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„Walhalla-Connection“ verschob 430 Kilo Drogen: So schnappte die Kripo das Drogen-Quartett aus Bayern

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Von: Stefan Aigner

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Angeklagte und Verteidiger im großen Sitzungssaal des Landgerichts Regensburg
Die vier Angeklagten mit ihren Strafverteidigern im großen Sitzungssaal des Landgerichts Regensburg. © Michael Bothner

Wegen Drogenhandels in beträchtlichem Ausmaß stehen derzeit vier Männer vor dem Landgericht Regensburg – die sogenannte „Walhalla-Connection“.

Regensburg – 430 Kilogramm Drogen, geschätzter Gesamtwert 2,3 Millionen Euro. Solche Mengen sollen die vier Männer, die sich derzeit vor dem Landgericht Regensburg verantworten müssen, in nicht einmal zwölf Monaten bewegt haben.

Anklage wegen Drogenhandel in Regensburg: Kiloweise „Grape Gelato“ und „Cannabis Flower Jungle Boys“

Vor allem Marihuana-Produkte mit nett klingenden Namen wie „Grape Gelato“, „Cannabis Flower Jungle Boys“ oder einfach nur „Hase“ listet die Anklageschrift auf. In Mengen von meist mehreren Kilos zu Preisen im niedrigen sechsstelligen Bereich wurde wechselnd bei zwei Bezugsquellen aus Berlin und Nordrhein-Westfalen bestellt. Kommuniziert wurde mit Kryptohandys über die verschlüsselten Messenger-Dienste EncroChat und SkyECC.

Lange galten diese Messenger als nicht zu knacken und waren deshalb bei Kriminellen sehr beliebt. Doch seit es französischen Ermittlern gelungen ist, die Chats zu entschlüsseln und so an Daten von zehntausenden Usern zu gelangen, stapeln sich nicht nur in Regensburg die Ermittlungsakten. So auch bei der sogenannten „Walhalla-Connection“, benannt nach der Walhalla-Straße in Neutraubling, die bei den Ermittlungen immer wieder auftauchte.

In Regensburg stand auch ein Mann vor Gericht, der seinen Mitbewohner erstochen haben soll. Er selbst wusste nichts mehr von der Tat.

Ermittlungen gegen „Walhalla-Connection“ in Regensburg: Telefone wurden monatelang abgehört

Seit Herbst 2020 hatte die Kriminalpolizei das Drogen-Quartett im Visier, hörte Telefone ab und überwachte Chats. Anfang 2021 griffen die Ermittler zu und nahmen den damals 24-jährigen Sebastian P. (alle Namen geändert) nach der Rückkehr von einem Drogen-Deal in Berlin fest.

Seit Anfang April sitzen er und drei seiner Komplizen nun auf der Anklagebank, ursprünglich angeklagt wegen des Vorwurfs des bandenmäßigen Handeltreibens mit Betäubungsmitteln. Die ersten beiden Prozesstage waren dabei vor allem von langen Rechtsgesprächen zwischen Strafkammer, Staatsanwaltschaft und Verteidigern bestimmt. In deren Zuge haben die vier Angeklagten die Vorwürfe weitestgehend eingeräumt – abgesehen von ein paar Details.

Anklage gegen „Walhalla-Connection“ in Regensburg: Geknackte Chats brachten den Durchbruch

Vor allem den Vorwurf, als Bande agiert zu haben, bestreiten die Männer. Sie hätten zwar über das Kryptohandy von Jamal S., dem Hauptangeklagten, immer wieder gemeinsam Bestellungen getätigt. Konkrete Befehle, gemeinsame Absprachen oder Abnehmer habe es aber zu keinem Zeitpunkt gegeben. Jeder habe für sich und auf eigene Kasse bestellt. Zudem sei vieles für den eigenen Bedarf bestimmt gewesen. Während letzteres angesichts der schieren Mengen nicht ganz so glaubwürdig wirken mag, so ist der Bandenvorwurf mittlerweile vom Tisch. Er stand von Anfang an auf wackeligen Beinen.

Als erste hatten Frankfurter Behörden die EncroChat-Datensätze grob gesichtet und stießen dabei auf die Regensburger Adresse von Sebastian P. Sie informierten die hiesigen Behörden. Die Telefonüberwachung begann. Über P. wurden die Ermittler dann schnell auf weitere Personen aufmerksam und dehnten die Ermittlungen aus.

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Regensburger „Walhalla-Connection“: „Geld regelt alles“

Doch selbst nach der Festnahme von Sebastian P. mochten die übrigen Beteiligten noch nicht so recht glauben, dass es auch sie erwischen würde. Über den Lauscher konnten Polizeibeamte beispielsweise mithören, wie sich zwei der nun Angeklagten darüber austauschten, die Eltern von Sebastian P. zum Schweigen zu bringen – nach dem Motto „Geld regelt alles“.

Nach der Festnahme der anderen Männer stellten die Polizisten weitere Drogen in einem Mercedes und mehrere tausend Euro an Bargeld in einem Tresor sicher. Über die Auswertung der Mobiltelefone stießen die Ermittler zudem auf Zugangsdaten für SkyECC, einem weiteren Krypto-Messenger, damit auf weitere Beweise und noch mehr Unterlagen.

Anklage gegen „Walhalla-Connection“: Dem Hauptangeklagten drohen mehr als neun Jahre Haft

Den vier Männern droht jeweils eine mehrjährige Haftstrafe – zwischen viereinhalb und neuneinhalb Jahren stehen derzeit im Raum. Während der Beweisaufnahme wurde zudem bekannt, dass bereits weitere Ermittlungen und Verfahren gegen Personen aus dem Umfeld der Angeklagten laufen oder bereits zum Abschluss gebracht wurden. Ein Mann soll sich bis heute auf der Flucht befinden – ein Tipp aus der Justizbehörde soll ihn gewarnt haben. Wer der Maulwurf war, ist bisher unbekannt.

Das Verfahren vor der 5. Strafkammer ist inzwischen auf der Zielgeraden, der größte Teil des Beweisprogramms bereits abgearbeitet. Auch Dank der Geständnisse. Dennoch werden die Urteile erst Mitte Juli fallen.

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