1. Startseite
  2. Bayern
  3. Regensburg & Oberpfalz

„Hilferuf“ von Regensburger Edeka-Chef: Ladendiebstähle von Asylbewerbern „nicht mehr ertragbar“

Kommentare

Männer aus Asylheimen stopfen in seinem Markt regelmäßig die Taschen voll, sagt Konstantin Gatzke. Es gibt eine dominante Tätergruppe, sagt die Polizei.

Regensburg - „(...) es ist nicht mehr ertragbar!!! Jeden Tag kommen zu uns schwarz gekleidete Männer, alle aus den Asylwohnheimen in Regensburg. Machen Rucksäcke und Taschen voll, gehen ohne die Ware zu bezahlen durch den Eingang wieder raus. In diesem Fall haben wir ihn gefasst und an die Polizei übergeben.“

Dem Regensburger Edeka-Betreiber Konstantin Gatzke ist vor drei Tagen der Kragen geplatzt, als er in diesem Post auf Facebook seinem Ärger Luft gemacht hat. Gatzke, der in der Oberpfalz sechs Edeka-Märkte betreibt, darunter den im Donaueinkaufszentrum in Regensburg, war gerade auf einer Weihnachtsfeier, als er von einer Mitarbeiterin ein Überwachungsvideo zugeschickt bekam.

„Das hat was von organisierter Kriminalität“: Markt-Betreiber postet Hilferuf auf Facebook

Wieder einmal hatten sie einen Ladendieb im Edeka im DEZ erwischt, als der mit zwei voll gefüllten Taschen aus dem Markt verschwinden wollte. Warenwert 124 Euro. Kein Einzelfall. Da sei es mit der Weihnachtsstimmung vorbei gewesen, sagt uns der Kaufmann. Da habe er seinem Ärger in dem zitierten Facebook-Post Luft gemacht, der bald 400 Mal kommentiert und über 1.500 Mal geteilt wurde.

Der Facebook-Post (l.) von Regensburger DEZ-Edeka-Chef Konstantin Gratzke (r.) sorgt bundesweit für Aufsehen. Die Polizei gibt ihm recht.
Der Facebook-Post (l.) von Regensburger DEZ-Edeka-Chef Konstantin Gratzke (r.) sorgt bundesweit für Aufsehen. Die Polizei gibt ihm recht. © Screenshot Facebook Edeka Gratzke DEZ/Stefan Aigner

Gatzke versteht seinen Post als „Hilferuf“. „Diebstahl ist immer ein Thema. Mal eine Dose Red Bull, Kaugummi, ein paar Flaschen Bier. Aber das, was da September/Oktober passiere, habe etwas von organisierter Kriminalität.“ Und zumindest diejenigen, die man erwische, seien Männer aus Asylunterkünften in Regensburg, vornehmlich aus Nordafrika.

Hilferuf von Edeka-Betreiber: Täter kommen zu dritt und gehen gezielt vor

Häufig kämen die Täter zu zweit oder zu dritt und gingen dabei äußerst gezielt vor. Aufnahmen der Überwachungskameras, die er aufgehängt habe, 49 an der Zahl, belegten dies, so Gatzke. Das Muster: Einer warte draußen vor der Eingangsschranke, um diese dann, wenn die Taschen der anderen voll seien, auszulösen, damit man gemeinsam verschwinden könne.

Weder seine Beschäftigten noch Wachpersonal könnten das gänzlich verhindern. 3000 bis 5000 Euro gebe er mittlerweile für Sicherheitsleute im Monat aus.

Gatzke zeigt Bilder von dem Diebesgut, das man bei einem Täter gefunden hat – mehrere Doraden, das Stück zu zehn Euro, fünf oder sechs Packungen mit Garnelen, Stückpreis knapp 20 Euro, große Gläser mit teuren Gewürzen. Das klaue niemand für den eigenen Bedarf, ist er überzeugt. „Das wird weiter verkauft.“

Nach Post über Ladendiebstahl: Markt-Betreiber wehrt sich gegen Rassismusvorwurf

Den monatlichen Schaden für seinen Markt schätzt Gatzke auf zwischen 5000 und 10.000 Euro. In zwei Leitz-Ordnern hat er die Diebstahl-Fälle der letzten beiden Jahre gesammelt. Manche Täter erwische man mehrfach innerhalb kürzester Zeit. „Manchmal sind die schon nach drei Tagen wieder da.“ Und wenn man die Leute anspreche, müsse man sich noch beleidigen und als Rassist von ihnen beschimpfen lassen.

Der Facebook-Post von Konstantin Gatzke
Der Facebook-Post von Konstantin Gatzke © Screenshot Facebook

Dabei sei das ausgemachter Blödsinn, ärgert sich der Unternehmer. „In meinen Märkten beschäftige ich Menschen aus 30 verschiedenen Ländern.“ Im DEZ-Edeka habe man zum Beispiel gerade einen Azubi aus dem Irak.

„Ich habe doch kein Problem damit, wo die Leute herkommen.“ Es gehe ihm um die Diebe – und zumindest die, die man erwische, kämen nun einmal zu einem sehr großen Teil aus den Asyleinrichtungen und vor allem aus Maghreb-Staaten (Algerien, Tunesien, Marokko). „Aber denen passiert ja nichts“, so Gatzkes Eindruck. Die Justiz sei anscheinend völlig überfordert.

Ladendiebstähle in Regensburg: Polizei verzeichnet deutliche Zunahme

Zahlen der Polizei Regensburg belegen, dass die Zahl der Ladendiebstähle im Stadtgebiet nach einer „Corona-Delle“ in den Jahren 2020/21 wieder stetig zunimmt. Zwar wurde der Stand von 2018 (1835) im vergangenen Jahr 2022 (1629) noch nicht wieder erreicht, allerdings zeichne sich für dieses Jahr eine neuerliche Steigerung ab, so ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberpfalz.

Deliktschwerpunkte seien neben dem DEZ die Arcaden und das Bahnhofsgebäude. Auch der Betreiber des dortigen Edeka-Markts hat in der Vergangenheit immer wieder eine Zunahme der Ladendiebstähle beklagt.

Ladendiebstähle in Regensburg: Ein Drittel der Verdächtigen sind Tunesier

Die Polizei bestätigt zudem Gatzkes Eindruck, dass es vor allem in den letzten Monaten schlimmer geworden sei und dass eine Tätergruppe die Nase vorn hat. Man habe seit Herbst 2023 Häufungen von Ladendiebstählen feststellen können, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion. Und: „Auffällig ist, dass in circa einem Drittel der Fälle die ermittelten Tatverdächtigen die tunesische Staatsangehörigkeit haben.“

Aktuell leben nach Angaben der Regierung der Oberpfalz rund 270 Menschen aus dem Herkunftsland Tunesien in Unterkünften im Stadtgebiet Regensburg. Deren Ruf schädigt offenbar eine kleine Gruppe von Intensivtätern. Das legen zumindest die Erfahrungen der Polizei nahe.

(Übrigens: Unser Regensburg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Weltkulturerbe-Stadt und der Oberpfalz. Melden Sie sich hier an.)

Ladendiebstähle in Regensburg: Intensivtäter und arbeitsteiliges Vorgehen

Ähnlich wie bei der Kriminalität im Bahnhofsumfeld scheine auch bei den Ladendiebstählen „eine kleine Personengruppe für eine Vielzahl an Delikten verantwortlich“ zu sein, so ein Sprecher gegenüber unserer Redaktion. Und auch wenn die Pressestelle des Polizeipräsidiums nicht wie Gatzke von organisierter Kriminalität spricht, ist auch hier die Rede davon, dass diese Intensivtäter „arbeitsteilig“ vorgehen, dass hier also ein geplantes, bandenähnliches Diebstahlgeschehen stattfindet.

Diese Zahlen sind übrigens kein Regensburger Phänomen. Auch das BKA spricht in seinem Bundeslagebild für „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ vom vergangenen Jahr davon, dass der Anteil der tatverdächtigen Zuwanderer/Zuwanderinnen aus den Maghreb-Staaten (Algerien, Marokko und Tunesien) mit 8,5 Prozent erneut deutlich über deren Anteil an den Geflüchteten in Deutschland liegt.

Auch die Daten des BKA legen nahe, dass dieser Umstand insbesondere daherrührt, dass es unter den Tatverdächtigen einen hohen Anteil von Mehrfachtätern gibt.

Ladendiebstähle in Regensburg: Ermittlungsbehörden setzen auf schnelleres Vorgehen

Dem Eindruck, dass Täter lange unbehelligt bleiben, den Gatzke äußert und der auch in Zusammenhang (vor allem) mit der Drogenkriminalität rund um den Bahnhof entstand, versuchen Polizei und Justiz seit einigen Wochen mit einer engeren Verzahnung entgegenzuwirken – eine eigene Ermittlungsgruppe bei der Polizei und ein Sonderreferat bei der Staatsanwaltschaft.

„Dies sieht insbesondere vor, Strafverfahren gegen Wiederholungstäter und Mehrfachtäter schnellstmöglich zu bearbeiten und der Staatsanwaltschaft vorzulegen, so dass eine unmittelbare Anklage bzw. eine Verurteilung vor Gericht, ggf. auch ein Haftbefehl für die genannten Personen erwirkt werden kann.“

Im Bahnhofsumfeld hat dieses Vorgehen laut letzten Angaben sieben Haftbefehle binnen drei Wochen gezeitigt. Inzwischen hat der Edeka-Chef seinen Post wieder gelöscht, wohl auch aufgrund unzähliger rechtsradikaler Kommentare.

Mehr News finden Sie in unserer brandneuen Merkur.de-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie Merkur.de ab sofort über einen neuen Whatsapp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.

Auch interessant

Kommentare

Teilen