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Lehrerin verrät aus Mitleid Abschlussprüfungslösungen: „Notwehr gegen das Virus“

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Von: Felix Herz

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Kurz vor der anstehenden Quali-Prüfung in Mathematik zeigte eine Lehrerin ihren Schülern die Lösungen.
Kurz vor der anstehenden Quali-Prüfung in Mathematik zeigte eine Lehrerin ihren Schülern die Lösungen. © Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Weil sie Mitleid mit ihren von Corona geplagten Schülern hatte, verriet ihnen eine Regensburger Lehrerin die Lösungen für die Mathe-Abschlussprüfung.

Regensburg – Es war ein emotionaler Fall, der zu Beginn der Woche vor dem Amtsgericht Regensburg verhandelt wurde. Eine 57-jährige Lehrerin musste sich dafür verantworten, den Schülern einer Mittelschule die Lösungen für die anstehende Matheprüfung verraten zu haben. Die Pädagogin zeigte sich laut idowa.de einsichtig, und nannte Corona, beziehungsweise die Folgen des Virus sowie die damit einhergegangenen Einschränkungen für ihre Schüler, als Grund für ihr Handeln.

Corona in der Schule: Lehrerin mit „Notwehr gegen das Virus“

Homeschooling und der fehlende persönliche Kontakt zu Lehrern und Mitschülern machten die Corona-Jahre zu einer schweren Phase für Schülerinnen und Schüler. Häufig ist von einem Einbrechen der schulischen Leistungen die Rede, auch Depressionen unter den Heranwachsenden waren nicht selten.

Der 57-jährigen Lehrerin an der Mittelschule Vilsbiburg ging das sehr nahe – und in einer Kurzschlussreaktion verriet die Pädagogin am Tag der Qualiprüfung ihren Schülern die Lösungen für die Matheprüfung. Als eine „Notwehr gegen das Virus“ bezeichnete laut idowa.de ein ehemaliger Vorgesetzter vor Gericht das Handeln der Studienrätin.

Corona: Lehrerin schickt ihren Schülern die Prüfungslösungen – Gerichtsverhandlung

Es sei ihr sehr nahe gegangen, dass ihre coronagebeutelten Schüler nicht die gleichen Chancen hätten, wie andere Jahrgänge zuvor, führte der 68-jährige Zeuge vor dem Amtsgericht Regensburg weiter aus. Die Lehrerin selbst gab an, sich unglaublich verantwortlich gefühlt zu haben.

Am Tag der Prüfung, 14. Juli 2021, hatte die Lehrerin in einem kurzen Moment, in dem sie alleine mit den Prüfungen und deren Ergebnissen war, ihren Schülern per WhatsApp Fotos der Lösungen geschickt. Fünf Minuten hatten die Schüler dann, um sich die Lösungen einzuprägen und Lösungswege zu erarbeiten – dann begannen die Prüfungen an der Realschule in Bayern.

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Corona: Verletzung des Dienstgeheimnisses – Gericht fällt mildes Urteil

Sofort habe sie gewusst, dass sie einen Fehler begangen hatte, erzählt die Lehrerin dem Gericht laut idowa.de. Sie bat die Schüler, die Nachrichten sofort zu löschen – dem kamen die Jugendlichen auch nach. Anschließend meldete die Pädagogin ihr Vergehen jedoch selbst dem Schulamt und der Kriminalpolizei.

Das Gericht sprach nun eine Verwarnung aus – das mildeste Urteil. Jedoch unter Vorbehalt: Bei einem weiteren Vergehen wäre eine Geldstrafe fällig. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft eben eine solche empfindliche Geldstrafe gefordert, unter anderem, weil ein ganzer Jahrgang die Prüfung wiederholen musste.

Corona für alle gleich schlimm? Gericht widerspricht Staatsanwaltschaft

Corona habe alle betroffen – der Virus rechtfertige aber keine Straftat. Dem stimmte das Gericht unter Vorsitz von Richter Markus Brümmer nicht zu. Die Schüler seien in besonderem Maße in Mitleidenschaft gezogen worden, zitiert idowa.de das Urteil. Man könne mit der Lehrerin mitfühlen und sie sei alles andere als eine Kriminelle, so Brümmer.

500 Euro muss die 57-Jährige nun an den gemeinnützigen Verein „AnsWerk“ zahlen. Dann wartet noch ein Disziplinarverfahren des Kultusministeriums auf die Lehrerin. Am Ende will sie aber wieder als Lehrerin weiterarbeiten – einen anderen Beruf könne sie sich nicht vorstellen. (fhz)

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