Tasten in einem Aufzug.
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Die Feuerwehr befreite ein schreiendes Kleinkind aus einem Aufzug - und soll jetzt zahlen.

Einsatzkräfte fassungslos

„Da fehlen einem echt die Worte!“ Feuerwehr rettet schreiendes Kind (1) aus Aufzug - und soll 7000 Euro zahlen

  • Katarina Amtmann
    vonKatarina Amtmann
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Die Feuerwehr Donaustauf rettete einen schreienden Jungen aus einem Aufzug. Knapp zwei Monate später flatterte ihr ein Anwaltsschreiben ins Haus: Die Retter sollen zahlen.

  • Die Freiwillige Feuerwehr Donaustauf soll 7000 Euro zahlen.
  • Grund: Sie hatten einen kleinen Jungen aus einem Aufzug befreit und den Fahrstuhl dabei beschädigt.
  • Besonders ein Vorwurf sorgt für Ärger.

Donaustauf - Mehr als 7000 Euro Schadensersatz fordert ein Anwalt von der Freiwilligen Feuerwehr Donaustauf (Landkreis Regensburg*). Der Grund: Die Feuerwehr hatte am 22. Juni einen eineinhalbjährigen Jungen aus einem Aufzug befreit und den Fahrstuhl dabei beschädigt, wie der Bayerische Rundfunk (BR) berichtet.

Donaustauf (Regensburg): Feuerwehr rettet schreiendes Kleinkind (1) aus Aufzug - und soll zahlen

Eine Hausgemeinschaft in Donaustauf fordert deshalb 7050,50 Euro Schadensersatz. Die Einsatzkräfte hatten das Kleinkind aus dem Aufzug gerettet und dafür die Tür aufgebrochen. Die Hausgemeinschaft hält das Vorgehen für unnötig brachial und hat eine Regensburger Rechtsanwaltskanzlei eingeschaltet, wie der BR weiter berichtet.


Aber der Reihe nach: Am Mittag des 22. Juni erreichte die Feuerwehr ein Alarm: Ein kleiner Junge soll in einem Mehrfamilienhaus in einem Aufzug eingeschlossen sein. Tatsächlich befand sich der Junge im Aufzug und kam nicht mehr heraus. Laut Feuerwehr* war der Grund offenbar, dass sich die innere Tür verklemmt hatte.

Feuerwehr rettet Kind (1) in Donaustauf aus Aufzug - Retter bekommen Schreiben vom Anwalt und sollen zahlen

Die Eltern schilderten den Rettern, dass der schreiende Junge schon eine Stunde eingesperrt sei. Der Hausmeister habe nicht helfen können und wann der Notdienst käme, sei unklar. Die Feuerwehr versuchte deshalb, die Türe manuell zu öffnen. Als das allerdings nicht gelang, öffneten sie die Tür gewaltsam, um den kleinen Jungen zu befreien.

Knapp zwei Monate nach dem Vorfall flatterte der Feuerwehr dann das Anwaltsschreiben ins Haus. Für die Reparatur und sonstige Kosten soll die Feuerwehr über 7000 Euro bezahlen. Als Begründung wird angegeben, dass die Einsatzkräfte noch nicht einmal den Hausmeisterservice oder den Aufzughersteller kontaktiert haben. Stattdessen seien die Retter brachial und nicht fachgerecht vorgegangen, so der Vorwurf. Außerdem wurden Zweifel an der Qualifikation der Feuerwehrler geäußert.

Feuerwehr soll nach Rettungsaktion in Donaustauf zahlen: Zweiter Bürgermeister über Vorwurf verärgert

Bei der Feuerwehr sorgt das Schreiben für Unverständnis, wie es weiter heißt. Kommandant Christopher Möck erklärte gegenüber dem BR, dass die Einsatzkräfte 15 bis 20 Minuten versucht hätten, die Tür zerstörungsfrei zu öffnen. Erst dann habe man entschieden, die Türe gewaltsam zu öffnen, um den schreienden Jungen zu befreien.

Der zweite Bürgermeister Wolfgang Weigert ist selbst bei der Feuerwehr aktiv, wie der BR weiter berichtet. Ihn ärgert vor allem der Vorwurf, man sei für die Aktion nicht qualifiziert genug gewesen. Außerdem sei der Ton des Schreibens „unterste Schublade“, findet er. Dennoch sei der Fall nun Sache der Gemeindehaftpflichtversicherung.

Feuerwehr rettet Jungen in Donaustauf aus Aufzug und soll zahlen: Facebook-Nutzer verärgert

Die Feuerwehr postete mehrere Berichte über den Vorfall auf ihrer Facebookseite. Darunter äußern Nutzer des sozialen Netzwerks Unverständnis. „Da fehlen einem echt die Worte! Ist das der Dank dass das Kind gerettet wurde? Na Herzlichen Glückwunsch! Ihr macht einen super Job, lasst Euch dadurch nicht abhalten in der Not zu helfen! Danke das es euch gibt“, schreibt eine Person und eine weitere zeigt sich ebenfalls verärgert: „Es kann doch echt nimmer sein, das ständig die noch einen auf den Deckel bekommen, die 24 Stunden am Tag 365 bzw 366 Tage im Jahr kostenlos und freiwillig ihr Leben für uns alle riskieren“. (kam) *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Immer wieder müssen sich Retter auch mit körperlichen Angriffen auseinandersetzen. Zu heftigen Szenen kam es aufgrund von Verstößen gegen die Corona-Regeln in Augsburg. Eine Wirtin und deren Mutter griffen Polizisten an - und erhielten noch Unterstützung.

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