt, unzählige Kopien des Erregers in den menschlichen Zellen zusammenzubauen. Ziel der Regensburger Forscher ist es also, ein Medikament zu entwickeln, dass das Protein bei seiner Arbeit stört - und somit eine Ausbreitung des Virus in den Zellen stoppt.

Medikament gegen Covid-19: Bayerische Forscher auf der Suche nach Wirkstoff

Neben der Universität sind auch das Fraunhofer-Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM), das Regensburger Biotech-Startup „2bind“ und die Uniklinik beteiligt an der Suche nach einem geeigneten Wirkstoff. Für Längst ist die Tatsache, dass alle Projektmitglieder in Regensburg ansässig sind, von großem Vorteil: „Das ist ideal, man kann eine Entwicklung rascher vorantreiben, als wenn man an ganz verschiedenen Standorten wäre“, so Längst im Gespräch mit dem BR.

Längst und sein Team haben das N-Protein genau untersucht. Dabei kam auch künstliche Intelligenz zum Einsatz. Diese schafft es, anhand von Computermodellen Millionen von möglichen Stoffen in kürzester Zeit auf ihre Wirksamkeit zu testen. und virtuell zu errechnen, ob einer der Stoffe in der Lage ist, das N-Protein zu binden und damit in der Lage ist, die Vermehrung des Virus zu blockieren. Mit Erfolg, wie Längst mitteilt: „Wir haben diese Moleküle im Labor getestet und sie funktionieren. Wir hoffen, dass einige auch in der Klinik funktionieren werden.“

Covid-19-Medikament aus Bayern? Forschern gelingt erster Erfolg

Zunächst müssen die Wirkstoffe allerdings den Realitäts-Check bestehen und mit echten Coronaviren erprobt werden. Erst wenn sie die Vermehrung des Virus wirklich bremsen können - die Berechnungen des Computers also stimmen - können sie zur Medikamentenentwicklung zugelassen werden. Doch für Euphorie ist es zu früh: „Mindestens fünf bis zehn Jahre dauert die Entwicklung eines Medikaments in jedem Fall“, sagt Projektleiter Gernot Längst. Dennoch sei die Entwicklung eines Medikaments sinnvoll, denn das Virus sei „gekommen, um zu bleiben“, so Längst. Und während Impfstoffe schlimmstenfalls ihre Wirksamkeit verlieren, wenn eine neue Virus-Mutation sich ihre Bahnen bricht, bliebe die Wirksamkeit eines Medikaments eher bestehen. Denn, so Längst, das N-Protein sei so wichtig für die Virus-Vermehrung, dass es selbst kaum mutiere, verspricht Längst.

Einen ersten Erfolg können die Forscher mittlerweile zudem verzeichnen. „Von den ersten zehn Substanzen, die wir als aussichtsreiche Kandidaten aus dem Labor von Prof. Längst erhalten haben, hemmen immerhin drei die Virusvermehrung in Zellkultur“, so Ralf Wagner, Professor für Molekulare Mikrobiologie (Virologie) an der Uniklinik Regensburg. Längst ist zufrieden mit der Entwicklung der Dinge. „Wir sind begeistert von der Dynamik der Interaktion und dem Projektfortschritt und hoffen, dass wir einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung eines neuen Medikaments gegen COVID-19 leisten können“, lässt der Forscher in einer Pressemitteilung verlauten. kah

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